Arbeit statt Sozialhilfe wirkt

Uzwil geht mit dem Projekt «Arbeit statt Sozialhilfe» neue Wege. Seit einem halben Jahr. Die ersten Erfahrungen sind vielversprechend. Projektleiter Heinz Erismann zieht ein erstes Fazit.

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UZWIL. Wer in Uzwil Sozialhilfe beantragt, wird sofort in ein Einsatzprogramm vermittelt. Bestehende Sozialhilfe-Klienten werden in Schritten ins Programm integriert.

Uzwiler Weg

Arbeit statt Langeweile. Lohn statt Sozialhilfe. Professionelle Begleitung. Standortbestimmung. Überprüfen und fördern von Fähigkeiten und Kompetenzen. Für die am Programm Beteiligten lohnt sich die Arbeit. Sie können den Tatbeweis erbringen, arbeiten zu wollen. Sie verdienen Lohn. Er ist wenig höher als die Sozialhilfe. Sie sind für die berufliche Vorsorge versichert. Und sie erhalten Strukturen, Förderung und damit bessere Chancen.

Potenzialabklärung

Arbeitseinsätze sind die eine Seite. Die andere Seite: Das Potenzial, die Fähigkeiten und Kompetenzen der Teilnehmer am Programm herausschälen und gezielt verbessern, um sie wieder in den Arbeitsmarkt zu integrieren. Für das ganze Programm arbeitet die Gemeinde mit der Stiftung Business-House zusammen. Dazu hat die Stiftung im Industrieareal Benninger eine Zweigstelle aufgebaut und betreut von dort aus das Projekt. Dort finden auch die Potenzialabklärungen statt.

Gesellschaftlicher Nutzen

Mit dem Programm erhält die Öffentlichkeit einen direkten Nutzen. Beispielsweise durch intensives Fetzeln und Einsammeln von Abfällen im öffentlichen Raum. Abfall nervt die Bevölkerung. Die 100 Kilometer Strassen und 40 Kilometer Trottoirs in der Gemeinde bieten Gelegenheit für tägliche Einsätze. Lucas Keel: «Rückmeldungen aus der Bevölkerung zeigen: Es ist sauberer geworden. Das wird geschätzt.»

Elf Personen fanden seit dem Start des Programms im letzten November den Weg zurück in den freien Arbeitsmarkt. Ende Mai waren 24 Uzwiler Sozialhilfebezüger im Programm. Sie sind beim Business-House angestellt. Das ermöglicht ein zweistufiges Sanktions-System. Einerseits hat das Business-House Möglichkeiten als Arbeitgeber. Reichen diese nicht aus, sanktioniert das Sozialamt. Dieses Zusammenspiel funktioniert sehr gut. Und ist nötig. Zwei Personen verzichteten freiwillig auf Sozialhilfe, weil sie nicht am Einsatzprogramm teilnehmen wollten. Fünf Personen wurde die Sozialhilfe definitiv eingestellt. Sie weigerten sich, zu arbeiten. Bei zwei weiteren Personen wird dieser Schritt geprüft, weil sie sich weder im Einsatzprogramm noch im Sozialamt blicken liessen. Projektleiter Heinz Erismann zieht ein erstes Fazit: «Wir sind gut gestartet! Die neuen Wege lohnen sich. Aber sie sind und bleiben eine Herausforderung. Jeden Tag.» (gk) ?