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Amphibien bevölkern frühere Kiesgrube in Kirchberg

Die Holcim Kies und Beton AG baut im Gebiet Wisgraben-Riedenboden-Chalchbüel in Kirchberg seit 1963 Kies ab, füllt die Gruben mit sauberem Aushubmaterial auf und rekultiviert sie. Was tut sich im Abbaugebiet und wer bewegt sich in den renaturierten Flächen?
Zita Meienhofer
(Von links) Andreas Brändle, Leiter Werk Kirchberg; Stefan Nagel, Projektleiter Rohstoffsicherung; Bruno Schättin, ökologischer Begleiter; Christine Moser, Kommunikationsverantwortliche in der Kirchberger Kiesgrube. Oberhalb des Baggers befindet sich eine Sandlinse, in denen die Uferschwalben ihre Brutröhren einrichten.(Bilder: Zita Meienhofer)

(Von links) Andreas Brändle, Leiter Werk Kirchberg; Stefan Nagel, Projektleiter Rohstoffsicherung; Bruno Schättin, ökologischer Begleiter; Christine Moser, Kommunikationsverantwortliche in der Kirchberger Kiesgrube. Oberhalb des Baggers befindet sich eine Sandlinse, in denen die Uferschwalben ihre Brutröhren einrichten.
(Bilder: Zita Meienhofer)

«Wir alle sind Kies-Konsumenten», sagt Andreas Brändle, Leiter des Kieswerks Kirchberg der Holcim Kies und Beton AG. «Wir wohnen in Betonhäusern und fahren auf Strassen, die Kies enthalten.» Brändle arbeitet seit 19 Jahren beim Holcim-Unternehmen und ist seit zwei Jahren für das Kieswerk in Kirchberg zuständig. Er ist in der Gemeinde Kirchberg aufgewachsen und wohnt immer noch dort, nun im Ortsteil Dietschwil. «Wir Kirchberger sind mit dem Kieswerk aufgewachsen», bekennt er.

Die Erweiterung der Kiesgrube nach Norden konnte vor zwei Jahren ohne Einsprachen erfolgen. Im Gebiet Wisgraben wurde in den 1960er-Jahren bis im 2000 abgebaut. Dort steht auch das Kieswerk, in dem das Rohmaterial veredelt wird. Zurzeit ist Holcim Kies und Beton AG im angrenzenden Gebiet Riedenboden-Chalchbüel aktiv.

450 000 Tonnen Kies wird jährlich abgebaut

Jährlich werden dort 450000 Tonnen Kies abgebaut, das in der Region zur Verwendung kommt. Die offene Grube umfasst 20 Hektaren, das gesamte Gebiet erstreckt sich über 33 Hektaren. Entnommen wird das Kies bis in 60 Meter Tiefe. Mit Baggern wird das Rohmaterial, ein Sand- und Kiesgemisch, abgebaut, mit Pneuladern zum Vorbrecher gefahren und anschliessend mit der Förderbandanlage in das ein Kilometer entfernte Kieswerk zur Weiterverarbeitung transportiert. Im Gegenzug wird die Grube mit sauberem Aushubmaterial wieder aufgefüllt. Stefan Nagel, Projektleiter Rohstoffsicherung, erklärt, dass das Aushubmaterial des neuen Fust-Gebäudes in Oberbüren nach Kirchberg gefahren wurde.

Staub und Lärm sollen in der Grube bleiben

Staub und Lärmimmissionen, das sind die Aspekte, die bei neuen Kiesabbau-Projekten oft zu einer ablehnenden Haltung der Bevölkerung führen. Wie neben anderen Punkten auch beim Projekt «Sonnenberg» in Niederwil. Damit der Staub und Dreck wenn immer möglich in der Grube bleibt, installierte Holcim in Kirchberg eine Radwaschanlage. Diese steht am Ausgang des Abbaugebietes und muss von allen Lastwagen benutzt werden.

Um Lärmimmissionen möglichst zu verhindern, wurde die Brecheranlage in der Kiesgrube in Kirchberg versenkt installiert. Bislang sei er nur einmal wegen störenden Lärms angesprochen worden, erklärt Brändle, wegen des Krächzen des Radlagers beim Pneulader während des Rückwärtsfahrens. «Dieses Geräusch ist eine Sicherheitsmassnahme», sagt er und er habe dies auch entsprechend erklären können. Brändle gibt zu verstehen, dass wegen all dieser Aspekte eine Kiesgrube nicht direkt angrenzend an ein Dorfzentrum betrieben werden kann.

Stefan Nagel gibt zu bedenken, dass eine Kiesgrube Staub, Dreck und Lärmimmissionen verursache, Kies allerdings ein gefragtes Produkt sei. «Wir leben damit, dass wir stets dazwischen stehen», so Nagel, «zwischen denen, die Kies brauchen und denen, die sich gegen eine Kiesgrube wehren.» Deshalb sei es dem Unternehmen wichtig, dass die Abbaugebiete nach der Auffüllung rekultiviert werden. Der Abbau, die Auffüllung und die Rekultivierung müssen zusammenspielen», erklärt Stefan Nagel. Je nach Projektauflage wird der Abbau und die Wiederauffüllung von einer Person vor Ort ökologisch begleitet.

