Auf Bauern ist kein Verlass

Es ist schwierig auszumachen, ab welchem Alter der Mensch zu sagen geneigt ist, dass früher alles anders und vor allem viel besser war. Sicher ist, dass man sich früher auf die Erfahrung der Bauern verlassen durfte, wenn es galt, das Wetter zu bestimmen.

Urs Nobel
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St. Gallen - Urs Nobel Redaktion Wiler Zeitung (Bild: Urs Nobel)

St. Gallen - Urs Nobel Redaktion Wiler Zeitung (Bild: Urs Nobel)

Es ist schwierig auszumachen, ab welchem Alter der Mensch zu sagen geneigt ist, dass früher alles anders und vor allem viel besser war. Sicher ist, dass man sich früher auf die Erfahrung der Bauern verlassen durfte, wenn es galt, das Wetter zu bestimmen. Machte sich der Bauer mit seinem Einachser daran, das Gras zu schneiden, durfte man davon ausgehen, dass eine Schönwetter-Periode bevorsteht. Zog er die verdreckten und teilweise vom letzten Gebrauch noch halb verstopften Rohre aus dem Lager, um zu güllen, war es sicher, dass es in den nächsten Stunden regnen würde. Diese Tätigkeiten liessen einem persönlich die nächste Zeit planen und man wurde kaum je negativ überrascht.

Das ist heute alles nicht mehr so. Die Bauern mähen heutzutage mit einem Monster-Traktor, an dem beidseits und auch dahinter Schneidgeräte montiert sind, zu fast jeder Tages- und teilweise auch Nachtzeit und stören sich in keiner Art und Weise daran, wenn das gemähte Gras nass ist. Dafür gibt es schliesslich seit etlichen Jahren die «Gräströckni» oder direkt beim Hof einen riesigen Silo. Oder das Gras wird, egal in welchem Zustand, in Plastikhüllen eingepackt und kann irgendwo, wo es noch Platz hat, in Ruhe lagern. Am liebsten aber nicht vor der eigenen Haustür des Landbesitzers. Denn schön sehen die aufeinander gestapelten Würste wirklich nicht aus, und je nach Witterung stinken sie auch noch.

Noch mehr stinkt jedoch Gülle. Weniger jene, die kurz vor einem Gewitter oder nach dem Ende einer Trockenperiode noch rasch auf den gemähten Wiesen verteilt wird, sondern die, die am liebsten, und das auch am Wochenende, bei absolut trockenen Wetterbedingungen entsorgt wird. Mit einem versteckten Gruss an all jene Einfamilienhäuschen-Besitzer, welche einmal aus der Stadt herausgezogen sind und es sich in ländlicher Idylle wohl ergehen lassen wollten.

Man kann nicht alles haben, sind deshalb die leicht schadenfreudigen Städter geneigt zu sagen. Und sie haben recht. Sie verlassen sich auf Meteo nach den Nachrichten im Fernsehen und bekommen ihre Wetterprognose «frei Haus» geliefert. Prognosen, die sich fast hundertprozentig erfüllen und die feinen Nasen nicht mit landwirtschaftlichem Gestank belasten.

urs.nobel@wilerzeitung.ch