Arbeiten für die Minibar

Seitenblick

Simon Dudle
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Immer mehr muss selber erledigt werden. Beim Detailhändler des Vertrauens wird es zur Selbstverständlichkeit, dass man selber scannt. Am Flughafen gehört die freundliche Dame beim Check-in wohl schon bald der Vergangenheit an. Für die Bahnfahrt sind Tickets vermehrt im Internet zu beziehen, gewisse dereinst nur noch dort. Und auch bei der Postagentur im Dorfladen hilft man sich am besten selber. So weit, so gut.

Doch arbeiten heisst es nun auch, wenn man über das Wochenende mit dem Zug ins Tessin reist. Und das erstaunlicherweise nach einer Bestellung an der Minibar. Klar: Man will ja auch beschäftigt sein während der 27-minütigen Durchfahrt durch den Basistunnel.

Ein Käsesandwich soll es sein. Doch die Überraschung ist gross: Es wird in Einzelteilen geliefert. Zwei Scheiben Ruchbrot in unterschiedlichen Grössen, 10 Gramm Margarine, etwas Bündnerfleisch in einer Verpackungsschale, ein Plastikmesser, eine Serviette. Teller? Fehlanzeige. Und ohalätz: Die Margarine kommt grossmehrheitlich in flüssiger Form daher. Wohl ein Vorgeschmack auf die Tessiner Sonne. Na dann: Mahlzeit.

Dafür haben die doch mit Bestimmtheit den Preis nach unten korrigiert, wenn man schon selber Brot belegen muss. Doch es folgt die nächste Überraschung, als die Summe für das Sandwich-Puzzle und den halben Liter Süssgetränk ohne Kalorien genannt wird: 12.80. In Worten: zwölf Franken und achtzig Rappen. Fazit: Zum Glück ist die Bestellung auf der Hinfahrt erfolgt. Denn der Hunger war schon beim Austritt der Flüssigmargarine temporär weg. Drei Stunden später hat die Pizza in Ascona am See umso mehr gemundet.

Simon Dudle

simon.dudle@wilerzeitung.ch