An Heiligabend eine Party feiern

WIL. Das Stadtparlament ermöglicht Clubbetreibern, an Heiligabend länger als bis um Mitternacht zu öffnen. Die Parlamentarier sprachen sich für ein Gastwirtschaftsreglement aus, das Ausnahmebewilligungen vorsieht.

Philipp Haag
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Für Wiler Clubbetreiber besteht die Möglichkeit, auf ein Gesuch hin an Heiligabend länger als bis um 24 Uhr Bier auszuschenken. (Bild: Themenbild: Hannes Thalmann)

Für Wiler Clubbetreiber besteht die Möglichkeit, auf ein Gesuch hin an Heiligabend länger als bis um 24 Uhr Bier auszuschenken. (Bild: Themenbild: Hannes Thalmann)

«Es ist eine gute Gelegenheit, alte Zöpfe abzuschneiden», sagte Kilian Meyer am Donnerstagabend. Der SP-Politiker bezog sich bei der Parlamentssitzung mit seiner Aussage auf das Gastwirtschaftsreglement, das im Zug der Vereinigung von Wil und Bronschhofen überarbeitet worden war. «Wil kann ein Zeichen setzen», sagte Meyer, «und auf die Anliegen der jungen Bevölkerung eingehen.» Ausserdem wünscht er sich für die Clubbetreiber in der Stadt gleich lange Spiesse wie für diejenigen in anderen Städten. Der SP-Politiker sprach sich darum gegen Schliesszeiten ohne Ausnahmemöglichkeit an Karfreitag, Heiligabend und Weihnachten aus. Die SP unterstützte damit den Vorschlag der vorberatenden Kommission, die an diesen drei Tagen Ausnahmebewilligungen erlauben möchte. Die Kommission war für eine zeitgemässe Regelung, die sich der gelebten Realität sowie den Bedürfnissen der Besuchenden und Clubbetreiber anpasst.

Keine Ausnahmebewilligung

Die Stadtrat sah im überarbeiteten Gastwirtschaftsreglement für Heiligabend, Weihnachten und Karfreitag eine Schliessungszeit von 24 bis 5 Uhr vor, ohne die Möglichkeit einer Ausnahmebewilligung. Stadtpräsidentin Susanne Hartmann hatte das Belassen der Schliessungszeit an diesen drei Tagen gegen- über dieser Zeitung als Zeichen eingestuft, als Zeichen gegen die 24-Stunden-Spassgesellschaft und für christliche Werte. Noch einen Schritt weiter gehen wollte die CVP. Roland Bosshart stellte den Antrag, den Oster- und den Pfingstsonntag, die der Stadtrat von der Liste gestrichen hatte, wieder aufzunehmen. «Beide gehören zu den bedeutenden christlichen Feiertagen», sagte Bosshart. Auch Besinnung und Ruhe erfüllten im Leben eines Menschen eine wichtige Funktion. Christliche Werte seien schliesslich ein Teil der städtischen Kultur. «Ausserdem möchten wir einen Gegenpol zur 24-Stunden-Spassgesellschaft setzen.» Anderer Meinung war Marc Flückiger, der im Namen der Jungfreisinnigen sprach. «Wir leben heute anders als vor 20 Jahren.» Es gehe nicht darum, unsinnige Parties zu feiern. An Heiligabend in den Ausgang zu gehen, entspreche aber einem Bedürfnis der Jugend. «Deswegen artet es in Wil nicht aus», sagte Flückiger. Er stellte sich hinter den liberaler ausgestalteten Antrag der vorberatenden Kommission. Auch Mario Schmitt (SVP) machte sich für das Ansinnen der vorberatenden Kommission stark. Von Jubel, Trubel und 24-Stunden-Spassgesellschaft könne keine Rede sein. Auch in Wil wohnten Personen, die an Heiligabend alleine und darum glücklich darüber seien, sich mit jemandem treffen zu können. «Veränderung der Gesellschaft lassen sich nicht aufhalten.» Er stellte sich klar gegen den «verstaubten» Antrag des Stadtrates und der CVP.

CVP ist chancenlos

Der Vorschlag der CVP war chancenlos. Auch der Antrag des Stadtrates fand bei den Parlamentariern keine Gehör. Sie sprachen sich schliesslich mit 36 Stimmen für ein Gastwirtschaftsreglement aus, in dem das Anliegen der vorberatenden Kommission berücksichtigt wird. Somit gelten an Karfreitag, Heiligabend und Weihnachten die ordentlichen Schliessungszeiten von 24 bis 5 Uhr. Die Clubbetreiber haben aber nun die Möglichkeit, bei der Stadt ein Gesuch für längere Öffnungszeiten einzureichen.

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