Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Spass beim Lesen.

Auf der Suche nach einem sinnvollen Leben: Der Wiler Beat Steiger engagiert sich für das Wohlergehen der Älteren

Der langjährige Kantilehrer Beat Steiger geniesst seine Pensionierung zwischen neuen Freiheiten und junger Familie.
Daniela Huijser
Früher reiste Wifona-Präsident Beat Steiger in die Ferne, heute wandert er in der Nähe. Seine Favoriten: das Toggenburg und der Freiberg am Kärpf im Glarnerland. (Bilder: Daniela Huijser)

Früher reiste Wifona-Präsident Beat Steiger in die Ferne, heute wandert er in der Nähe. Seine Favoriten: das Toggenburg und der Freiberg am Kärpf im Glarnerland. (Bilder: Daniela Huijser)

Drei Jahre ist es nun her, seit sich Beat Steigers Leben verändert hat. Seit er in die Freiheit ausgebrochen ist, darin eine Zeit lang «herumtorkelte», versucht hatte, sich darin zurechtzufinden. Wer sich jetzt einen Ausbruch aus einem Gefängnis vorstellt, liegt völlig falsch. Beat Steiger wurde ganz einfach pensioniert. Und obwohl er zuvor während vieler Jahre mit Freude Kantonsschullehrer war, erlebte er seine Pensionierung als Befreiung. Keine totale, aber eine ziemlich grosse. Schliesslich war und ist da noch seine Familie, seine 22 Jahre jüngere Partnerin und die beiden Töchter, vier und sieben Jahre alt. «Sie geben mir Stabilität und sie machen mich stationär. Ich kann nicht einfach in die Welt hinaus verreisen.»

Gereist ist Beat Steiger früher, bevor er seine erste Familie hatte, seine ersten beiden Kinder, die mittlerweile erwachsen sind. Heute reist er der Nähe nach. «Mein Favorit ist das Toggenburg – und neu auch der Freiberg am Kärpf im Glarnerland, das ist ein wunderbares Naturparadies», schwärmt der 66-Jährige. Diesem Naturparadies verdankt er gerade einen heftigen Muskelkater, denn tags zuvor hat er beim Wandern rund 1200 Höhenmeter zurückgelegt. In ziemlichem Tempo, wie er anfügt. Da erstaunt nicht, dass er sich jetzt gesund und fit fühlt. Und das Altern mit einer gewissen Gelassenheit auf sich zukommen lässt. Aber mit klaren Überlegungen.

«Ich finde beim Älter werden keine Nachteile. Aber ich empfinde eine Intensivierung des Lebens. Frage mich oft, was ist wichtig, was weniger. Setze mich mit meiner Endlichkeit vertiefter auseinander.»

«Völliger Anfänger»

Diese Auseinandersetzung mit der eigenen Vergänglichkeit geschieht meistens privat, mittels Bücher. Doch der ehemalige Lehrer für Philosophie und Deutsch tauscht sich auch mit anderen aus. Zum Beispiel im Verein Wifona, dem Wiler Forum für Nachhaltigkeit, das er vor Jahren mit Kanti- schülern gegründet hatte und dessen Präsident er heute ist. «Früher lag der Fokus auf den Jugendlichen, heute sind es eher Gleichaltrige, mit denen ich darüber diskutiere, was denn ein gutes Leben ist.»

Diese Definition eines «guten Lebens» hat er für sich ziemlich herausgefunden, schliesslich beschäftigt ihn diese Frage schon fast sein gesamtes Leben. «Sorge tragen zu sich, den Mitmenschen und der Umwelt», bringt es der vor Energie sprühende Rentner auf den Punkt. Relativiert aber gleich mit einem herzlichen Lachen:

«Ich strebe zwar nach einem sinnvollen, gelingenden Leben, aber ich bin noch völliger Anfänger.»

Bei seiner Suche nach Antworten helfen ihm eine tägliche Meditation, kurze spirituelle Texte und eben der Austausch mit Gleichgesinnten. Missionieren aber, das liegt Beat Steiger fern. Doch anstupfen, das macht er schon.

