Amen zwischen Rohr und Blech

SCHWARZENBACH. Volle Festbänke statt leere Kirchenränge, Bratwurst und Bier statt heilige Kommunion. In der Werkstatt der M. Schönenberger AG feierten am Freitagabend über 70 Gläubige einen Gottesdienst der anderen Art.

Angelika Hardegger
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Eine ungewohnt einfache Umgebung für einen Gottesdienst: Die Werkstatt der Firma M. Schönenberger AG in Schwarzenbach. (Bild: Angelika Hardegger)

Eine ungewohnt einfache Umgebung für einen Gottesdienst: Die Werkstatt der Firma M. Schönenberger AG in Schwarzenbach. (Bild: Angelika Hardegger)

Ein gutes Dutzend Festbänke haben die Diakone Peter Schwager und Richard Böck aufgestellt an diesem Freitagabend. Kein einziger Platz bleibt unbesetzt. Zwischen Abkantmaschinen, Kupferrohr, Kreissäge und Schraubstock suchen sich die Gläubigen eine Sitzgelegenheit für die ökumenische Feier. Die Werkbank auf Rollen wird zum Altar umfunktioniert, die Diakone predigen für einmal nicht vor prachtvollen, bunten Glasmalereien, sondern vor fein säuberlich aufgehängten, ihrer Grösse nach einsortierten Schraubenschlüsseln, Zangen und Feilen. Einzig der in Werkstätten sonst so übliche Erotikkalender fehlt an diesem Abend in der Spenglerei.

Statt Kirche am Sonntag

Wenn die Leute nicht in die Kirche kommen, geht die Kirche zu den Leuten – das ist die Idee hinter den Werkstatt-Gottesdiensten. Man wolle den Glauben dort feiern, wo die Menschen arbeiten und leben, erklärt Peter Schwager von der St. Martin-Pfarrei. Zusammen mit Diakon Richard Böck von der evangelisch-reformierten Kirchgemeinde Oberuzwil-Jonschwil hatte er diese unkonventionelle Form der religiösen Feier vor zwei Jahren ins Leben gerufen.

«Die Kirchen entleeren sich tendenziell», sagt Peter Schwager. Mit dem Werkstatt-Gottesdienst wollten die Pfarreien die Menschen auf einer anderen Ebene ansprechen. Deshalb sei die Feier bewusst am Freitagabend angesetzt worden, ergänzt Richard Böck. «Mit dem Werkstatt-Gottesdienst holen wir Menschen ab, die mit dem Glauben und der Kirche sympathisieren, aber nicht am Sonntagmorgen in die Kirche gehen wollen», erklärt der Diakon.

Nicht abgehoben sein

Die klassische Liturgie sei vielen Menschen zu abgehoben. Oft hätten die Leute auch ein verzerrtes Bild von der Geistlichkeit. «Im Werkstatt-Gottesdienst können wir Berührungsängste abbauen und die Distanz zu den Gläubigen verringern – nur schon räumlich», schwärmt Böck. Dennoch würden auch kritische Stimmen gegenüber dieser Form des Gottesdienstes laut. «Es gibt bestimmt Gläubige in unserer Gemeinschaft, die eine solche Feier als unwürdig bezeichnen», sagt Schwager. Auch er wolle die Werte der Kirche bewahren. Diese aber müsse offen sein für neue Antworten auf die Herausforderungen der Zeit.

Bald Gottesdienst in der Beiz?

Der überkonfessionelle Versuch, die Kirche den Menschen in einem neuen Gewand näher zu bringen, scheint geglückt. Die halbjährlich stattfindenden Werkstatt-Gottesdienste ziehen jedenfalls seit Beginn viele Gläubige an. Sie sei das zweite Mal hier, erklärt eine Besucherin beim anschliessenden Bratwurstplausch. Es sei vor allem «das Einfache», das sie am Anlass schätze. Auch Vroni Steiner, Mitglied der evangelisch-reformierten Kirchgemeinde Jonschwil-Oberuzwil, lobt die Feier. «Ich glaube, dass der Mensch seinen Glauben und die Kirche überall leben kann», sagt sie.

Damit spricht sie den Diakonen Richard Böck und Peter Schwager wohl aus der Seele. Die beiden denken derweil bereits über neue Formen des Gottesdienstes ausserhalb der Kirche nach. Er könne sich zum Beispiel einen «Beizen-Gottesdienst» vorstellen, sagt Böck. «Dann würden wir in der Wirtschaft einen Gottesdienst feiern und anschliessend gemeinsam ein Bier trinken.»