Am Ende zwei verlorene Punkte

In der 2. Liga sieht Flawil im Heimspiel gegen Herisau wie der sichere Sieger aus. 94 Spielminuten sind absolviert, ehe ein fragwürdiger Schiedsrichterentscheid die Untertoggenburger um die sicher geglaubten drei Punkte bringt.

David Metzger
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Flawil und Jose Pires (rechts) entschied sich, die Partie gegen Herisau auf dem Kunstrasen durchzuführen. Die Massnahme ging nur bedingt auf. (Bild: David Metzger)

Flawil und Jose Pires (rechts) entschied sich, die Partie gegen Herisau auf dem Kunstrasen durchzuführen. Die Massnahme ging nur bedingt auf. (Bild: David Metzger)

FUSSBALL. Es lief bereits die 94. Spielminute, als Flawil-Torhüter Ramon Bühler nochmals sein ganzes Können demonstrierte, eine letzte Hereingabe der Herisauer Offensive in den Flawiler Strafraum stilsicher herunterpflückte und den Ball zwischen sich und seinen Torhüterhandschuhen begrub. Flawil führte zu diesem Zeitpunkt des Spieles mit 1:0 und es schien, als dürfte das Heimteam nach dieser Intervention ihres Schlussmannes in wenigen Augenblicken den zweiten Saisonsieg bejubeln.

Harter Entscheid

Doch da legte Schiedsrichter Stefan Scherrer sein Veto ein. Als Ramon Bühler Sekunden später zum Abschlag ausholte, um den Ball so weit wie möglich aus der gefährlichen Zone wegzuspedieren, ertönte die Trillerpfeife. «Ich dachte zuerst, der Schiedsrichter würde ein Stürmerfoul meines Spielers am Torhüter taxieren», zeigte sich Herisau-Trainer Fabinho De Souza überrascht. «Erst beim zweiten Blick wurde mir klar, dass der Referee einen anderen Entscheid gefällt hatte». Zeitspiel nämlich soll es gewesen sein. Zum Entsetzen der Flawiler Spieler und deren Anhang. Laut dem Schiedsrichter hielt Ramon Bühler den Ball länger als die erlaubten sechs Sekunden in seinen Händen und verzögerte somit das Spiel. Ein sehr harter und letztlich verhängnisvoller Entscheid, den Schiedsrichter Scherrer fällte: Denn den darauffolgenden Freistoss aus 15 Metern versenkten die Appenzeller souverän zum schmeichelhaften 1:1-Unentschieden. Danach war die Begegnung beendet und Flawil bedient. Schiedsrichter Scherrer durfte sich bei seinem Gang in die Garderobe vom Flawiler Anhang mächtig was anhören. Der FC Flawil konnte sich mit dem Schiedsrichterentscheid nur schwer abfinden, was gewissermassen verständlich ist, war das ganze doch sehr kleinlich gepfiffen.

Gute Leistung

Leider ging im ganzen Tohuwabohu nach Spielschluss unter, dass Flawil eine sehr gute Leistung abrief. «Die beste Leistung in der 2. Liga bisher», wenn es nach Trainer Domenico Esposito geht. Seine Schützlinge machten vieles richtig, agierten praktisch fehlerlos und riefen auch die zuletzt oft vermisste Konzentration ab. Trotzdem gewann man am Ende nur einen Punkt. «Das Spiel so noch aus den Händen zu geben, ist extrem bitter und ärgerlich», fasste Esposito seine Gefühlslage nach dieser hoch emotionalen Schlussphase zusammen. «Ich hoffe, wir müssen diesen zwei Punkten, welche für uns eminent wichtig gewesen wären, am Saisonende nicht noch irgendwann einmal nachtrauern», so der Trainer weiter. Nichtsdestotrotz dürften die Flawiler für die kommenden Spiele viel Moral getankt haben. Der FC Flawil zeigte sich über die vollen 90 Minuten aktiver als die Gäste aus Herisau und stand dem Sieg näher. Folgerichtig belohnten sich die Platzherren in der 81. Spielminute, als der erst 17jährige Ensar Hajrovic eine tolle Ballstafette zum 1:0 verwertete. Nach dem Führungstreffer blieb der FC Flawil ruhig und sah sich kaum bedrängt. Die Herisauer erweckten nicht den Eindruck, das Spiel auf Teufel komm raus noch kehren zu wollen. Und dennoch muss Flawil am Ende – aufgrund eines zweifelhaften Entscheides des Unparteiischen – mit nur einem Punkt vorliebnehmen.