AUF DEN SCHAFSINSELN: Selbst die Biere sind dunkel

Wiler-Zeitungs-Redaktor Simon Dudle verbringt diese Woche auf den Färöern und berichtet über Land, Leute und Fussball. Am Freitag findet das WM-Qualifikationsspiel Färöer - Schweiz statt.

Simon Dudle
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Die Auswahl an heimischen Bieren in den Pubs ist beeindruckend. (Bild: Simon Dudle)

Die Auswahl an heimischen Bieren in den Pubs ist beeindruckend. (Bild: Simon Dudle)

Ein typischer Tag auf den Färöern. Jederzeit ist mit einem Regenschauer zu rechnen. Jederzeit aber auch mit einem Sonnenstrahl. In der Hauptstadt Tórshavn deutet noch nichts auf das bevorstehende WM-Qualifikationsspiel hin. Dem örtlichen Tourismusbüro, das eine Wochenagenda publiziert, ist das Spiel nur ein Hinweis in «Lupengrösse» wert. «Schwiizertütsch» ist vorerst weder in den Gassen noch im Pub vorherrschend. Also bleibt Zeit, sich dem heimischen Schaffen zu widmen.

Die Schafzucht ist längst nicht mehr der wichtigste Einkommenszweig. Dies trifft nun auf die Fischerei und die Fischzucht zu, wobei Lachse dominieren. Rund 95 Prozent der Produkte, die exportiert werden, sind Fische. Nur einen kleinen Teil der restlichen fünf Prozent macht das hier heimische Bier aus. Auf dem Festland sucht man färöisches Bier fast sicher vergebens. In der Schweiz sowieso. Beim Spiel am Freitag wird es für die angereisten Schweizer aber eine nicht zu unterschätzende Rolle spielen. Darum seien dem färöischen Gerstensaft die folgenden Zeilen gewidmet. Ein Selbstversuch darf nicht fehlen. Dazu eignet sich das zweistöckige Pub direkt am Hafen – wenngleich auf den Färöern eigentlich jeder Ort ziemlich direkt an einem Hafen liegt – bestens, auch wenn besagter Betrieb seine Wurzeln in Irland zu haben scheint. Bei der Bestellung eines färöischen Biers wird ein erstaunter Blick geerntet. Nicht etwa, weil die eigenen Biere keine Rolle spielen würden. Nein, weil allein die grösste Brauerei der Inseln eine zweistellige Anzahl Biere produziert. Diese hat ihren Standort nicht in der Hauptstadt Tórshavn, sondern drei Inseln weiter in Klaksvik. Sie nennt ihre Gerstensäfte «Bjór» – die direkte Übersetzung wäre «Öl».

Natürlich haben alle Biere ein Schaf im Emblem und tragen Namen wie «Pilsnar», «Black Sheep» oder «Gull». Auffällig: Viele Biere sind dunkel. Und sie sind recht kräftig. Was man halt so braucht, um die garstigen Rahmenbedingungen erträglicher zu machen. Das Unternehmen stellt auch Cider, Limonaden und ein eigenes Cola, das Jolly, her. Selbst dieses ist ziemlich stark. Alles in allem sind es gute Voraussetzungen für die Schweizer Fans, falls sich die Nati am Freitagabend einmal mehr gegen einen vermeintlich schwächeren Gegner schwertun sollte. Die Frage ist nur: Wird es überhaupt heimische Getränke geben im mit Kunstrasen belegten Stadion? Der vorgeschriebene Einheitsbrei bei offiziellen Spielen lässt leider anderes erwarten.

Simon Dudle

simon.dudle@wilerzeitung.ch