Auf dem Weg nach oben

Ihr Ziel war es schon seit Kindesbeinen, nun hat sie den entscheidenden Schritt gewagt: Die Zuzwiler Unihockeyspielerin Evelyne Ackermann hat zum UHC Dietlikon in die höchste Schweizer Spielklasse gewechselt.

Natalie Brägger
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Unihockey. Als kleines Mädchen hat Evelyne Ackermann ihren Traum auf einen Zettel geschrieben und mit ganz viel Münz in ein Portemonnaie gesteckt: «Ich will einmal in Schweden Unihockey spielen.» Diesen Traum hat sie zwar noch nicht ganz verwirklicht, einen Zwischenschritt auf dem Weg darin hat sie auf diese Saison hin aber gemacht. Die 20-Jährige hat vom UHC Waldkirch-St. Gallen in der NLB zum UHC Dietlikon in die Swiss Mobiliar League, die höchste Spielklasse im Schweizer Unihockey, gewechselt.

Grosser Aufwand

Um in der Swiss Mobiliar League spielen zu können, nimmt die Zuzwilerin einen beachtlichen Aufwand in Kauf. Sie trainiert viermal pro Woche. Nicht zu vergessen bei diesen Trainings sind Hin- und Rückweg, die rund eineinhalb Stunden in Anspruch nehmen. Dies alles bewältigt Evelyne Ackermann neben ihrem Job als Praktikantin im Event-Management einer grossen Versicherung. «Diesen Aufwand nehme ich zurzeit nicht gross wahr, denn ich habe ein Ziel vor Augen und spüre Fortschritte», sagt Evelyne Ackermann. Schwieriger werde es vielleicht, wenn sie in den Spielen nicht eingesetzt werde. Dass dieser Fall durchaus eintreten kann, ist sich Ackermann bewusst: «Es ist ein grosser Schritt von der Nationalliga B in die Swiss Mobiliar League.» Sie wisse aber, dass sie eine Chance habe, im Team von Dietlikon zum Einsatz zu kommen – vielleicht auch erst im nächsten Jahr.

Schweizer Topverein

Der UHC Dietlikon ist denn auch nicht irgendein Verein in der Schweizer Unihockey-Szene. Dietlikon gewann in der noch jungen Geschichte des Schweizer Unihockeys schon viermal den Schweizer-Meister-Titel. Die erfolgreichste Saison feierte der Verein in den Jahren 2007/08, als er sich das Triple mit Schweizer-Meister-Titel, Cupsieg und Europacupsieg holte. Im vergangenen Jahr schied Dietlikon im Playoff-Halbfinal gegen die späteren Schweizer Meisterinnen aus Winterthur aus.

Mit Simone Berner spielt zurzeit auch der Captain der Schweizer Nationalmannschaft im gleichen Team wie Evelyne Ackermann. «Vor allem in der Halle kann ich von Spielerinnen wie ihr extrem viel lernen, sei es taktisch oder technisch», betont Ackermann.

HSG-Studium und Spitzensport

Evelyne Ackermann hätte schon in den vergangenen Jahren Angebote gehabt, um in die SML zu wechseln. «Ich wollte bei Waldkirch-St. Gallen noch einmal eine Saison Verantwortung übernehmen», erklärt die Unihockeyspielerin den Umstand, dass sie mit ihrem Wechsel so lange zugewartet hat. Zudem hätte sie ihre erste Saison in der SML wohl kaum mit ihrem Praktikum, bei dem sie oft auch am Wochenende im Einsatz ist, verbinden können. Mit dem Rechtsstudium, das sie im September in St. Gallen beginnt, wird dies besser möglich. Die Überlegung, in die Nähe von Dietlikon zu ziehen, hat Evelyne Ackermann zwar gemacht, aber schnell verworfen. «Ich hänge schon an Zuzwil und der Ostschweiz, hier kann ich abschalten», sagt die U19-WM-Teilnehmerin. Davor, dass die Belastung mit HSG-Studium und Spitzensport zu gross wird, hat sie keine Angst: «Es ist alles Planungssache.» Dass sie ihre Zeit einteilen muss, hat sie in den vergangenen Jahren gelernt. Neben drei Unihockeytrainings war sie auch noch in der Pfadi und in der Bürgermusik Zuzwil aktiv.

Schritt für Schritt

Zu ihren künftigen Zielen und Träumen äussert sich Evelyne Ackermann nur zögerlich: «Ich nehme Schritt für Schritt und möchte mich zuerst als Stammspielerin in der Schweiz etablieren.» Einige ihrer Teamkolleginnen werden im Dezember an der WM in St. Gallen auflaufen. «Ich freue mich darauf, sie spielen zu sehen», sagt Evelyne Ackermann, «es spornt mich auch an, wenn ich sehe, wie weit sie es gebracht haben.» Ob sie dereinst im Nationaltrikot aufläuft oder gar ihr Portemonnaie mit dem Münz brauchen wird, um nach Schweden zu ziehen, wird sich zeigen.

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