Altes erstrahlt in neuem Glanz

Die evangelische Kirche Ganterschwil zeigt sich nach längeren Renovationsarbeiten für die Kirchgemeinde und die Ganterschwiler Bevölkerung in neuem Glanz. Zifferblatt und Zeiger der alten Turmuhr wurden fachmännisch erneuert. Gefunden wurde das in Vergessenheit geratene alte Uhrwerk.

Peter Küpfer
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Das historische alte Uhrwerk aus dem Jahr 1522. (Bilder: pd)

Das historische alte Uhrwerk aus dem Jahr 1522. (Bilder: pd)

GANTERSCHWIL. Es waren einige Wochen, in denen der alte Turm der evangelischen Kirche Ganterschwil durch das aufwendige Baugerüst und Schutzfolien verdeckt war. Wetter und Abnützung hatten vor allem dem oberen Bereich des Turmes mit seiner Turmuhr aus dem 16. Jahrhundert zugesetzt. Der Farbauftrag auf dem hölzernen Zifferblatt blätterte stellenweise oder zeigte blanke Stellen, die vergoldeten Zeiger waren matt und stellenweise abgeschossen – Umstände, die eine fachgerechte Instandsetzung unausweichlich machten. Bereits im Frühjahr wurden der alte Kirchturm mit einem mehrstöckigen Gerüst umgeben und die ersten Renovationsarbeiten ausgeführt. Das hölzerne Zifferblatt musste zum Zweck seiner Sanierung abgebaut und auf allen vier Turmseiten neu bemalt werden.

Rund um die vergoldeten Zeiger

Die langen und schweren Zeiger der Turmuhr wurden ausgebaut und in den Ateliers einer dafür spezialisierten Firma erneuert. Der alte Belag musste schonend entfernt, alle acht Zeiger neu grundiert werden. Besondere Sorgfalt verlangte die hauchdünne Neuauftragung mit der sogenannten Mixtion. Da ist eigentliche Handwerkskunst gefragt zum Erreichen des gewünschten Glanzgrades des Goldes. Zuletzt wurde das kostbare Blattgold mit einem Dachshaarpinsel vorsichtig eingekehrt. Die fertigen Zeiger wurden mittels eines Aufzugs einzeln hochgehoben und neu mit der Mechanik verankert. Wie Enzo Fuschini, Präsident der Kirchenvorsteherschaft, welcher die Renovationsarbeiten von nahe begleitete, ausführte, stiess er bei den Besichtigungen am Turm auch auf das von vielen fast vergessene historische Uhrwerk der alten Turmuhr. Es befindet sich, behelfsmässig geschützt, in einem Holzkasten auf dem Kirchturm, wo es während Jahrhunderten die Zeitanzeige mechanisch am Leben erhielt. Die schweren Gewichte mussten damals täglich mit dem Einsatz der eigenen Körperkraft aufgezogen werden. Das alte Uhrwerk ist eine seltene Kostbarkeit, von denen es in der Schweiz nur noch ganz wenige gibt. Es stammt aus dem Jahr 1522 und wurde von dem nach Zürich ausgewanderten schwäbischen Turmuhr-Mechaniker Hans Luter gefertigt. Aus seiner Werkstatt stammt auch das Uhrwerk der Riesenuhr der Kirche St. Peter in Zürich. «Es wäre an der Zeit, dass diese Kostbarkeit aus ihrem Schattendasein im Turm zu Ganterschwil herauskäme und der Öffentlichkeit in einem entsprechenden Rahmen zugänglich gemacht würde», sagt Fuschini.

Weitere Instandsetzungen

Mit den Renovationsarbeiten der Turmuhr wurden auch weitere notwendige Arbeiten ausgeführt. Vor dem Portal wurden die ausgetretenen Sandsteinplatten erneuert. Die Aufgangstreppe zur Kirche erhielt ein neues Eisengeländer. Auf ihrer ganzen Länge wurden die Deckplatten der Mauer erneuert. Insgesamt erstrahlt die Ganterschwiler Kirche, die zum Inventar der kulturell bedeutenden Bauten des Kantons gehört, nun wieder in neuem Glanz: würdiger Rahmen für das schöne, stimmungsvolle Innenleben der alten Kirche, deren mittelalterliche Fresken von 1438 zur Leidensgeschichte Jesu von grosser kunsthistorischer Bedeutung sind. «Es hat etwas gedauert», sagt Fuschini, «aber die Geduld hat sich gelohnt.»

Der Turm mit restauriertem Zifferblatt, Ziffern und Zeigern.

Der Turm mit restauriertem Zifferblatt, Ziffern und Zeigern.