Auf den Spuren der Jonschwiler Wurzeln von Karin Keller-Sutter

Sitzt mit Karin Keller-Sutter bald eine Jonschwiler Bürgerin im Bundesrat?
Dorfchronist Arthur Locher hat die Spuren ihrer Vorfahren zusammengetragen.

Tobias Söldi
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Ein Bild aus dem Jahr 1947 zeigt Maria Paulina Huber (2.v.l.), Grossmutter von Karin Keller-Sutter, und ihre Kinder. (Bild: PD)

Ein Bild aus dem Jahr 1947 zeigt Maria Paulina Huber (2.v.l.), Grossmutter von Karin Keller-Sutter, und ihre Kinder. (Bild: PD)

«Wenn man den Stammbaum der Sutters unter die Lupe nimmt, dann ziehen sich zwei Begriffe wie ein roter Faden durch die Generationen: Das Wirten und das Politisieren», sagt Arthur Locher, Chronist der Gemeinde Jonschwil. Er hat aus Anlass der Bundesratskandidatur von Karin Keller-Sutter – sie ist Bürgerin der Politischen Gemeinde Jonschwil – in den Archiven über ihre Vorfahren recherchiert. Und konnte dabei Spannendes zusammentragen: So war bereits Ururgrossonkel Johann Jakob Sutter politisch aktiv. Von 1839 bis 1847 amtete er als Gemeindeammann von Jonschwil. Die Grosseltern dagegen führten die Wirtschaft Sonne in Jonschwil, ihre Eltern das Restaurant Ilge in Wil.

Wirten und Politisieren gehörten lange Zeit eng zusammen. «An den Stammtischen wurden Meinungen gemacht. Da gab es noch kein Radio und Fernsehen», erklärt Locher. «Wirte erfuhren immer, was Sache war, und meist gehörten sie zu den einflussreichsten und angesehensten Leuten in den Dörfern.» Noch eine weitere Spur führt nach Jonschwil: Karin Keller-Sutters Ehemann Morten Keller ist ein entfernter Verwandter der Familie des Jonschwiler Stickereiunternehmers Josef Keller.

Erste Jonschwiler Bürgerin in der Landesregierung?

Arthur Locher, Chronist von Jonschwil

Arthur Locher, Chronist von Jonschwil

Am Anfang standen Lochers Recherchen allerdings unter keinem guten Stern: «Es war nichts da ausser einem Zettel, dass alle Unterlagen zu den Sutters ausgelehnt worden seien.» Er konnte aber herausfinden, wo sich die Dokumente befanden. «Mein Vorgänger Paul Gemperle hat schon einiges zusammengetragen. Ich habe seinen Bericht dann um weitere, neue Infos ergänzt», sagt Locher.
Gemeindepräsident Stefan Frei ist erfreut über diese Entdeckungen. «Bei einer Wahl von Karin Keller-Sutter in den Bundesrat wäre erstmals eine Jonschwiler Bürgerin in unserer Landesregierung», schreibt er im Mitteilungsblatt.

Mitbürger liefern Dokumente

In der Chronikstube von Jonschwil sammelt sich die Geschichte der Gemeinde: Briefe, Urkunden, Jahrbücher, Gesetzessammlungen, Zeitungsartikel und vieles mehr füllen die Schränke. An der Wand hängt ein Kaufvertrag von 1760, im Bücherregal stehen die Werke des Jonschwiler Dichters Heinrich Federer. Ohne die Mithilfe der Bürgerinnen und Bürger wäre das Archiv nicht so umfangreich. «Die Leute lassen uns viele Sachen zukommen, zum Beispiel alte Fotos», sagt Locher.

Eines der ältesten Dokumente in der «Stube» ist aus dem Jahr 1720: eine Abrechnung der Schwarzenbacher Brücke, welche Einnahmen aus dem Brückenzoll und Ausgaben aufführt. Locher will sie demnächst transkribieren. «Die alte Handschrift ist schwierig zu lesen, aber man kommt rein mit der Zeit.» Am liebsten recherchiert er, arbeitet alte Dokumente auf und trägt Informationen zusammen, um daraus einen Bericht zu verfassen. «Das macht mir Freude», sagt der 64-jährige, ehemaligen Sekundarlehrer.

Berichte auf der Website der Gemeinde

Der Pensionär hat die Chronikstube Jonschwil vor zwei Jahren zusammen mit Köbi Zimmermann übernommen, vor ihm war sie über mehrere Jahre verwaist. Zuerst war darum Fleissarbeit angesagt: aufräumen, erfassen und katalogisieren. Er schätzt, dass er in den vergangenen beiden Jahren etwa einen Tag pro Woche in die Stube investiert hat. Mittlerweile hat Locher zahlreiche Berichte auf der Website von Jonschwil aufgeschaltet.

So kann man etwa von den weiten Reisen Franz Martin Sutters lesen, dem weltoffenen Urgrossvater von Karin Keller-Suter, der 1849 bis 1926 gelebt hat. Seine Reisen führten ihn nach London («Eine Riesenstadt wie London muss auch eine gut organisierte Feuerwehr haben.»), nach Glasgow («Der unheimlich dicke Staub und der schwarze Rauch der ungezählten Schlote verpesten die Stadtluft») und in die Sahara («Die ganze Landschaft ist von jedem frischen Wachstum entblösst. Das ist ein trostloser Anblick, aber echt afrikanisch!»). Seinen 32-seitigen Bericht schliesst er gottesfürchtig mit den Worten: «Denn die Welt ist ja nur ein Wartesaal zur Reise in die Ewigkeit.»

Geschichtliche Themen haben Locher schon immer fasziniert. «Die wirkliche Geschichte findet im Lokalen statt», sagt er. «Der Blick von unten zeigt auf, wie die Leute ein Ereignis, zum Beispiel den Ersten Weltkrieg oder die Französische Revolution, wahrgenommen haben.» Daraus lerne man auch für die Gegenwart. «Ich sage immer, man muss gleichviel rückwärts wie vorwärts schauen.»