ANGEBOT: «Der Weg ist der richtige»

Seit dem Jahr 2013 besteht die Dienststelle «Arbeitsintegration» für Sozialhilfeempfänger. Der Stadtrat ist von der strategischen Ausrichtung nach wie vor überzeugt. Doch es gibt Verbesserungspotenzial.

Philipp Haag
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Zu den Aufgaben im Arbeitseinsatz «Passage» gehören auch Reinigungsarbeiten. (Archivbild: Donato Caspari)

Zu den Aufgaben im Arbeitseinsatz «Passage» gehören auch Reinigungsarbeiten. (Archivbild: Donato Caspari)

Philipp Haag

philipp.haag@wilerzeitung.ch

Die Stadt Wil hat im Jahr 2013 nach einer 70-Prozent-Genehmigung durch das Stimmvolk die Arbeitsintegration für Sozialhilfeklientinnen und -klienten neu ausgerichtet. Hauptbestandteil war die Schaffung der Dienststelle «Arbeitsintegration» mit jährlich wiederkehrenden Kosten von 390000 Franken. Dieser gehören der ebenfalls neu angebotene Arbeitseinsatz «Passage» und ein Coaching für junge Erwachsene an sowie die Beratung von Erwachsenen und ein Beschäftigungsprogramm. Der Grund für die Einführung war unter anderem eine steigende Anzahl Anmeldung von jungen Erwachsenen. Das Ziel ist die Senkung respektive die Stabilisierung der Sozialhilfekosten.

Positiven Beitrag an städtischen Haushalt

Nun liegt ein auf einer Evaluation einer externen Firma basierender Bericht zu Handen des Parlaments vor. In diesem zieht der Stadtrat ein positives Fazit. Er zeigt sich von der vor vier Jahren eingeschlagenen Strategie überzeugt. «Der Weg ist der richtige.» Einerseits, weil die Angebote die berufliche Integration der Sozialhilfeempfänger unterstütze. Anderseits, weil diese einen positiven Beitrag an den städtischen Haushalt leisten. Wie hoch die Einsparungen für den Betrachtungszeitraum der Jahre 2014 und 2015 sind, lässt sich beziffern: Insgesamt sind es 1,8 Millionen Franken, vor allem durch Ablösungen, Teilzeitanstellungen und Zwischenverdiensten. Welchen Anteil die neuausgerichtete Arbeitsintegration hat, lässt sich allerdings nicht genau sagen, weil Vergleichsdaten fehlen. Unter dem Strich stiegen die Unterstützungskosten in den beiden Jahren an, da auch andere Faktoren wie die Anzahl zu unterstützender Personen eine Rolle spielen: 2013 auf 2014 um 1,3 Prozent, von 2014 auf 2015 um 2 Prozent auf einen Nettoaufwand von 5,3 Millionen Franken. Auch wenn das Ziel der Stabilisierung der Sozialhilfekosten nicht erreicht worden sei, schreibt der Stadtrat, «ist davon auszugehen, dass ohne die Arbeitsintegration die Nettokosten wesentlich höher ausgefallen wären».

In den beiden Jahren waren 414 Fälle betreut worden. Unter dem Motto «Zuerst Arbeit – dann Sozialhilfe» werden seit 2013 alle arbeitsfähigen Personen, die sich zum Sozialhilfebezug anmelden, einem einmonatigen Arbeitseinsatz gegen Lohn zugewiesen, dem Passage. Der Arbeitseinsatz umfasst leichte Arbeiten in Wald und Garten sowie Reinigungs- und Gebäudeunterhaltsarbeiten. Wer den Arbeitseinsatz verweigert, hat für einen Monat keinen Anspruch auf Sozialhilfe. Die grosse Mehrheit der Teilnehmenden habe den Arbeitseinsatz positiv angenommen, hält der Stadtrat fest. Es habe sich gezeigt, dass die meisten froh seien, einer Arbeit nachgehen und etwas Sinnvolles tun zu können. Im Durchschnitt absolvierten je 60 Personen 2014 und 2015 das Passage, von denen drei Viertel den Einsatz vollständig bis zum Ende absolviert haben. Beim Passage ist laut des Evaluationsberichts das Ziel erreicht worden. Ein Coaching durchliefen 110 junge Erwachsene. Drei Viertel sind Schweizer Staatsbürger und zwei Drittel junge Männer. 47 schlossen das Coaching ab, die Hälfte davon durch Aufnahme einer Erwerbstätigkeit oder Ausbildung. Die engmaschige und pädagogische Begleitung wird als erfolgreich eingestuft.

Ausbau beim 2. Arbeitsmarkt

Ein Manko herrscht hingegen bei den Arbeitsmöglichkeiten im 2. Arbeitsmarkt. Ein Ausbau sei angezeigt, schreibt der Stadtrat. Die Arbeitsintegration entwickle ein Teillohnkonzept. Zudem wird ein Werkstattraum gesucht, um das Arbeitsangebot im Passage und im städtischen Beschäftigungsprogramm breiter zu fächern und Personen mit körperlicher Einschränkung Arbeitsmöglichkeiten zu bieten. Der Leistungsausbau soll mit Zivildienstleistenden bewältigt werden.