Am Rande

Ein Zeitzeuge verschwindet «Die stinkende Uze» nannte sich vor vielen Jahren eine Gazette, die jeweils zur Fasnachtszeit das Gebaren des emsigen Volkes am Dorfbach auf die Schippe nahm. Tatsächlich nahm man es früher mit dem Schutz der Gewässer nicht so genau.

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Ein Zeitzeuge verschwindet

«Die stinkende Uze» nannte sich vor vielen Jahren eine Gazette, die jeweils zur Fasnachtszeit das Gebaren des emsigen Volkes am Dorfbach auf die Schippe nahm. Tatsächlich nahm man es früher mit dem Schutz der Gewässer nicht so genau. Die Gerberei liess ihre Abwässer ebenso ungehindert in die Uze abfliessen wie die Färberei Heer. So dass sich der Dorfbach jeweils in den verschiedensten Farben präsentierte.

Diese Zeiten gehören längst der Vergangenheit an. Die Firma Heer, einst eine der wichtigsten wirtschaftlichen Faktoren in der Gemeinde Oberuzwil, welche in ihrer Hochblüte mehrere hundert Mitarbeiter beschäftigte, musste vor elf Jahren ihren Betrieb einstellen. Die Textilindustrie litt schon immer als Erste unter konjunkturellen Schwankungen. Und daran hat sich bis heute nichts geändert.

Die Gebäude beim Bahnviadukt, exakt an der Grenze zu Uzwil gelegen, wurden zuletzt von verschiedenen Kleinunternehmern genutzt. Sie dienten ihnen als Lager oder Werkstatt. Aber auch kulturelle Veranstaltungen fanden Platz in den alten Gemäuern, wo Besucher ein besonderes, unvergleichliches Ambiente vorfanden.

All dies wird bald nur noch Geschichte sein. Haben sich doch Investoren gefunden. Diese sind gewillt, mehrere Wohnhäuser zu errichten. Entgegen den ursprünglichen Plänen hat das zur Folge, dass sämtliche Fabrikgebäude abgerissen werden müssen. Unter ihnen der Kamin, der noch immer stolz in den Himmel ragt und eine Art Wahrzeichen darstellt. Um ihn aus dem Altlastenkataster zu befreien, wären Sanierungsarbeiten nötig, die Unsummen an Geld verschlingen würden. Auch Abbruch und Entsorgung werden aufwendig und kostspielig genug sein. Und so ist das Ende des Kamins nicht mehr abzuwenden. Das ist zu bedauern. Verschwindet doch damit auch ein Zeitzeuge und ein Wahrzeichen Oberuzwils von der Bildfläche. Philipp Stutz

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