Artenvielfalt in der Energiestadt – Uzwil ergänzt das kommunale Energiewende-Reglement

Der Schutz der Biodiversität in der Gemeinde wird neu offiziell mitfinanziert.

Vera Minder
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Schön bunt: Die Blumenwiese zwischen Gemeindesaal und Berufsbildungszentrum ist die erste von vielen.

Schön bunt: Die Blumenwiese zwischen Gemeindesaal und Berufsbildungszentrum ist die erste von vielen.

Bild: PD

2013 verabschiedete die Gemeinde Uzwil ein Energiewende-Reglement, in Zuge dessen, ein Fonds gegründet wurde – ein weiterer Schritt rund um die Bemühungen, das Label Energiestadt zu tragen.

Das Reglement war effektiv. Verschiedene Projekte konnten finanziert werden, wie der Einsatz von LED-Lichtern in der Strassenbeleuchtung, der Bau einiger Fotovoltaikanlagen und der Energieunterricht in den Schulen. Zahlreiche private Grundbesitzer wurden mit Förderbeiträgen dazu motiviert, ebenfalls einen Beitrag zur Energieeffizienz zu leisten.

Nicht neu, aber transparent

«Alles, was auf dem Weg Richtung Energiewende liegt, wird aus dem Fonds bezahlt», sagt Energiestadt-Verantwortlicher und Verwaltungsleiter Thomas Stricker. Ökologische Investitionen in die Biodiversität hingegen wurden mit dem normalen Budget gezahlt – eigentlich. Einzelne Projekte wie die im letzten Jahr von Rasen zu einheimischen Blumenwiesen umgewandelten Flächen wurden jedoch teilweise trotzdem mit dem Energiewende-Fonds finanziert. Das Reglement erlaubte dies bisher für «Aktivitäten, die den langfristigen Zielen der Gemeinde ausserhalb des Energiebereichs dienen». Stricker erklärt:

«Da mit der Biodiversität nun aber ein Ausnahmefall immer wieder auftaucht, nehmen wir sie lieber in das Reglement auf. So schaffen wir Transparenz.»

Der Vorteil am Fonds sei, dass die Finanzierung des Umweltschutzes nicht zu Lasten des Steuerfusses komme.

Geplant sind schon einige Projekte, sowohl energetische als auch ökologische. Das Energieförderprogramm für Private wird weiterlaufen und die grosse Sanierung der Eishalle steht bevor. Mehrere Millionen werden in das Gebäude fliessen, in den letzten Jahren wurde dafür gespart, sagt Stricker. Doch auch wenn auf diesem Projekt das Schwergewicht liegt, wird auch der Artenvielfaltsschutz berücksichtigt. Mehrere Rasenflächen in der Umgebung des Gemeindesaals und grosse unbenützte Flächen zweier Friedhöfe sollen zu Blumenwiese umgewandelt werden.

Noch ganz am Anfang

Wie der Fonds zwischen Energie und Ökologie genau aufgeteilt wird, wisse man noch nicht. «Wir stehen noch ganz am Anfang und müssen erst einmal Erfahrungen sammeln», sagt Stricker. Die energetischen Projekte würden sicher nicht reduziert werden.

«Ökologische Massnahmen kosten nicht einmal einen Achtel der energetischen.»

Dabei konzentriert sich die Gemeinde zunächst auf ihre eigenen Grundstücke. «Bedingung für eine Förderung aufgrund Biodiversitätsschutz ist, dass die Veränderung deutlich und nachhaltig ist. Wir reden also von grossen Flächen und wollen absichern, dass diese auch in zehn Jahren noch biodivers sein werden.» Bei Privatpersonen sei das hingegen schwierig sicherzustellen.

Vom 3. Februar bis 13. März unterstehen die Ergänzungen noch fakultativen Referendum. Falls 500 Unterschriften zusammenkommen, könnte dem Schutz der Biodiversität doch noch ein Stein in den Weg gelegt werden.

Das Potenzial auch nutzen

Stricker hofft das nicht. «Wenn wir uns nur auf die Energiewende konzentrieren, können wir dieses eine Ziel vielleicht bewältigen. Doch was für eine Welt erwartet uns dann? Wir müssen längst nicht mehr nur energetisch, sondern auch ökologisch denken.» Und wenn jeder täte, was er könne, wäre man beim Lösen des Klimaproblems schon viel weiter, so Stricker.

«Wenn man das Potenzial hat, soll man es auch nutzen.»