App gelöscht – Anzeiger bleibt Print

Wie gut fühlen sich die Flawilerinnen und Flawiler über die Tätigkeit der Gemeindeverwaltung informiert? Dieser Frage ging der Flawiler Patrick Helbling in seiner Diplomarbeit für die Fachhochschule St. Gallen nach. Die Resultate erstaunen.

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Zwei Drittel der Flawiler bevorzugen die gedruckte Ausgabe des Anzeigers, 10 Prozent eine digitale Version.

Zwei Drittel der Flawiler bevorzugen die gedruckte Ausgabe des Anzeigers, 10 Prozent eine digitale Version.

FLAWIL. Die Gemeinde Flawil informiert ihre Bevölkerung über den Anzeiger Flawil-Degersheim, den Newsletter, die Website, die Flawil-App, an Informationsveranstaltungen und in Gesprächen. Um herauszufinden, wie gut sich die Bevölkerung informiert fühlt, hat die Gemeinde bei der Fachhochschule St. Gallen eine Studie in Auftrag gegeben. Diese wurde von Patrick Helbling, Mitarbeiter in der Flawiler Steuerverwaltung, im Rahmen seiner Diplomarbeit, der Bachelor Thesis, durchgeführt. Die Resultate der Studie stützen sich auf eine repräsentative Umfrage. Angeschrieben wurden 2000 Einwohner. Der Rücklauf lag bei 672 Bogen (33 Prozent).

Anzeiger ist Nummer eins

Die Umfrage zeigt, dass das bevorzugte Informationsmittel der Anzeiger Flawil-Degersheim ist. Danach folgen die Wiler Zeitung, das Gespräch mit Freunden, die Wiler Nachrichten und die Website www.flawil.ch. Der Anzeiger ist beliebt, obwohl Hintergrundberichte und Updates zu laufenden Projekten vermisst werden. Drei Viertel der Flawiler lesen ihn jede Woche. Je älter eine Person, umso mehr tendiert dieser Wert gegen 100 Prozent. Bei den 18- bis 30-Jährigen ist der Anzeiger bei 30 Prozent wöchentliche Lektüre. Zwei Drittel der Umfrageteilnehmer bevorzugen eine wöchentliche Erscheinung. Ein Drittel – vor allem Junge – sprach sich für einen Zweiwochenturnus aus. Für die deutliche Mehrheit der Flawiler Bevölkerung wäre die Abschaffung des Anzeigers als gedruckte Zeitung ein grosser Verlust. Nur 10 Prozent bevorzugten eine digitale Ausgabe, 20 Prozent hätten gern beide Varianten. Dieses Ergebnis zeigt sich über alle Altersgruppen hinweg. Die Gemeinde will am Wochenturnus festhalten und wird den Anzeiger weiterhin in Papierform herausgeben und als digitale Version auf der Gemeindehomepage aufschalten.

E-Newsletter wenig bekannt

Die Umfrage bringt zutage, dass es unter den Informationsmitteln der Gemeinde zwei Problemfälle gibt. Einerseits der wöchentliche E-Mail-Newsletter, der nur von 20 Prozent der Befragten abonniert ist. 20 Prozent kennen ihn, nutzen ihn aber nicht, und über 50 Prozent wissen nichts vom Angebot. Anderseits ist die Flawiler App ein Sorgenkind. Zwei Drittel kennen die App nicht, 15 Prozent wissen davon, sind aber uninteressiert, und 10 Prozent haben sie heruntergeladen, bemängeln jedoch deren Qualität. Auch die Gemeinde erachtet die vor drei Jahren lancierte App als nicht mehr up to date und hat sie gelöscht. Social-Media-Angebote wie Facebook und Twitter werden nicht vermisst. Und zwar von keiner der Altersgruppen. Auch 75 Prozent der Jungen sehen keine Notwendigkeit.

90 Prozent gut informiert

Gut schneidet die Website www.flawil.ch ab. Rund 60 Prozent geben dem Internetauftritt gute bis sehr gute Noten. 25 Prozent beurteilen die Homepage als genügend, 15 Prozent als ungenügend. Gleichzeitig aber wird die Website als altmodisch, die Navigation als unübersichtlich, die Suchfunktion als verbesserungswürdig und die Startseite als unnötig beurteilt. Die Gemeinde wird den Auftritt dieses Jahr erneuern. Die Umfrage zeigt ausserdem, dass über 90 Prozent die amtlichen Publikationen verstehen und der Informationstätigkeit der Behörden vertrauen. Ebenfalls gegen 90 Prozent der Befragten gaben zusammenfassend an, dass sie sich gut informiert fühlen. Lediglich 10 Prozent fühlen sich ungenügend bis schlecht informiert.

Helblings Empfehlungen

Der Verfasser der Diplomarbeit, Patrick Helbling, gibt der Gemeinde folgende Empfehlungen ab: Der Anzeiger soll weiterhin im Wochenrhythmus erscheinen. Die Website soll erneuert werden und für verschiedene Geräte kompatibel gemacht werden. Die Bekanntheit des E-Mail-Newsletters soll verbessert und die Gemeinde-App gelöscht und eventuell neu lanciert werden. Ein Social-Media-Einstieg ist nicht zwingend. Der internen Information an das Gemeindepersonal soll genügend Gewicht beigemessen werden. (gk)

Patrick Helbling

Patrick Helbling

Die Bachelor Thesis von Patrick Helbling. (Bilder: gk)

Die Bachelor Thesis von Patrick Helbling. (Bilder: gk)