Angst vor neuen Bewohnern

Die Stiftung Kolese hat eine Vision: 400 bis 500 Menschen sollen dereinst in einer Überbauung rund um das Resorthotel und das Alters- und Pflegeheim Mogelsberg wohnen und arbeiten.

Katharina Rutz
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Mogelsberg. Der Kirchgemeindesaal Mogelsberg platzte am Mittwochabend aus allen Nähten. Ungewöhnlich viele Mogelsbergerinnen und Mogelsberger kamen, um sich über das Vorhaben der Kolese-Stiftung in ihrem Dorf zu informieren.

Eine Vision

«Vor 25 Jahren gab es in Mogelsberg eine touristische Vision und das Resorthotel mit Sportanlagen und einer Ferienhaussiedlung entstand», sagte Gemeindepräsidentin Vreni Wild zur Begrüssung. Während in der Ferienhaussiedlung heute geschätzte Bürgerinnen und Bürger wohnen würden, habe das Resorthotel stets Mühe bekundet. «Seit zwei Jahren steht es nun leer», ergänzte sie. An der letzten Gemeindeversammlung hat sich ein Bürger besorgt nach der Zukunft des Resorthotels erkundigt. Eine mögliche Zukunft hätte das Resorthotel nun mit der Stiftung Kolese. Auch die Kolese – kurz für Kommen, Leben, Sein – hat eine Vision. Von einer Lebens- und Arbeitsgemeinschaft, in der das Miteinander und Füreinander im Zentrum steht. 400 bis 500 Menschen soll diese Gemeinschaft umfassen und einen eigenen Landwirtschaftsbetrieb, ein Geburtshaus, betreutes Wohnen im Alter, einen eigenen Laden mit Bioprodukten und Drogerieangebot sowie eine eigene Schule umfassen.

Die Agob AG, welche im Besitz des Resorthotels ist, hat die Liegenschaft der Stiftung zum Kauf angeboten, nachdem der Standort Bischofszell geplatzt ist. Die Stiftung ist jedoch nur am Resorthotel interessiert, wenn die Gemeinde Neckertal auch genügend Bauland für sie einzont und das Alters- und Pflegeheim Mogelsberg an die Stiftung veräussert. Die Gemeinde Neckertal ist ohnehin daran, den Zonenplan zu überarbeiten, und in Mogelsberg fehlt zurzeit attraktives Bauland. Die Stiftungsrätin Doris Horber betont: «Voraussetzung für unsere Ansiedlung in Mogelsberg sind alle drei Teile: Resorthotel, Alters- und Pflegeheim und Bauland.»

Kritische Bevölkerung

Die Bevölkerung von Mogelsberg stand der Präsentation von Kolese skeptisch gegenüber und stellte kritische Fragen. Einerseits standen Ängste im Raum, die Kolese-Stiftung könnte sich zu einer Sekte entwickeln, sobald sie einmal einen festen Standort habe. Der Umstand, dass eine eigene Schule geplant ist, stiess vielen sauer auf. Die Zahl von bis zu 500 neuen Bewohnerinnen und Bewohnern, die sich in einem «Dorf im Dorf» abgrenzen könnten, führte ebenfalls zu Verunsicherung. «Mogelsberg wird überschwemmt», so eine Votantin. Zudem wurde angekreidet, dass eine Stiftung keine Steuern zahle. Dem hielten die Mitglieder des Stiftungsrates entgegen, dass man sich nicht abschotten wolle. «Die Mietwohnungen und Arbeitsplätze stehen allen offen. Die Bewohner sind steuerpflichtig, wie jeder andere auch. Die Schule soll ein ergänzendes Angebot für Kinder sein, die sonst nicht ins System passen.» Mit der Dorfbevölkerung wolle man sich austauschen. Doris Horber hält fest: «Um bei uns eine Wohnung zu mieten, muss man nicht Mitglied der Kolese-Stiftung sein.» Zur Grösse sagt sie: «Mit nur 200 Personen wäre das Projekt nicht wirtschaftlich.» Einige Votanten zeigten sich interessiert am Projekt und wollen es nicht von vornherein ablehnen und damit vielleicht eine Chance für das leerstehende Resorthotel verpassen.

120-Millionen-Projekt

Der Zeitplan der Kolese-Stiftung ist ambitioniert. In drei Bauetappen, von denen die erste 2012 beginnen soll, will man bis 2017 das Lebensprojekt fertigstellen. Das Investitionsvolumen beläuft sich auf 120 Millionen Franken. «Mit Stiftungen, einem Bankenkonsortium und Investoren sei man im Gespräch», so Doris Horber. Ostschweiz 29

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