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Auf dem Weg zum Frieden

Er steht schon eine ganze Weile am Rand des Dorfplatzes. «Mer wünschet Friede of Erde», steht darauf. Dies sogar in albanisch, italienisch und spanisch. So mancher wird sich gewundert haben, was damit bezweckt werden soll.
Melanie Graf
Der Friedenspfahl am Dorfplatz in Degersheim gehört zum neuen Degersheimer Friedensweg. (Bild: Melanie Graf)

Der Friedenspfahl am Dorfplatz in Degersheim gehört zum neuen Degersheimer Friedensweg. (Bild: Melanie Graf)

Er steht schon eine ganze Weile am Rand des Dorfplatzes. «Mer wünschet Friede of Erde», steht darauf. Dies sogar in albanisch, italienisch und spanisch. So mancher wird sich gewundert haben, was damit bezweckt werden soll. Es ist ein Friedenspfahl und gehört zum neuen Degersheimer Friedensweg, der am 29. Juni mit einer Feier eingeweiht wird (siehe Kasten).

Der Pfarreirat der Katholischen Kirche Degersheim wollte etwas machen, das über die Kirchengrenze hinausgeht und damit Menschen ansprechen, die nicht oder selten den Gottesdienst besuchen. «Der Friedensweg ist ein Geschenk an unser Dorf, verbunden mit dem Wunsch nach Frieden in unserem Dorf», sagt Seelsorgerin Bettina Flick. Inspiriert habe man sich durch den Pfahl, der am Eingang zum Ökodorf stehe. «Zudem ist der Friede ein Thema, das die allermeisten Menschen bewegt, in Anbetracht der täglichen Nachrichten von Kriegen und Gewalt in der Welt.»

Zum 250-Jahr-Jubiläum der Katholischen Kirche Degersheim eröffnet der Pfarreirat nun einen Friedensweg in Degersheim. Dieser beginnt bei der katholischen Kirche. Zehn weisse Friedenspfähle aus Schweizer Lärchenholz mit vielsprachigen Sprüchen weisen den Weg nach Magdenau. Die Pfähle wurden durch Sponsoren finanziert. Friedenspfähle gibt es auf der ganzen Welt und beruhen auf der Idee des japanischen Friedenskämpfers Masahisa Goi (1916 bis 1980). Der erste Friedenspfahl wurde Mitte der 1970er-Jahre aufgestellt.

«Friede ist der Weg»

Unsere Zeitung machte sich auf, den Friedensweg zu begehen. Beim Verlassen der Schulstrasse auf dem Wanderweg Richtung Baldenwil fällt vor allem die Ruhe auf. Weg ist der Lärm der Baustelle beim Pfarreiheim. Weg der Lärm von den fahrenden Autos auf der Hauptstrasse. Die Häuser liegen weit zurück, vor einem erstreckt sich das Grün bis zum Horizont. Im Rücken das Dorf, vorne Wiesen und Wald. Der Weg führt vorbei an einem Hof. Kuhglocken sind von weitem zu hören. Ein paar Rinder und ein Stier grasen auf der Weide. Tannen, 878 Meter über Meer. Weiter, immer dem Wanderweg entlang. Nach einem weiteren Bauernhof führt ein mit Baumwurzeln übersäter Trampelpfad in die Kühle des Waldes. Der Weg ist angenehm zu begehen, keine steilen Steigungen, kein mühsames Gefälle. Im Wald ist es fast still. Der Wind rauscht durch die Blätter der Bäume, die Vögel begleiten den Spaziergang mit einer Euphonie von Gezwitscher und Gesang. Der Kies knirscht unter den Sohlen. Die Ruhe verleitet zum Nachdenken. Über den Frieden. Was ist Frieden? Friede ist mehr als die Abwesenheit von Krieg und Gewalt. Friede ist auch ein innerer Zustand. Friede ist dort, wo Menschen einander gegenüber tolerant sind und einander verstehen. Aber auf welchem Weg erreicht man Frieden? Der Inder Mahatma Gandhi (1869 bis 1948), der sich gewaltlos für den Frieden einsetzte, sagte einst: «Es gibt keinen Weg zum Frieden. Der Frieden ist der Weg.»

90 Minuten auf dem Weg

Nach einer Weile lichtet sich der Wald und erlaubt auf der Anhöhe einen Blick auf den Bodensee. Baldenwil, 842 Meter über Meer. Gemäss Wegweiser sind es noch 45 Minuten nach Magdenau. Ebenso 45 Minuten zurück nach Degersheim. Die Hälfte ist geschafft. Der Weg führt durch den Wald. Zuerst bergauf, dann bergab. Durch die Bäume sind die grossen Baumstämme der Sägerei zu sehen. Der Lärm einer kreischenden Säge und die laufenden Motoren der Hubstapler durchbrechen die Stille. Das Kloster ist sichtbar. Das Ziel Magdenau ist erreicht und die Geräusche des Alltags sind zurück.

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