ANALYTIK: Neuer Herr über die Petrischalen

Ob in Milch, Käse oder Wurst nur drin ist, was drin sein soll, überprüft die Bamos AG in Bazenheid. Nun tritt der bisherige Geschäftsführer in den Ruhestand.

Ruben Schönenberger
Drucken
Teilen
Petrischalen sind das wichtigste Werkzeug.

Petrischalen sind das wichtigste Werkzeug.

Ruben Schönenberger

ruben.schoenenberger@ toggenburgmedien.ch

«200 bis 300 Proben verschiedenster Lebensmittel erhalten wir täglich. Im letzten Jahr kamen so 202000 Analyseresultate zusammen.» Diese eindrücklichen Zahlen der Bazenheider Bamos AG konnte der abtretende Geschäftsführer Niklaus Seelhofer anlässlich der Stabsübergabe präsentieren. Seelhofer tritt in den Ruhestand und übergibt das Amt an Patrick Wirth. Der erst 30-Jährige leitet neu das Unternehmen für mikrobiologische und chemische Analytik. Von den Dienstleistungen der Firma Gebrauch machen verschiedenste Kunden. So wird im Labor beispielsweise die Milch von Kühen untersucht. Dabei kann auch festgestellt werden, ob eine Kuh trächtig ist. Aber auch Fleisch- oder Käseproben finden den Weg ins Labor im Bazenheider Industriegebiet Zwizach. Seelhofer sagt deshalb: «Wir sind das Betriebslabor der KMU in der Lebensmittelbranche der Ostschweiz.»

Von Weinfelden nach Bazenheid

Dass die Bamos heute diese ­Stellung einnimmt, führt Verwaltungsratspräsident Hansruedi Aggeler unter anderem auf den scheidenden Geschäftsführer zurück. «Niklaus Seelhofer war von Anfang an am Aufbau beteiligt, als die Bamos 2007 ihre Arbeit aufnahm.» Damals war das Unternehmen noch in Weinfelden angesiedelt. Das Wachstum machte aber einen Neubau und den damit verbundenen Umzug nach Bazenheid nötig. Trotz einem starken Strukturwandel habe die Anzahl Proben zugenommen, führte Aggeler aus. Das liege vor allem an der zusätzlichen Vielfalt der untersuchten Lebensmittel. Der Verwaltungsratspräsident zeigt sich anlässlich der Stabsübergabe auch erfreut über die geglückte Nachfolgeregelung. Der neue Geschäftsführer Wirth habe sich gegen rund 50 Kandidaten durchgesetzt. Als ausgebildeter Landwirt mit Weiterbildungen an verschiedenen Schulen und in Praktika bringe er die nötigen Kenntnisse mit. «Trotz seiner Jugend weist er zudem schon Führungserfahrung auf.» Wirth freut sich über das Vertrauen des Verwaltungsrats. Der zweifache Vater vergleicht die Bamos mit einer Familie, die nur wegen dieses Zusammenhalts so stark – von 13 auf rund 30 Mitarbeitende – wachsen konnte.

Beanstandungen werden nicht gemeldet

Anschliessend an die Übergabe der Geschäftsführung erlaubte Laborleiter Hanspeter Gsell einen Einblick in die Räumlichkeiten und in die konkreten Abläufe. Sollte eine Probe beanstandet werden, erfolge keine Meldung an staatliche Organe. Der entsprechende Hinweis ergehe nur an die jeweilige Firma oder Person selbst. Diese müsse dann reagieren. «Heute kann es sich aber eigentlich niemand mehr leisten, schlechte Testresultate einfach zu ignorieren», sagte Gsell. Wenn das auffliegen würde, seien die wirtschaftlichen Konsequenzen enorm. Für jene Hersteller oder Verarbeiter, die Hilfe in Anspruch nehmen möchten, bietet die ­Bamos auch Beratungen an. Denkbar sei zum Beispiel die Unterstützung bei der Erstellung eines Hygienekonzepts für eine Küche.

Hygiene war denn auch das Stichwort der Führung. Damit die Proben korrekt untersucht werden können, müssen sowohl Umgebung als auch Hilfsmittel rein gehalten werden. Wenn abends in der Bamos die Lichter gelöscht werden, sind deshalb alle Tische lupenrein.