Zum Beispiel mit Nanu, dem «Netzwerk Alter – nachhaltig unterwegs», einer Arbeitsgruppe von Wifona. Vor einem Jahr organisierte Steiger mit Nanu eine Veranstaltung zum Thema «Wohnen im Alter», zu der rund 500 Personen kamen. «Natürlich freute mich das, aber nun geht es darum, dass die Impulse von damals nicht versanden. Da will ich dranbleiben», bekräftigt er mit einem Nicken.

Lässige Verpflichtungen

Er selber weiss, was er bezüglich «Wohnen im Alter» nicht will: «Alterssiedlungen.» Senioren sollten mitten im Alltag leben, verwoben mit anderen Generationen. Er erwähnt den Begriff «Caring Communities», sorgende Gemeinschaften.

«Das geht weit übers Alter hinaus. Eine Gemeinschaft soll sich auch um Kranke sorgen, Arme, Benachteiligte. Und da setzt auch die Freiwilligenarbeit ein, schliesslich haben wir auch in Wil zahlreiche fitte Alte.»

Um Freiwilligenarbeit 60plus geht es denn auch am nächsten Nanu-Anlass. Am 14.November werden sich verschiedene Organisationen, aber auch Vertreter von Behörden und Gemeinden vorstellen.

Steiger schwärmt zwar von der grossartigen Schweizer Vereinskultur. Und weiss, dass in Wil schon einiges an Freiwilligenarbeit geleistet wird, aber «es dörf es Bitzeli meh si», fordert Steiger. «Die Alten sollen merken, wie lässig es ist, gewisse Verpflichtungen einzugehen. Einen Nachmittag pro Woche eine kranke oder einsame Person zu unterstützen beispielsweise.» Er wünscht sich eine deutlichere Gegenbewegung zur «Ellbogengesellschaft», in der jeder auf den eigenen Vorteil, das eigene Weiterkommen fokussiert sei.

Austausch der Generationen

Nicht nur an sich selber, an die eigene Lebenssituation zu denken, das will Beat Steiger auch mit dem Nanu-Anlass am 1.Oktober fördern. Zum «Gespräch zwischen den Generationen» lädt Nanu in den Saal der evangelischen Kirchgemeinde ein. Fünf junge für den Nationalrat Kandidierende unter 30 wollen sich mit der Generation 60plus austauschen. Steiger erhofft sich eine lebhafte Diskussion. «Wir kennen ja das Klischee, dass die Jungen die Renten der Alten zahlen, die in Saus und Braus leben. Das bietet Konfliktpotenzial; wie gehen wir damit um? Ich hoffe doch, dass die alte auch für die junge Generation denkt», sagt er und wirkt nachdenklich.

Und im nächsten Augenblick wieder zuversichtlich, geradezu vergnügt.

«Ich bin ein Idealist, bin schon immer naiv gewesen. Ich hasse Ellbogenmentalität und ‚America first’. Ich will, dass die Menschen füreinander einstehen, gemeinsam helfen, Armut zu überwinden. Und zwar global.»

Er sei zwar Föderalist, aber Probleme wie Klimawandel, Umweltschutz, Armutsbekämpfung und Friedensförderung müsse man global angehen, sonst sei da nichts zu retten.

Optimistisch im Lokalen

Sein Idealismus half ihm vor acht Jahren auch bei der Entscheidung, nochmals eine Familie zu gründen. «Ich überlegte hin und her, bis mir ein Freund riet, den Dingen doch einfach ihren Lauf zu lassen.» Seinen kleinen Töchtern will er möglichst gute Rahmenbedingungen geben, denn er ist nicht allzu optimistisch, was den Lauf der Welt betrifft.

«Es braucht viel Vernunft, Anstrengung, Mitgefühl, um unsere Probleme anzugehen. Deshalb ertrage ich das egoistische Hickhack in der Politik nicht.»

Optimistisch aber ist Beat Steiger im Kleinen, Lokalen: Nanu hat bereits für mehrere Jahre Anlässe geplant. Anlässe, bei denen sich Alte vernetzen und austauschen können. Sein Beweggrund ist erneut von Idealismus geprägt: «Ich bin überzeugt, dass ein solcher Austausch dem Wohlergehen der Älteren und damit der ganzen Gesellschaft dient.»

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.