Bedrohte Tierarten finden ein Zuhause

In Kirchberg ist es Bruno Schättin, der ebenfalls der Öko-Kommission der Gemeinde angehört. Schättin war es, der sich damals, vor mehr als 30 Jahren, als Förster und Gründungsmitglied des Naturschutzvereins Kirchberg gegen den Kiesabbau wehrte. Diesen Abbau letztlich nicht verhindern konnte, sich nun aber dafür einsetzt, dass das Gebiet künftig der Natur dienen wird. Während das von den Landwirten zur Verfügung gestellte Land wieder als Nutzland dient, werden die Flächen, die Holcim gehören, von Schättin als geeigneter Lebensraum für Tier- und Pflanzenarten gestaltet.

Noch ist der neu erstelle Weiher nicht gestaut. Er wird bald zum Laichplatz für Gelbbauchunken und Kreuzkröten.Noch ist der neu erstelle Weiher nicht gestaut. Er wird bald zum Laichplatz für Gelbbauchunken und Kreuzkröten.
Für die Uferschwalben wurde eine künstliche Sandlinse erstellt, die noch verlängert wird.Für die Uferschwalben wurde eine künstliche Sandlinse erstellt, die noch verlängert wird.
Im Schilfweiher haben die Frösche ihr Reich. Die Weiher hatten auch im vergangenen Sommer genügend Wasser.Im Schilfweiher haben die Frösche ihr Reich. Die Weiher hatten auch im vergangenen Sommer genügend Wasser.
Im 2018 lag das Maximum an nachgewiesenen Kreuzkröten bei 88 Exemplaren. (Bild: Esther Wullschleger Schättin)Im 2018 lag das Maximum an nachgewiesenen Kreuzkröten bei 88 Exemplaren.
(Bild: Esther Wullschleger Schättin)
Bruno Schättin und seine Frau zählten im Vorjahr 52 Gelbbauchunken. (Bild: Esther Wullschleger Schättin)Bruno Schättin und seine Frau zählten im Vorjahr 52 Gelbbauchunken.
(Bild: Esther Wullschleger Schättin)
5 Bilder

Amphibien in Kiesgrube

Er weiss, dass die Grube belebt ist – von vielen Amphibien in den spontan entstandenen Pfützen, vom Feldhase in der Tiefe der Grube oder von den Uferschwalben in den Sandlinsen einer steilen Kieswand. Im Vorjahr wurde mit der Umsetzung des Amphibienförderprojektes, das von einer Umweltingenieurin ausgearbeitet wurde, begonnen. Es wurden neue Weiher gestaltet, die mit einem einfachen System gestaut und abgelassen werden können und mit Strukturen versehen wurden.

Niederwil: 219 Einsprachen

Die Frist der öffentlichen Auflage des Projekts «Kiesabbau Sonnenberg» in Niederwil der Holcim Kies und Beton AG ist abgelaufen. Von ihrem Recht, Einsprache einzureichen, haben viele Personen Gebrauch gemacht. Es sind 219 Einsprachen beim Gemeinderat Oberbüren eingegangen.

Das Projekt wurde materiell, sprich inhaltlich, noch nicht im Detail geprüft. Der Gemeinderat wird diese Prüfung nun unter Berücksichtigung der Einsprachen sorgfältig vornehmen und eine Stellungnahme zuhanden des Kantons betreffend Bewilligungsfähigkeit abgeben. Wegen der hohen Zahl an eingegangenen Einsprachen wird dieses Verfahren wohl längere Zeit in Anspruch nehmen.

Auch besitzt die Gesuchstellerin (Holcim Kies und Beton AG) das Recht, zu den Einsprachen Stellung zu nehmen. Daraufhin werden die kantonalen Amtsstellen das Gesuch prüfen, Verfügungen in ihrem Zuständigkeitsbereich erlassen und eine verbindliche Stellungnahme an die Gemeinde erstellen.

Der Gemeinderat wird zu diesem Zeitpunkt einen Entscheid über das Gesuch und die Einsprachen fällen und die gesamten Unterlagen zur Genehmigung an den Kanton zurückgeben. Erst nachdem der Kanton die Genehmigung ausgestellt hat, wird der Entscheid über das Projekt und die Einsprachen eröffnet. (pd)

In diesem Gebiet haben bedrohte Tierarten wie die Kreuzkröte und die Gelbbauchunke ein Zuhause gefunden. Die Arbeiten führte Schättin selber aus, beanspruchte hin und wieder die Unterstützung von Holcim-Mitarbeitern. Schättin und seine Frau Esther Wullschleger Schättin, eine Zoologin, sind es auch, die das Leben der Tiere und Pflanzen in diesem Gebiet ständig verfolgen, die Zählung vornehmen und ihre Beobachtungen in einem Bericht dokumentieren.

Holcim kommt für die Kosten der ökologischen Begleitung auf. Gemäss Stefan Nagel liegt der Betrag für Kirchberg im fünfstelligen Bereich, nicht eingerechnet sind die Arbeiten, die das Personal vor Ort vornimmt. Die Kosten unterscheiden sich von Abbaugebiet zu Abbaugebiet, massgebend sind vor allem die Aktivitäten des Begleiters. Auch allgemein betrachtet ist er der Ansicht, dass die Abbaugebiete nicht miteinander verglichen werden können, da überall andere Gegebenheiten vorherrschen.

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