Auch andere Standorte prüfen

Sebastian Koller von den Grünen möchte die Landschaft auf den Hofberg schützen und reichte eine Interpellation zu einem geplanten Trutenstall mit Auslauf ein. Die Parteien erwarten eine sorgfältige Beurteilung des Baugesuchs.

Philipp Haag
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WIL. Ein Landwirt vom Hofberg möchte unweit der Kaiserlinde einen Trutenstall mit Auslaufgehege für 3200 Tiere bauen. Auf dem Dach des Ökonomiegebäudes soll eine Photovoltaikanlage installiert werden. Sebastian Koller von den Jungen Grünen reichte eine von 23 Parlamentariern mitunterzeichnete dringliche Interpellation ein, weil er der Meinung ist, das Bauprojekt widerspreche dem Richtplan. Er beurteilt denn das Gebäude als Eingriff in den seiner Ansicht nach schützenswerten Landschafts- und Erholungsraum am Hofberg.

Drei Sinne werden gestört

Er betonte auch am Donnerstagabend, dass das Naherholungsgebiet von vielen Wilerinnen und Wilern geschätzt werde. «Und der Trutenbetrieb beeinträchtigt drei Sinne.» Visuell, weil die Aussicht verbaut werde, akustisch, weil Futter hin- und der Mist weggefahren werden muss, und olfaktorisch, weil Gerüche entstehen. «Bei der geplanten Trutenmast handelt es sich um Intensivlandwirtschaft.» Er rief die Baukommission auf, Weitsicht walten zu lassen, «und den richtigen Entscheid zu treffen im Sinne der Öffentlichkeit». In seiner Antwort hielt der Stadtrat fest, dass der Entwurf für einen künftigen Schutzplan vorsehe, den noch unüberbauten Teil des Hofbergs als Landschaftsschutzgebiet auszuweisen. «Der Stadtrat ist sich der Bedeutung des Hofbergs als Landschaftsraum und Naherholungsgebiet bewusst.»

Da sich der geplante Standort des Bauprojekts ausserhalb der Bauzone befindet, entscheidet nicht die Stadt über das Baugesuch, sondern der Kanton. Wie Stadtrat Marcus Zunzer an der Parlamentssitzung sagte, ist die Baubewilligung noch nicht erteilt worden. «Es handelt sich um ein laufendes Verfahren», sagte er. Darum könne er inhaltlich keine Auskunft geben. Einige Punkte seien aber noch ungeklärt, sagte Zunzer. Aus diesem Grund könne die Bearbeitung noch einige Zeit in Anspruch nehmen. Er betonte allerdings, dass ein Baugesuch nicht das richtige Mittel sei, einen Richtplan durchzusetzen. Es werde aber geprüft, ob Intensivlandwirtschaft in der Landschaftsschutzzone zulässig sei, und, noch wichtiger, ob sich der Bau in die Landschaft einfüge. Koller ist überdies der Meinung, Aufgabe des Stadtplaners sei es, gemeinsam mit dem Landwirt abzuklären, ob auch andere Standorte in Frage kommen, beispielsweise solche näher beim Hof.

Bau versus Gesetz

«Der Bauch signalisiert, die Landschaft muss geschützt werden», sagte Reto Gehrig von der CVP. Andererseits habe jeder Einwohner das Recht, ein Baugesuch einzureichen. «Das Projekt muss fair und seriös auf rechtlicher Grundlage geprüft werden.» Grundsätzlich findet Gehrig aber, es sei nicht Aufgabe des Parlaments, Baugesuche zu beurteilen. Bewilligungsinstanz bei Baugesuchen sie die Exekutive.

Katja Hegelbach (SP) sieht zwei Interessen, die sich gegenüber stehen. Die SP sei nicht gegen den Bau. Dieser sei aber auf der freien Wiese geplant, «und müsste näher beim Hof erstellt werden». Die SP erwarte deshalb eine sorgfältige Prüfung des Baugesuchs unter Einbezug des Richtplans sowie die Abklärung, ob allenfalls andere Standorte möglich seien. Gemäss Gestaltungsplan «hat der Landwirt das Recht, auf seinem Grund zu bauen», sagte Nathanael Trüb von der SVP. Er ist überzeugt, der Landwirt werde dafür sorgen, «dass sich das Objekt in die Landschaft einfügt».

Ein Extrembeispiel

Von einem Extrembeispiel sprach hingegen Guido Wick von den Grünen Prowil. Es sei Aufgabe des Parlaments, aufzuzeigen, wenn etwas nicht richtig laufe. Er ist der Meinung, das Baugesuch dürfe nicht bewilligt werden. «Wird der Bau genehmigt, dann müssen wir uns überlegen, ob für Schutzzonen nicht härtere Kriterien erlassen werden sollen.»