Anonyme Kritik an Windrädern

BRAUNAU. In Braunau wird womöglich der erste Windpark der Ostschweiz errichtet. «Pro Braunau» wehrt sich dagegen und kritisiert auch Gemeindepräsident David Zimmermann. Wer hinter der Gruppierung steckt, bleibt allerdings unklar.

Simon Dudle
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Dieser 90 Meter hohe Mast oberhalb von Braunau sammelt Daten zu den Windgeschwindigkeiten. (Archivbild: Reto Martin)

Dieser 90 Meter hohe Mast oberhalb von Braunau sammelt Daten zu den Windgeschwindigkeiten. (Archivbild: Reto Martin)

Man kennt sich in Braunau. Die kleinste politische Gemeinde der Region Wil zählt keine 800 Einwohner. Umso erstaunlicher ist, dass sich eine scheinbar unbekannte Gruppierung gegen den möglichen Windpark stark macht. «Pro Braunau» nennt sich die Organisation, die auch Kritik an Gemeindepräsident David Zimmermann übt. Wer dahintersteckt, bleibt unklar. Das entsprechende Mail, welches den Medien zugespielt worden ist, wird nicht namentlich gezeichnet und enthält keine Kontaktdaten. Einzig beim Absender ist der Name «Paul Rechsteiner» ersichtlich. Kaum vorstellbar, dass sich der St. Galler Ständerat auf diese Art zur Windenergie äussern möchte und einer Braunauer Gruppierung angehört. Auf mehrfache Interviewanfrage der Wiler Zeitung erfolgte keine Reaktion von «Pro Braunau».

Gemeindepräsident Zimmermann kennt weder die Gruppierung noch wohne in der Gemeinde ein Paul Rechsteiner. Es dürfte sich also um anonyme Kritik handeln.

David Zimmermann Gemeindepräsident Braunau (Bild: Donato Caspari)

David Zimmermann Gemeindepräsident Braunau (Bild: Donato Caspari)

«Grosse Bedenken»

Fakt ist: Zum Windpark gibt es zwei Meinungen. «Die Stimmung ist unterschiedlich, von sehr positiv bis stark ablehnend. Vor allem die neu zugezogenen Leute sagen, sie seien nicht gekommen, um Windräder anzuschauen», so Zimmermann. Den Grundtenor beurteilt er als positiv, aber nicht jubelschreiend.

Weniger erfreut ist man bei «Pro Braunau». Viele Dorfbewohner hätten grosse Bedenken wegen des sehr geringen Abstandes der Kraftwerke zu den Wohnhäusern, dem entstehenden Lärm, der massiven Entwertung der Immobilien und ihrer Gesundheit durch den Infraschall, ist im Mail zu lesen. Und weiter: «David Zimmermann möchte in Braunau gleich mehrere industrielle Windkraftanlagen bauen und wirbt für sein Anliegen.» Dem widerspricht der Gemeindepräsident: «Ich habe noch nie geworben oder ein Plakat aufgehängt.»

«Verhalten positiv»

Es werden noch weitere Vorwürfe erhoben. Das Ergebnis der National- und Ständeratswahlen wird als «Ohrfeige für den Gemeindepräsidenten» bezeichnet. Dieser gehört der SVP an – und die Wahlsiegerin lehne die steuerlich subventionierten Windkraftanlagen ab. Im Mail wird gefragt, was die Windenergie-Lobby unternommen habe, um den SVP-Politiker zu einem Grünen zu bekehren.

Zimmermann stellt auf Nachfrage klar, dass er dem Windpark «verhalten positiv» gegenüberstehe. «Wenn es in der Schweiz keine Atomkraftwerke mehr geben soll, dann müssen wir einen Beitrag leisten und eine Lösung finden. Ist es auf diese Art in Braunau machbar, dann sage ich nicht grundsätzlich nein.» Und zum Thema «staatlich unterstützte Anlagen» sagt der Gemeindepräsident: «Ohne Subventionierung wäre es nicht attraktiv. Das sieht man auch bei den Photovoltaikanlagen, wo die Leute dank den Kostenvergütungsbeiträgen hauptsächlich Geld verdienen wollen.» Im Falle des Windparks würde Braunau einen Beitrag als Standortgemeinde bekommen und finanziell davon profitieren.

Für Diskussionsstoff ist in der 755-Seelen-Gemeinde gesorgt. Es erstaunte nicht, wenn der Windpark noch einiges an Gegenwind erfahren würde.