Kommentar

Andreas Ritsch ist noch bis zum Saisonende Trainer des EC Wil: Unruhen wären vermeidbar gewesen

Der Entscheid gegen Ritsch ist gemäss Recherchen dieser Zeitung bereits im Herbst gefallen. Es wäre geschickter gewesen, von Anfang an offen und transparent zu kommunizieren.

Tim Frei
Drucken
Teilen
Tim Frei, Sportredaktor Wiler Zeitung

Tim Frei, Sportredaktor Wiler Zeitung

Bild: Benjamin Manser

Der EC Wil hat bisher eine starke Saison gezeigt und sich das Heimrecht fürs Playoff verdient gesichert. Trotzdem hat es sich abgezeichnet, dass der Vertrag mit Trainer Andreas Ritsch nicht verlängert wird.

Der Entscheid gegen Ritsch ist gemäss Recherchen dieser Zeitung bereits im Herbst gefallen. Präsident Roger Dietschweiler dementierte damals Hinweise, man suche einen Nachfolger. Doch es gibt weitere Indizien dafür, dass an dieser Version Zweifel bestehen: So hat Dietschweiler widersprüchlich kommuniziert.

Zuerst betonte er mehrmals, Trainer Ritsch stehe nicht zur Diskussion. Nur wenige Wochen danach war dessen Zukunft plötzlich offen, weil sich der EC Wil keinen Profitrainer mehr leisten könne. Danach hiess es, man sei in den Verhandlungen auf der «Zielgerade» und es müssten nur noch Details geklärt werden. Und nun also die Kehrtwende.

Gestützt wird die These des schon länger geplanten Entscheids durch einen weiteren Punkt: Der EC Wil hatte Kenntnis davon, dass Leistungsträger den Verein nächste Saison verlassen würden, wäre der Vertrag mit Ritsch verlängert worden.

Dietschweilers Absichten liegen auf der Hand. Er wollte Ritsch einen sauberen Abgang ermöglichen – deshalb auch die Option auf Weiterbeschäftigung im Nachwuchs. Das ehrt den Präsidenten zwar, doch es wäre geschickter gewesen, von Anfang an offen und transparent zu kommunizieren. Dies hätte die Unruhen bei Spielern, im Verein und dessen Umfeld im Keime erstickt – und es Ritsch erleichtert, nach einem anderen Trainerjob Ausschau zu halten.

Dietschweiler lernte in seinem ersten Jahr als Präsident das Hockeybusiness auf die harte Tour kennen. Sein Nachteil war, dass es seit der Entlassung von Sportchef Daniel Zeber im Vorstand an sportlichem Know-how fehlte. Auf Dietschweiler wartet viel Arbeit. Er muss einen neuen Trainer finden und ein konkurrenzfähiges Team zusammenstellen.