Interview

«Auf diese Art Publizität hätte ich gerne verzichtet»: Trotz parteiinternen Querelen hat Franziska Cavelti Häller für die GLP einen Sitz im Kantonsrat erobert

Umweltbewusste Unternehmerin: Die Jonschwilerin Franziska Cavelti Häller politisiert bald in der Pfalz.

Tobias Söldi
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Neues Gesicht in der politischen Landschaft: Unternehmerin Franziska Cavelti Häller.

Neues Gesicht in der politischen Landschaft: Unternehmerin Franziska Cavelti Häller.

Bild: PD

Ihre Wahl in den Kantonsrat hat viele überrascht, stiegen Sie doch als unbekannte Politikerin ins Rennen. Wie haben Sie die Wahl erlebt?

Franziska Cavelti Häller: Selbstverständlich war auch ich überrascht. Ich durfte nicht mit einer Wahl rechnen. Vor allem war unklar, ob die Grünliberale Partei es schafft, einen Sitz zu erobern. Umso mehr freut es mich, dass es doch geklappt hat – für die Partei und für mich.

Ein grosser Teil des St.Galler Politpublikums hörte wohl erstmals im Februar wegen der sogenannten Flyer-Affäre von Ihnen: Sie wurden von der ehemaligen Wiler GLP-Kantonsrätin Erika Häusermann als «Umweltsünderin» bezeichnet, weil Sie eigene Wahlwerbezettel gedruckt hatten. Hat Ihnen diese Publizität zum Wahlerfolg verholfen?

Dies kann ich nicht beurteilen. So oder so hätte ich auf diese Art der Publizität gerne verzichtet.

Warum?

Ob digitale Kommunikation oder Online-Banner ist für mich keine ökologische Frage, sondern eine des persönlichen Kommunikationsstils. Die Flyer sind auf FSC-Papier gedruckt und klimaneutral produziert worden. Zudem ist die Frage nicht relevant, sondern lenkt von den wichtigen Themen ab, wie beispielsweise der Diskussion über das neue Energiegesetz, die in der gleichen Woche im Kantonsrat verhandelt wurde. Dies wäre relevant für eine griffige Klimapolitik – und nicht ein paar A5-Flyer.

Warum hat es dann für einen Sitz gereicht?

Für den Sitzgewinn der Partei sind grundsätzlich alle Kandidierenden auf der Liste gemeinsam verantwortlich. Es braucht einen gewissen Wähleranteil, damit ein Sitz gewonnen wird. Je stärker die Kandidaten auf der Liste, desto eher gelingt der Sitzgewinn. Dieser ist somit immer eine Teamleistung.

Wie sind Sie zur Politik gekommen?

Ich bin in einem politischen Elternhaus aufgewachsen. Die Diskussion über das aktuelle Weltgeschehen gehörte zum Mittagstisch. Der Wunsch, politisch aktiv zu werden, ist durch meine Kinder entstanden. Ich möchte, dass auch unsere Kinder eine intakte Umwelt und Möglichkeiten zur eigenen Entfaltung vorfinden. Darum auch mein Wahlkampfstatement: «Es ist Zeit, an die Zukunft unserer Kinder zu denken.» Als Vorstandsmitglied und später als Co-Präsidentin des WWF St.Gallen engagiere ich mich schon seit Jahren politisch auf lokaler und kantonaler Ebene.

Seit einem halben Jahr sind Sie Mitglied der GLP. Warum die Grünliberalen und nicht die Grünen?

Die GLP verbindet konsequenten Umwelt- und Klimaschutz mit einer liberalen Wirtschaftspolitik. Die GLP steht in der politischen Mitte – da fühle ich mich wohl.

Sie sind auch Unternehmerin und Mitglied der Geschäftsleitung der Cavelti AG. Profitieren Politik und Unternehmertum voneinander?

Das Unternehmen wird vom Kantonsratsmandat sicher nicht profitieren. Im Gegenteil: Meine zeitliche Belastung wird grösser. Ich hoffe aber, dass ich meine Erfahrungen aus Beruf und nebenberuflicher Tätigkeit in die Politik einfliessen lassen kann.

Was fasziniert Sie am Politisieren?

Mir gefällt die Debatte, der Meinungsbildungsprozess und das gemeinsame Suchen nach tragfähigen Lösungen.

Und was stört Sie am Politikbetrieb?

Das weiss ich noch nicht.

Für welche Themen werden Sie sich als Kantonsrätin starkmachen?

Ich möchte mich für eine nachhaltige und umweltverträgliche Wirtschaft einsetzen. Dazu gehören intelligente Verkehrskonzepte und eine durchdachte Raumplanung. Es braucht Platz für wirtschaftliche Entwicklung und für Biodiversität. Als Schulrätin liegt mir unsere Volksschule sehr am Herzen. Die Volksschule ist eine enorm wichtige Klammer, die unsere Gesellschaft zusammenhält. Dazu müssen wir Sorge tragen.

Womit beschäftigen Sie sich in Ihrer Freizeit?

Wie fast alle Menschen bin ich gerne mit Freunden zusammen und geniesse mein Privatleben.

Zur Person

Franziska Cavelti Häller ist 56 Jahre alt, verheiratet, Mutter von zwei Kindern und wohnt in Jonschwil. Sie ist eidgenössisch diplomierte Ingenieurin FH sowie Chief Digital Officer. Seit 1995 leitet sie die Abteilung Marketing und Verkauf der Cavelti AG in Gossau. Seit acht Jahren ist Franziska Cavelti Häller Vizepräsidentin des Schulrates Jonschwil-Schwarzenbach, seit mehreren Jahren Co-Präsidentin des WWF St. Gallen, seit einem Jahr GLP-Mitglied. An den Kantonsratswahlen eroberte sie für die Partei einen Sitz. (tos)

Hinweis: Das Interview wurde schriftlich geführt.

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