Auf Deutsch, aber doch in einer anderen Sprache

Notabene

Simon Dudle
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Das türkische Projekt des FC Wil ist nach 19 Monaten gescheitert, aus dem viel zitierten Märchen droht ein Albtraum zu werden. Den drei Schweizer Verwaltungsräten Roger Bigger, Christian Meuli und Maurice Weber bleibt nichts anderes übrig, als den Scherbenhaufen zusammenzukehren. Die grosse Hoffnung kann nur sein, dass dies gelingt. Immerhin geht es um 70 Arbeitsplätze in der Stadt Wil, um viele persönliche und bewegende Schicksale und um die Verhinderung eines grösseren Imageschadens für Club und Stadt.

Auch wenn der Ausstieg am Ende schneller gekommen ist als von den meisten erwartet, so ist die Überraschung darüber grundsätzlich nicht allzu gross. Zu einer Einheit sind die schweizerische und türkische Fraktion in den gut eineinhalb Jahren nie zusammengewachsen. Ganz im Gegenteil. Auf das Wissen der Schweizer haben die türkischen Investoren bewusst verzichtet. Es gab also einen Graben, der nie zugeschüttet wurde. Selbst das Bemühen dazu war nur selten ersichtlich.

Die kulturellen Unterschiede sind unterschätzt worden. Hier die Schweizer, die vom Geldsegen und einer Zukunft im nationalen Rampenlicht träumten. Dort die Türken, die davon ausgegangen waren, eine grosse Stange Geld und ein ebensolches Bauunternehmen seien Voraussetzung genug, ein Stadion bauen zu können und die Gunst der Wiler zu kaufen. Was sie nicht berücksichtigt hatten, war grundlegend: Die Schweiz funktioniert anders. Geld alleine ist hierzulande kein Garant für einen Stadionbau. Es braucht viele Gespräche, Konzepte, Fingerspitzengefühl in der Kommunikation – und vor allem viel, viel Zeit.

Obwohl einige türkische Vertreter Deutsch sprachen, wurde nicht in derselben Sprache geredet. Oder noch trivialer: Es wurde zu wenig kommuniziert. Seit der transparenten Medienkonferenz am Mittwochabend besteht die Hoffnung, dass sich dies unter Schweizer Führung wieder ändert. Hoffentlich ist es noch nicht zu spät.

Simon Dudle

simon.dudle@wilerzeitung.ch