App und Automat statt Shoptheke:
Ab 2021 werden im Flawiler «Migrolino» keine SBB-Billette mehr verkauft

Ab Januar gibt’s im «Migrolino» am Flawiler Bahnhof keine Billette mehr. Die Unterstützung beim Lösen bleibt: Über die Helpline der SBB und, wenn auch befristet und nur in Ausnahmefällen, durch die Mitarbeitenden des Migrolino-Shops.

Andrea Häusler
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Am Flawiler Bahnhof gibt es zwei Ticketautomaten, einer steht beim Migrolino und ein zweiter auf dem Perron.

Am Flawiler Bahnhof gibt es zwei Ticketautomaten, einer steht beim Migrolino und ein zweiter auf dem Perron.

Bild: Andrea Häusler

Eigentlich hätte bereits vor drei Jahren Schluss sein sollen. Dann kam das «Moratorium für den Serviceabbau bei den SBB-Drittverkaufsstellen», welches einen Aufschub der Schliessung von schweizweit 52 Drittverkaufsstellen für Fahrkarten bis Ende 2020 bewirkte.

Laut der SBB hat sich das Kundenverhalten seither weiter zum selbstbedienten Billettkauf hin verlagert. Aktuell werden schweizweit über 90 Prozent aller Billette über digitale Kanäle oder Automaten bezogen, wobei SBB Mobile und sbb.ch allein gegenüber dem Vorjahr eine Zunahme von über 50 Prozent gegenüber verzeichnen. Gleichzeitig reduzierte sich der Anteil der Drittverkaufsstellen (wie Migrolino, Avec, Valora, Poststellen oder private Stationshalter) am Gesamtabsatz von Billetten von einem Prozent im Jahr 2017 auf mittlerweile unter 0,3 Prozent.

Keine Kooperation mit der Gemeinde

Von der Schliessung per Ende Jahr betroffen ist auch die Verkaufsstelle Migrolino am Bahnhof Flawil. Der Gemeinderat bedauert dies, wie aus einer entsprechenden Mitteilung hervorgeht. Deshalb seien verschiedene Optionen geprüft worden. «Doch weder die SBB noch die Migrolino-Gruppe sind an einer Weiterführung der Drittverkaufsstelle interessiert. Dies auch deshalb, weil die Drittverkaufsstellen ab 1. Januar 2021 für den Billettverkauf keine Provisionen mehr erhalten», wird unter anderem festgehalten. Schliesslich lehne es die SBB auch ab, das bisherige Verkaufssystem den Drittverkaufsstellen gegen Entschädigung zur Verfügung zu stellen, selbst wenn die Gemeinde die Kosten übernehmen würde.

Tatsache ist, dass die SBB die Bedienung der Billettautomaten in den vergangenen Jahren weiterentwickelt und vereinfacht hat. Ausserdem steht für Auskünfte bei Fragen oder Problemen eine kostenlose Helpline zur Verfügung. Und im Bedarfsfall kann ein Mitarbeiter der Helpline am Telefon direkt auf den Automaten zugreifen und beim Billettkauf behilflich sein.

Anwenderkurse mit SBB und Pro Senectute

Über das Standardangebot hinaus plant nun der Flawiler Gemeinderat zusammen mit der SBB und der Pro Senectute zweistündige Kurse für Menschen anzubieten, die sich mit dem Bedienen der Billettautomaten oder der Anwendung der elektronischen Angebote schwertun. Diese werden Ende November und Anfang Dezember durchgeführt und vorgängig ausgeschrieben.

Migrolino-Mitarbeitende unterstützen Reisende

Der Gemeinderat hat ausserdem mit den Verantwortlichen des Migrolino-Shops Flawil nach weiteren Möglichkeiten zur Unterstützung von Personen gesucht, welche ihr Billett am Automaten kaufen wollen, mit dem Gerät aber nicht zurechtkommen. Es wurde vereinbart, dass die Mitarbeitenden des Migrolino-Shops in dringenden Fällen die Reisenden am Billettautomaten der SBB unterstützen können. Die Gemeinde entschädigt den Migrolino-Shop Flawil für diese Dienstleistung teilweise. Eine Win-win-Situation, denn der Verlust des Fahrkartengeschäfts dürfte sich auch auf die Frequentierung des Migrolino-Shops auswirken. Die Unterstützung der Bahnpassagiere durch Migrolino-Personal ist allerdings auf das erste Quartal 2021 beschränkt.

Wer trotz alledem eine persönliche Beratung wünscht, der muss sich ab Januar 2021 an die Bahnreisezentren in Uzwil oder Gossau wenden.

Drei betroffene Bahnhöfe im Einzugsgebiet

Flawil ist, nebst Sirnach und Eschlikon, der einzige Bahnhof im Einzugsgebiet dieser Zeitung, an dem die Reisenden nach der Schliessung des bedienten Schalters auf eine Drittanbieterlösung zurückgreifen konnten. Vor allem an kleineren Bahnhöfen blieb den Kunden von Anbeginn weg nur die Möglichkeit, ihre Billette telefonisch zu bestellen, via Internet oder App zu kaufen oder am Automaten vor Ort zu beziehen.