Arbeitnehmern zur Seite stehen

Für die Gewerkschaften Unia und Syna ist Uzwil als Industrieort nach wie vor wichtig. Sie sind hier auch nach der Auflösung der Geschäftsstellen bei ihren Mitgliedern und in Betrieben präsent und beraten die Betriebskommissionen.

Philipp Stutz
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Diese Liegenschaft an der Bahnhofstrasse gehört noch immer der Gewerkschaft Unia, das Sekretariat aber ist geschlossen worden. (Bild: Philipp Stutz)

Diese Liegenschaft an der Bahnhofstrasse gehört noch immer der Gewerkschaft Unia, das Sekretariat aber ist geschlossen worden. (Bild: Philipp Stutz)

UZWIL. «Für die Unia ist Uzwil als Industrieort von grosser Bedeutung», betont Thomas Wepf, Regionalsekretär der Unia. «Wir sind hier wöchentlich präsent, besuchen Mitglieder und Betriebe.» Verhandlungen werden in der hiesigen Industrie zwischen Personalkommissionen und Arbeitgebern geführt. Die Gewerkschaften stehen ihren Arbeitnehmervertretungen dabei beratend zur Seite, sind doch Gewerkschafter auch in den Personalkommissionen vertreten. Bei Verhandlungen stehen unter anderem Lohnfragen zur Debatte. «Der neue Gesamtarbeitsvertrag sieht Mindestlöhne vor», sagt Wepf. Er wurde zwischen Swissmem, der die schweizerische Maschinen-, Elektro- und Metallindustrie sowie verwandte technologieorientierte Branchen als Arbeitgeber vereint, und den Gewerkschaften ausgehandelt. «In den Industriebetrieben des Fürstenlands bestehen kaum Probleme wegen zu tiefer Löhne – Fachkräfte sind gesucht», betont Wepf. Die Unia habe ihre Mitgliederzahlen halten können, beantwortet der Gewerkschaftssekretär eine entsprechende Frage. Man bemühe sich, junge Mitarbeiter für einen Beitritt zur Gewerkschaft zu bewegen. «Aus diesem Grund sind wir auch in Berufsschulen aktiv», führt Thomas Wepf weiter aus.

Das Erreichte hart erkämpft

Bereits Ende der Neunzigerjahre hat sich die Gewerkschaft Syna aus Uzwil verabschiedet und ihr Sekretariat aufgelöst. Damals hatten sich verschiedene christliche Gewerkschaften zusammengeschlossen. «Wir pflegen mit den Firmen Bühler AG, Benninger AG und Karl Mayer AG regen Kontakt», sagt Pius Riedener, Gewerkschaftssekretär und Präsident der Syna-Sektion St. Gallen. Jährlich werde eine Versammlung mit Mitarbeitern aller drei Betriebe durchgeführt. Wichtig sei es, dass Gewerkschafter in Betriebskommissionen vertreten seien. Wie Wepf spricht auch Riedener von einem stabilen Organisationsgrad. «Allgemein spielt der Solidaritätsgedanke aber nicht mehr wie früher», räumt der Gewerkschafter ein. Das bisher Erreichte werde als selbstverständlich betrachtet. «Dabei wird leider vergessen, dass bessere Arbeitsbedingungen oft hart erkämpft werden mussten.»

Sekretariat aufgelöst

Ein künstlerischer Schmuck an der Fassade des Gebäudes an der Bahnhofstrasse 77, der ein wenig martialisch anmutet, deutet darauf hin, dass sich hier einst das Sekretariat der Gewerkschaft befand. Das Haus wurde vom Schweizerischen Metall- und Uhrenarbeiterverband (Smuv) im Jahr 1964 bezogen. Die Liegenschaft, auch Gewerkschaftshaus genannt, steht noch immer in dessen Besitz. Die Gewerkschaft nennt sich seit zehn Jahren Unia und betreut ihre Mitglieder seit kurzem nicht mehr in Uzwil, sondern in der Geschäftsstelle in Wil. Der Grund dafür liege in niedrigen Frequenzen, sagt Thomas Wepf und wertet dies nicht unbedingt als negativ: «Wenn Arbeitnehmer weniger Sorgen plagen, kann dies durchaus ein gutes Zeichen sein.»

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