Asylbewerbern eine Stütze sein

Sie zeigen Verständnis für fremde Kulturen: Ursula Baer und Fatma Cankaya und ihre Kolleginnen betreuen in der Gemeinde Flawil Asylbewerberinnen und Asylbewerber. Denn sie wissen, was es heisst, fremd in einem Land zu sein.

Melanie Graf
Drucken
Teilen
Fatma Cankaya und Ursula Baer unterstützen seit vielen Jahren Asylbewerber in Flawil. (Bild: Melanie Graf)

Fatma Cankaya und Ursula Baer unterstützen seit vielen Jahren Asylbewerber in Flawil. (Bild: Melanie Graf)

FLAWIL. Da war diese Frau aus Somalia mit ihren beiden Kindern. Sie flüchtete in die Schweiz, kam nach Flawil und stand mit nichts vor einer ungewissen Zukunft. Die 55jährige Fatma Cankaya war ganz frisch zur Betreuergruppe gestossen, die Somalierin war die erste Asylbewerberin, die sie begleiten sollte. «An diese Frau kann ich mich gut erinnern», sagt sie. Sie habe geweint, wirkte verzweifelt und hilflos. «Das hat mich tief getroffen.» Das war vor mehr als 15 Jahren. Wie lange sie schon Asylbewerber in Flawil betreue, wisse sie gar nicht mehr. Auch Ursula Baer weiss nicht mehr so genau, wann sie zur Betreuergruppe Flawil gekommen ist. «Das liegt bestimmt schon 25 Jahre zurück», ist sie sich sicher.

Zum Flughafen begleitet

Die Asylbewerber kamen und gingen. Einmal mehr, einmal weniger. Die einen durften in der Schweiz bleiben, die anderen wurden wieder ausgewiesen. Die 64jährige Ursula Baer erinnert sich noch daran, wie sie eine abgewiesene kosovarische Familie mit drei kleinen Kindern zum Flughafen begleitete. «Man lernt mit der Zeit, sich diese Schicksale nicht zu nahe an sich heranzulassen», sagt sie. Die Bilder von Flüchtlingen auf Schiffen oder in Flüchtlingslagern, die in den Nachrichten gezeigt werden, machen die Frauen dennoch nachdenklich. «Man fühlt sich machtlos», sagt Fatma Cankaya. Ursula Baer ergänzt: «Aber wir machen das Beste daraus, wenn die Leute bei uns sind.»

Unterstützung im Alltag

«Es sind vor allem Familien, die in Flawil untergebracht werden», erzählt Ursula Baer. «Wir kümmern uns sporadisch um diese Menschen, organisieren ihnen Möbel oder sprechen mit den Hausbesitzern, wenn beispielsweise Einbaugeräte defekt sind.» Tiefgründige Gespräche werden allerdings selten geführt. «Die Menschen sind oftmals von ihren Erlebnissen traumatisiert. Darüber wollen sie nicht sprechen», weiss Ursula Baer aus Erfahrung. An den fehlenden Deutschkenntnissen liege es aber nicht. Die Asylbewerber hätten im Rahmen der Integration während ihres Aufenthalts in einem Durchgangsheim Deutschunterricht erhalten.

Offen für fremde Kulturen

Ursula Baer und Fatma Cankaya wissen, wie es ist, fremd in einem Land zu sein. Fatma Cankaya ist mit zwölf Jahren aus der Türkei in die Schweiz gekommen. «Ich hatte es als Ausländerin schwer», erinnert sie sich. Ursula Baer lebte zu Beginn der 1970er-Jahre für drei Jahre in Australien, musste sich integrieren und die Sprache von Grund auf lernen. Das hat die beiden Frauen geprägt. «Wir sind offen für fremde Kulturen und zeigen Verständnis für die Asylbewerber», sagen sie. Und wurden dabei nicht enttäuscht: Während all den Jahren, in denen sie für die Betreuergruppe arbeiteten, haben sie kaum negative Erfahrungen gemacht. «Diese Menschen integrieren sich schnell, finden Arbeit, sind freundlich und anständig.»

Vier Personen in der Gruppe

Die Betreuergruppe untersteht dem Sozialamt. Nebst Ursula Baer und Fatma Cankaya kümmern sich Marina Wismer und Hawa Duale um die Asylbewerber in der Gemeinde. Die Frauen sind ehrenamtlich tätig. Als Dank erhalten sie einmal im Jahr von der Gemeinde einen kleinen Betrag, der unter den Betreuerinnen aufgeteilt wird.

Fatma Cankaya und Ursula Baer unterstützen seit vielen Jahren Asylbewerber in Flawil. (Bild: Melanie Graf)

Fatma Cankaya und Ursula Baer unterstützen seit vielen Jahren Asylbewerber in Flawil. (Bild: Melanie Graf)

Aktuelle Nachrichten