Auf Chaos folgt Vernunft

Schon vor 2500 Jahren regte sich ein bekannter griechischer Philosoph namens Sokrates über die damalige Jugend auf. Über diese sagte er: «Die Jugend liebt heutzutage den Luxus.

Kristian Filipovic
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Bild: Kristian Filipovic

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Schon vor 2500 Jahren regte sich ein bekannter griechischer Philosoph namens Sokrates über die damalige Jugend auf. Über diese sagte er: «Die Jugend liebt heutzutage den Luxus. Sie hat schlechte Manieren, verachtet die Autorität, hat keinen Respekt vor älteren Leuten und schwatzt, wo sie arbeiten soll.» Heutzutage ist der Tenor über die Jugendlichen in etwa gleich geblieben, vielleicht noch mit den Ergänzungen, dass sie den ganzen Tag am Bahnhof «hängen» und ihre Lebensmotivation aus Ausgang und Alkohol besteht. Die Jugend wiederum beschwert sich darüber, dass sie von den Erwachsenen nicht verstanden wird.

Ob es der Realität entspricht oder es sich um eine Illusion handelt, dass Erwachsene der Meinung sind, zu ihrer Jugend sei alles besser gewesen, und die Jugendlichen denken, sie wüssten alles besser, ist nicht von Bedeutung. Viel wichtiger ist die Frage, ob diese Widersprüche notwendig sind für unsere Gesellschaft. Der verstorbene Schauspieler Bruce Lee sprach mal über das Wesen des Menschen. Er sagte, dass es sich nicht nur von seinen Trieben leiten lassen soll, dann wäre es ein Tier. Der Mensch soll sich aber auch nicht ganz seiner Vernunft verschreiben, denn dann wäre er ein Roboter. Diese Gedanken kann man in gewisser Weise auf die Beziehung zwischen Jugendlichen und Erwachsenen übertragen. Die ältere Generation passt auf, dass die jüngere nicht zu sehr über die Stränge schlägt. Die jüngere Generation macht dafür die ältere aufmerksam, dass es wichtig ist, ein Leben lang das Kind in sich zu bewahren.

Man kann sogar so weit gehen und sagen, dass das Verhältnis zwischen den Jugendlichen und den Erwachsenen für die Erhaltung und den Fortschritt unserer Gesellschaft wichtig ist. Die Erhaltung von Altbewährtem wird durch die Vernunft gesichert. Die Innovation entsteht mit dem Drang, etwas besser machen zu wollen. Das eine geht nicht ohne das andere. Eine Welt voller Jugendliche würde wahrscheinlich in wenigen Minuten in Chaos versinken. In einer Welt ohne Jugendliche wäre das Rad vielleicht bis heute noch nicht erfunden. Somit darf man ruhig jung und dumm sein, nur muss man dies irgendwann der nächsten Generation überlassen.

kristian.filipovic@wilerzeitung.ch

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