Am Sommer im Feld in Flawil haben Schleiereulen gesungen

Bald ist der «Sommer im Feld» vorbei – der drittletzte Anlass musste ins Trockene gezügelt werden. Es spielten «Les Chouettes» mit der Flawilerin Miriam Sutter am Mikrofon.

Michael Hug
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«Schuwapp-du-wapp» – Miriam Sutter singt Refrains mit Bassist Baldur Stocker. (Bild: Michael Hug)

«Schuwapp-du-wapp» – Miriam Sutter singt Refrains mit Bassist Baldur Stocker. (Bild: Michael Hug)

Es war zwar abzusehen, doch man zögerte dennoch bis zum letzten Moment. Als die Künstler eintrafen am frühen Sonntagmorgen um Viertel nach Zehn, zwei Stunden vor dem Konzert, entschlossen sich die Verantwortlichen, den Anlass nicht im Freien abzuhalten.

Indoor statt Open Air – den Zuschauenden war’s recht. Es war dann doch etwas zu kühl unter der Zeltblache vor dem Haupteingang der Kirche, und vor allem: Es regnete. Und darum: «Stellt eure Anlage gleich im Foyer auf!» Man hatte ja diese Ausweichmöglichkeit mit dem Lindensaal, ansonsten hätte der drittletzte Anlass der «Sommer im Feld»-Serie abgesagt werden müssen.

Eulen zum Zmittag

«Les Chouettes», den Eulen – Nachttiere zwar, die aber mittags aufspielten – war’s auch recht. Jazz und Kälte verträgt sich nicht so richtig. «Les Chouettes», das ist die Band um die Neo-Flawilerin Miriam Sutter, die im Übrigen mit der hier ansässigen Lehrer- und Künstlerfamilie nicht verwandt ist.

Miriam Sutter ist Leaderin und Sängerin der Band mit Baldur Stocker am Kontrabass, Mario Castelberg an der Gitarre, Drazen Gvozdenovic am Akkordeon und Carlo Lorenzi am Schlagzeug. Das Quintett spielt klassische Jazzsongs aus den 20er- bis 50er-Jahren des letzten Jahrhunderts. Also mitunter ein Dreivierteljahrhundert alte Melodien, die noch immer verfangen, noch immer zeitgemäss tönen und vor allem eines sind: wunderschön.

Vergessene Songs aus der Mottenkiste geholt

«I don’t know» (1959, Bobby Stevenson/Brook Benton) ist so ein Song. Bekannt wurde er vor genau 60 Jahren durch Ruth Brown, heute ist er vergessen. Sutter holte Songs wie diesen aus der Mottenkiste und gibt ihnen mit ihrer eindrücklichen Stimme einen ganz neuen Drive. Oder «I’ve seen that face before», ein Tango eigentlich, dessen Melodie fast jeder und jede kennt, aber vielleicht nicht so recht einzuordnen weiss. Das wundert nicht, denn ursprünglich wurde dieser Tango-Nuevo-Klassiker ohne Text geschrieben und hiess schlicht «Libertango» (1974, Astor Piazzolla).

«Hallelujah (I Love Her So)» kennt eigentlich auch jeder und jede. Nur: Wer war’s? Ray Charles war’s, 1956 war’s. Und so bewegten und wanden sich Mirjam Sutter und ihre vier Männer durch die Stile und Epochen des Jazz aus der Mitte des 20. Jahrhunderts. Am Schluss gab’s vor der Bühne ein Tänzchen mit der Tochter. Die Gelegenheit liessen sich auch ein paar Zuschauer nicht entgehen.

Der drittletzte Anlass

Der Auftritt der «Les Chouettes» war der drittletzte einer langen Anlassserie bei «Sommer im Feld». Die Reformierte Kirchgemeinde lancierte damit ein Mitmach-Projekt für alle, unabhängig von Alter, Herkunft und Glauben. Drei Monate lang fanden fast täglich Anlässe mit Beteiligung der einheimischen Vereine und Künstlern statt. Die Kirchgemeinde meint: «Das Projekt wird wichtige Aufschlüsse darüber geben, welche Begegnungsmöglichkeiten die evangelische Kirchgemeinde Flawil in Zukunft anbieten soll.»

Ob der Sommer im Feld im nächsten Jahr wieder stattfinden wird, bleibt noch offen. Die beiden letzten Anlässe finden am 12. und 13. September statt.