Armin Jud tritt per sofort zurück

DEGERSHEIM. Armin Jud, Gemeindepräsident von Degersheim, hat seinen Rücktritt per sofort eingereicht. Der Gemeinderat hat den Rücktritt einstimmig genehmigt. Der Vize-Gemeindepräsident Otto Wohlwend übernimmt ad interim die Geschäfte.

Melanie Graf
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Der Gemeindepräsident tritt zurück. Armin Jud wird seinen Schreibtisch räumen. (Archivbild: meg.)

Der Gemeindepräsident tritt zurück. Armin Jud wird seinen Schreibtisch räumen. (Archivbild: meg.)

Degersheim. Der Gemeinderat liess die Bombe platzen: Gestern Mittwoch orientierte Otto Wohlwend, Vize-Gemeindepräsident von Degersheim, die Wiler Zeitung über den Rücktritt von Armin Jud. An der Gemeinderatssitzung vom Dienstag habe Armin Jud dem Gemeinderat im Sinne einer zukunftsgerichteten Lösung zum Wohle der Gemeinde Degersheim seinen Rücktritt per sofort eingereicht, teilte Wohlwend mit. Armin Jud ist seit dem 1. April diesen Jahres Gemeindepräsident mit einem Pensum von 80 Prozent. Bald habe sich gezeigt, dass dieses Pensum für eine optimale Amtsführung nicht ausreiche. Zudem fielen in die letzten Monate verschiedene Kündigungen, zur Hälfte bereits vor Amtsantritt, so Wohlwend weiter. Vier Kündigungen verzeichnete die Gemeinde in der genannten Zeit. Diese Kündigungen nahm auch die Bevölkerung wahr und an verschiedenen Anlässen wurde Armin Jud darauf angesprochen. Er konnte sie aber nie abschliessend erklären.

Zusammenarbeit nicht möglich

«Im Rahmen der Überprüfung der Ereignisse hat sich gezeigt, dass der Gemeinderat und der Gemeindepräsident unüberbrückbare Auffassungen über die Führung und Organisation der Gemeinde haben», sagte Wohlwend. Eine fruchtbare Zusammenarbeit sei so nicht mehr möglich. Auf viele Fragen wollte Wohlwend aber keine Antwort geben. Der Gemeindepräsident und der Gemeinderat haben eine gemeinsame Vereinbarung beschlossen, in der die Einzelheiten des sofortigen Rücktritts, der Presse und der Öffentlichkeit gegenüber festgelegt wurden. Wohlwend hielt sich an der Orientierung denn auch nur an vorgefertigte Antworten und die offizielle Pressemitteilung. Armin Jud war am Mittwoch nicht persönlich an der Orientierung. Fragen per E-Mail blieben unbeantwortet, er gab keine Stellungnahme ab. Der Gemeinderat hat Vize-Gemeindepräsident Otto Wohlwend einstimmig beauftragt, die Funktion und Aufgaben des Gemeindepräsidenten interimistisch zu übernehmen, bis ein neuer Gemeindepräsident im Amt ist. Die Ersatzwahl ist auf den 12. Februar 2012 gelegt.

Arbeitsklima optimieren

Solange es ihm seine Gesundheit zulasse, arbeite er nebst seinem Beruf als Geometer und Ingenieur nun zu 50 Prozent in der Gemeinde. Dieses Pensum reiche nicht aus, um als Gemeindepräsident arbeiten zu können. Deshalb sei er auf die Mitarbeitenden angewiesen, die ihr Wissen zur Verfügung stellen. Wo Wissen und Zeit nicht mehr reichen würde, suche man sich externe Unterstützung, Experten, die man beiziehen könne. «Für mich ist die Zukunft wichtig, und wie es weitergehen soll», sagt Wohlwend. Er wolle das Arbeitsklima optimieren, denn im Aufbauen von Vertrauen, in der Wertschätzung, in der Verlässlichkeit und der Berechenbarkeit liege viel Optimierungspotenzial. Nach den Sommerferien will Wohlwend auch die Degersheimer Bevölkerung über Genaueres Orientieren. Bis dahin nimmt er, mit Unterstützung seiner Ratskolleginnen und Ratskollegen das Organisatorische an die Hand. Die neue Gemeindeschreiberin Sandra Müller wurde über die Geschehnisse im Gemeindehaus orientiert. «Der Gemeinderat freut sich, mit ihr ab August zusammen zu arbeiten», so Wohlwend.

Und die Findungskommission?

Im Fokus steht nun auch die Findungskommission, welche Armin Jud als einziger in Frage kommender Kandidat zur Wahl des Gemeindepräsidenten vorschlug. Auf die ausgeschriebene Stelle im letzten Jahr bewarben sich sechs Personen. Die Findungskommission schlug allein den parteilosen Rechtsanwalt Armin Jud als Gemeindepräsident vor. Paul Kunz, Leiter der damaligen achtköpfigen Findungskommission, sieht die Situation selbstkritisch. Man habe damals zwei geeignete Kandidaten gehabt, die sich zur Wahl stellen wollten, vorausgesetzt, es gäbe keine Kampfwahl. Die Findungskommission habe sich entscheiden müssen, der Bevölkerung nur einen einzigen Kandidaten zu präsentieren, oder keinen. Im Nachhinein gesehen, hätte man das Risiko eingehen und keinen Kandidaten zur Wahl vorschlagen sollen.