An der Stieftochter vergangen

Ein 43jähriger Mann ist gestern am Bezirksgericht Münchwilen verurteilt worden, weil er seine minderjährige Stieftochter sexuell genötigt hatte. Ihm wurde eine bedingte Geldstrafe auferlegt.

Simon Dudle
Merken
Drucken
Teilen

MÜNCHWILEN. Das düstere Wetter gestern Donnerstagnachmittag – die Wolken hingen tief und ein Sturm kündigte sich an – passte ins Bild. Am Bezirksgericht wurden verwerfliche Taten behandelt. Der Angeklagte, ein 43-Jähriger aus dem Kanton Zürich, trug dunkle Kleider und stützte sich im Gerichtssaal auf dem alten hölzernen Tischchen vor sich auf, die Hände gefaltet. «Seit die Polizei vor vier Jahren mein Haus durchsucht hat, habe ich Angst und mir ist oft kalt. Mir geht es nicht gut», sagte er.

Als seine damalige Ehefrau, von der er sich 2002 scheiden liess, ausser Haus war, griff er seiner damals 13- bzw. 14jährigen Stieftochter mehrfach an die Brüste, als ihm das Opfer auf dem Schoss sass und sie gemeinsam Computerspiele spielten. Obwohl der Zürcher dabei jeweils den Überraschungseffekt ausnutzte, wehrte sich das Mädchen gegen die Übergriffe. Teilweise liess es das Begrapschen aber über sich ergehen, weil es sich um den Stiefvater handelte und der leibliche Vater verstorben war.

Ins Bett gezogen

An einem anderen Abend, als die Ehefrau wiederum ausser Haus war, rief der 43-Jährige die Stieftochter zu sich in die Stube der Sirnacher Mietwohnung. Der gestern Verurteilte schaute sich gerade einen Porno an. Als die Stieftochter realisierte, was vor sich ging, wollte sie den Raum verlassen, wurde aber vom Täter an den Handgelenken gepackt und aufs Sofa vor dem Bildschirm gezogen. Obwohl es nicht zum Geschlechtsverkehr kam, musste das Opfer einiges über sich ergehen lassen und es kam zu einer sexuellen Handlung. Völlig irritiert verliess es die Stube.

An einem anderen Abend kam es zu einem weiteren Vorfall. Als das Kind den Stiefvater, der nackt zu schlafen pflegte, wie von seiner Mutter beauftragt, geweckt hatte, wurde es vom Täter ins Bett gezogen. Erst kurz vor seinem «Höhepunkt» liess er das Opfer ziehen, nachdem sich dieses gewehrt hatte. Zu Geschlechtsverkehr kam es auch hierbei nicht.

Täter will sich entschuldigen

Das Bezirksgericht entschied gestern über das Strafmass für diese Taten – mehrfache sexuelle Handlungen und zweifache sexuelle Nötigung mit einem Kind. Der Angeklagte, der heute wieder im Kanton Zürich wohnt, war geständig und zeigte sich reuig. Er wurde zu einer bedingten Geldstrafe von 30 000 Franken verurteilt, die er nur zahlen muss, wenn er sich in den nächsten beiden Jahren noch einmal etwas zuschulden kommen lässt. Zudem erhielt er eine Busse in der Höhe von 1000 Franken, und er muss die Verfahrenskosten von rund 4000 Franken bezahlen.

Am Ende der Verhandlung wurde noch die Frage des Täters geklärt, ob er seiner Stieftochter nun einen Entschuldigungsbrief schreiben dürfe, obwohl ihm jeglicher Kontakt zu ihr untersagt worden ist. Dagegen hatte der Richter keine Einwände. Der 43-Jährige wird sich nun wohl entschuldigen, er geht aber davon aus, dass der Brief von seiner Stieftochter sofort zerrissen wird.