Auf der Suche nach Freunden

Die Neujahrsbegrüssung der Gemeinde Bronschhofen fand unter freiem Himmel statt. Die Ansprachen hielten Gemeindepräsident Max Rohr und Diakon Franz Wagner.

Albert Büchi
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Die Neujahrsbegrüssung in Bronschhofen fand bei frostigen Temperaturen vor der Scheune der Dorfkorporation statt. (Bild: alb.)

Die Neujahrsbegrüssung in Bronschhofen fand bei frostigen Temperaturen vor der Scheune der Dorfkorporation statt. (Bild: alb.)

bronschhofen. Gemeindepräsident Max Rohr stellte an der Neujahrsbegrüssung die Frage in den Raum, ob die Schweiz überhaupt noch Freunde habe. 2009 sei in vielerlei Hinsicht ein aussergewöhnliches Jahr gewesen. Sicher sei, dass unser Land und seine Führung richtig durchgeschüttelt worden seien und mehr als einmal ein eher peinliches Bild abgegeben hätten.

Namentlich erwähnte Rohr die Angriffe von Amerika, Frankreich, Italien und Deutschland auf das Schweizer Bankgeheimnis, aber auch die Beschimpfungen durch Libyens Revolutionsführer.

«Wo sind die angeblichen Freunde, die einem in solchen Situationen hilfreich zur Seite stehen? Oder haben wir möglicherweise gar keine Freunde mehr?» Diese Gedanken gingen Max Rohr zum Jahreswechsel durch den Kopf.

Er glaube nicht, dass unsere Bundespolitiker alles falsch gemacht hätten, denke aber, dass sich die Schweizer Politik immer noch viel zu stark an veraltete Spielregeln halte. Der Bundesrat nehme sich zu wenig Zeit für die Entwicklung von Visionen, Strategien und Aussenbeziehungen und verliere sich in Tagesgeschäften, welche die Verwaltung erledigen könnte.

Beziehungen pflegen

Es sei ausserordentlich wichtig, dass wir Schweizer uns nicht nur mit uns selbst und mit der Gegenwart beschäftigten, sondern auch mit unserer Zukunft, meinte der Redner weiter: «Sonst ist das Risiko gross, dass die Zukunft ohne uns stattfinden wird.» Die Beziehungen müssten aktiv gepflegt werden, wenn wir eines Tages nicht alleine dastehen wollten.

Gemeindepräsident Max Rohr war an der durch die Kulturkommission organisierten Neujahrsbegrüssung nicht der einzige Redner. Er übergab an Franz Wagner, Diakon der Katholischen Kirchgemeinde. Wagner dankte für die Möglichkeit, sich kurz vorzustellen, da er erst seit einigen Monaten in der Gemeinde tätig ist. Ein besonderes Anliegen sei ihm die Ökumene. Er sei der Ansicht, dass hier vieles möglich sei.

Wagner lobte auch die Zusammenarbeit mit der Pfarrei Wil, die ein grosses Team und eine gute Infrastruktur biete.

Zum Schluss wünschte der Diakon den Anwesenden gute Begegnungen und gute Gespräche. Dieser Wunsch ging am Sonntagabend teilweise sicher schon in Erfüllung. Punsch, Glühwein und heisse Würstchen sorgten für warme Hände und Körper, die Unterhaltung mit Gleichgesinnten sicher für Wärme in den Herzen.

Seit zehn Jahren Gesang

Zum dritten Mal organisierte die Kulturkommission, mit den Gemeinderäten Eugen Melliger und Manfred Ott an der Spitze, diese Neujahrsbegrüssung. Die Dorfkorporation stellte dafür ihre Scheune zur Verfügung. Angesichts des schönen Wetters fand der Anlass auf dem Vorplatz statt. Bei Temperaturen unter dem Gefrierpunkt brauchte das etwas Durchhaltewillen.

Diese Begegnung wird abwechslungsweise in Bronschhofen und Rossrüti abgehalten. Dem eher späten Termin am Sonntagabend nach Neujahr liege die Idee zugrunde, dass man auch Leuten, die über die Festtage wegfahren, die Teilnahme ermöglichen wolle, verriet Eugen Melliger auf Anfrage der Wiler Zeitung.

Sieben Männer liessen sich von einer Frau «herumdirigieren». Die Hobby Singers Bronschhofen sangen Lieder wie «Zwei Spuren im Schnee», «Bring mir Glück, Schornsteinfeger» oder «De Seppl».

Der kleine Chor besteht seit zehn Jahren. Dieses Jubiläum soll gemäss Kurt Hollenstein am 24. April gefeiert werden. Dann wird es möglicherweise etwas wärmer sein als am Sonntagabend.

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