Auf der Suche nach Freiheit

Zehn Asylsuchende aus Sri Lanka leben seit Anfang Februar im Zivilschutzkeller in Rickenbach und Wilen. Im Gespräch mit einigen Männern erzählen diese von ihren Zielen, aber auch von ihren Sorgen.

Bettina Bellmont
Drucken
Teilen

Rickenbach/Wilen. «We want freedom», sagt Muthusamy Wesan mehrmals. Die Männer, die neben ihm am Tisch oder auf dem grossen Sofa sitzen, nicken heftig und wiederholen: «Freedom. Freedom.» Der Wunsch nach Freiheit sei es gewesen, der sie hier in die Schweiz gebracht habe, und mehr Freiheit sei es auch, was sie sich in der Unterkunft im Zivilschutzkeller in Wilen am meisten wünschen.

«In Sri Lanka waren wir nicht frei, viele von uns waren in Militärgefängnissen», erklärt der 23-jährige Muthusamy Wesan in gebrochenem Englisch.

Platz ist begrenzt

Anfang Februar sind die zehn Männer aus Sri Lanka im Zivilschutzkeller in Rickenbach und Wilen eingezogen. Zusammen mit den acht Personen, die den beiden Gemeinden Rickenbach und Wilen vom Kanton Thurgau zugeteilt wurden, leben noch zwei Asylsuchende aus Wuppenau in der Unterkunft. Dies wurde unter den Gemeinden so vereinbart.

Ivan Knobel, Gemeindeammann von Rickenbach, berichtet, dass es bisher keine weitere Anfragen von Gemeinden gab. «Allerdings wären wir darauf vorbereitet gewesen, einen Asylsuchenden einer kleineren Gemeinde im Hinterthurgau aufzunehmen», erzählt er. Diese habe aber auf das Angebot verzichtet. Die Möglichkeit einer Aufnahme bestehe aber weiterhin, so Knobel. «Mehr als eine Person können wir aber nicht mehr aufnehmen. Es ist jetzt schon sehr eng.»

Das ist es wirklich im Zivilschutzkeller gleich neben dem Gemeindehaus. «Es ist zu klein», betont Marryathasan Anton Satheeskumar. Muthusamy Wesan neben ihm nickt: «Es gibt nur eine Toilette für zehn Personen, und wir alle schlafen im selben Raum.» Er steht auf und geht einen Raum weiter. Er deutet auf die Hochbetten und erzählt, wie er sich jeden Morgen den Kopf an der Decke anschlägt. Einige seiner Zimmergenossen sind im gefolgt und demonstrieren lachend die Szenerie. Einer beginnt mit Wesan auf tamilisch zu sprechen.

Dieser übersetzt und deutet auf den 39-jährigen Gadhrawel Shivanesvaran: «Er hat Asthma, und die Luft hier ist nicht gut für ihn.»

Männer werden beschäftigt

Tsering Khamritshang ist während acht Stunden pro Tag der Betreuer der Asylsuchenden und hilft ihnen, sich am neuen Ort einzugewöhnen. «Anfangs hatten viele etwas Mühe mit der Unterkunft. Jetzt legt sich das aber», berichtet er.

Auch hätten sich viele nicht damit abgefunden, für das Mittagessen nach draussen in den Pfarreisaal oder in die Küche der Primarschule zu gehen und dort selbst zu kochen. Für Ernst Bucher, verantwortlich für das Fürsorgeamt in Rickenbach, ist dies allerdings ein wichtiger Punkt: «Wir wollen, dass sie Aktivitäten haben und auch nach draussen gehen.»

Fünf der Männer wurden Anfang dieser Woche ins Beschäftigungsprogramm «mitenand gohts ringer» integriert und unternehmen jetzt gegen eine kleine Zulage des Taschengelds Rundgänge durch die Quartiere. Die restlichen fünf hätten bei der Gruppe «Wald und Holz» mithelfen sollen. «Das Wetter ist bis jetzt einfach zu schlecht, darum warten wir noch ab», erklärt Bucher. Am Wochenende haben alle freien Ausgang, benutzt hätten ihn bisher allerdings nur die Hälfte.

Unter den Männern wurde ein Zimmerchef bestimmt. Suresh Satrukalsinghe übernimmt das Kommando im Zivilschutzkeller, wenn Betreuer Tsering Khamritshang nicht im Zivilschutzkeller ist. Jeden Monat wird ein neuer Zimmerchef gewählt, damit alle einmal dieses Amt übernehmen.

«Wir wollen frei sein»

Um die Anlage wohnlicher zu gestalten, hängen Bilder an den Wänden, ein Fernseher und ein Sofa wurden hineingestellt. Zur Dusche geht es durch eine kleine Öffnung in der Wand. Trotzdem sei die Anlage keine «Übergangslösung», berichtet Ernst Bucher.

«Wir haben uns für einen langfristigen Betrieb eingerichtet, da wir auch in die Anlage investieren mussten», stellt er fest. «Länger als zwei, drei Monate hält man es hier nicht aus», befürchtet Muthusamy Wesan. Er möchte daher so schnell wie möglich einen Job finden, denn er weiss, dass dies der einzige Weg ist, um «frei» zu sein.

«In dieser Phase ist das noch eine Illusion», klärt Ernst Bucher auf. Um die Chancen der Männer jedoch zu verbessern, nehmen diese an Deutschkursen des Türkischen Kulturvereins teil. «Wir besprechen mit dem Kulturverein, ob wir den Männern Computer zur Verfügung stellen können. Damit könnten diese ihre Jobsuche vorantreiben.» «Deutschlernen ist noch sehr kompliziert», erklärt einer der Asylsuchenden. Er möchte mehr auf Menschen zugehen, um die Sprache zu üben. Grüssen kann er bereits, und er ergänzt: «Wenn wir wollen, dann können wir das schafften.

» Denn obwohl es ihnen im Zivilschutzkeller nicht sonderlich gefällt, sind sie sich in einem Punkt einig. «Swiss ist gut», versucht es Mariyathasan Anton Satheeskumar auf Deutsch. «Die Schweiz ist super, die Gemeinden auch», bestätigt Muthusamy Wesan. Nach Sri Lanka zurück wollen sie vorerst nicht, denn dort herrscht «trouble».

Aktuelle Nachrichten