Alte Werte anstelle neuer Gesetze

Die Raiffeisenbank Flawil-Degersheim-Mogelsberg-Oberuzwil arbeitete 2012 produktiver und kostengünstiger. Jetzt freut sie sich auf den Einzug in den Neubau. An der 79. Generalversammlung wurde vor allem viel gelacht – gewollt und ungewollt.

Mario Fuchs
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Asynchron und deshalb lustig: Starbugs aus Bern eröffneten die Generalversammlung. Kultur liegt der Raiffeisenbank am Herzen: Im vergangenen Jahr unterstützte sie Vereine und Veranstaltungen mit 190 000 Franken. 2013 werde das Budget gar noch aufgestockt, hiess es. (Bild: mf.)

Asynchron und deshalb lustig: Starbugs aus Bern eröffneten die Generalversammlung. Kultur liegt der Raiffeisenbank am Herzen: Im vergangenen Jahr unterstützte sie Vereine und Veranstaltungen mit 190 000 Franken. 2013 werde das Budget gar noch aufgestockt, hiess es. (Bild: mf.)

OBERUZWIL/DEGERSHEIM. 2000 Genossenschafterinnen und Genossenschafter, 41 Restaurants, 20 Cars, zwei Mehrzweckhallen: Seit es zwischen dem Neckertal und dem Bettenauer Weiher nur noch eine Raiffeisenbank gibt, ist die Generalversammlung eine organisatorische und logistische Meisterleistung. Und auch technisch nicht ganz ohne. Sollte doch etwa die Wahl des Verwaltungsrats gleichzeitig stattfinden, um die Resultate austauschen und deren Rechtsgültigkeit sicherstellen zu können, wie Verwaltungsratspräsident Christoph Brunner in seiner Begrüssung in der Oberuzwiler Breiti-Halle erklärte.

Nicht erklären mussten sich die drei Herren, die zuerst die Bühne für den Show-Auftakt betraten. Starbugs aus Bern brauchen keine Worte – und hinterlassen trotzdem grosses Gelächter. Das Trio macht Breakdance, akrobatischen Hip-Hop-Tanz. Aber: Es weiss, dass man sich nicht Breakdance-Gruppe nennen sollte, wenn Breakdance nicht das ist, was man am besten kann. So wirbeln Starbugs bewusst asynchron und fehlerhaft über die Bühne. Lustig statt perfekt. Die Zuschauenden waren jetzt gelockert. Das bewies VR-Präsident Christoph Brunner. Er fuhr fort: «Zum zweitenmal findet die Generalversammlung an zwei Standorten, in Oberuzwil und Degersheim, statt. Das hat sich bestens bewährt…» – dann war der Ton weg. Unter erfreuten Pfiffen der Damen im Saal entledigte er sich kurzerhand seines Jacketts, um das Funkmikrophon vom Techniker austauschen zu lassen.

Wertediskussion unausweichlich

Dann aber wurde es ernst. Nach einem kurzen Rückblick aufs 2012, in dem Europa «haarscharf an einem Bankenkollaps vorbeigeschrammt» sei und in dem «die Abzockerei ein Gesicht erhalten» habe, war es Christoph Brunner – trotz erneut sehr gutem Geschäftsergebnis seiner Bank – nicht nur um eine feierliche Lobrede zumute. Er überraschte mit einem Plädoyer zum Thema Werte. «Gerade in der Bankenwelt ist die Anzahl Regelungen in den letzten drei Jahren verdreifacht worden. Offensichtlich reicht dies aber nicht aus, um zu verhindern, dass ein Mitarbeiter Milliarden verspekulieren kann und sich keiner Schuld bewusst ist.» Wo ständig mit Geld gearbeitet werde, sei es wichtig, dass alle Mitarbeitenden sich auf ein starkes, eigenes Wertesystem verlassen können. «Tugenden wie Respekt, Fleiss, Fairness, Hilfsbereitschaft, Ehrgeiz, Mässigung sollten den Platz von noch mehr Gesetzen und Regeln einnehmen», sagte Brunner. Eine Wertediskussion sei zwar «hart und vielleicht auch unbequem», aber es führe kein Weg an ihr vorbei. Bei Raiffeisen trafen sich dafür kürzlich alle 300 Präsidenten und Bankleiter.

Verwaltungsrat ausgezeichnet

Dann kamen Roland Klotz und die Zahlen an die Reihe. Der Vorsitzende der Bankleitung freute sich, 2012 «alle gesteckten Ziele erreicht» zu haben. Vor allem die hohe Nachfrage nach Wohnbaufinanzierungen habe die Bilanzsumme um 40 Mio. Franken oder 5 Prozent auf 835 Mio. Franken ansteigen lassen. Die Kundengelder wuchsen um 7 Prozent auf 626 Mio. Franken. Die vereinigte Bank hat nicht nur gut geschäftet, sondern sich auch gut organisiert: Der Geschäftsaufwand wurde um 9 Prozent gesenkt. Und: «Unsere interne Produktivität liegt 18 Prozent höher als der Raiffeisen-Schnitt», verkündete Roland Klotz stolz. Auch der Verwaltungsrat hat optimiert – und wurde dafür als erster von Raiffeisen Schweiz überhaupt mit dem Label «SQS Best Board Practice» der Organisation Corporate Governance ausgezeichnet.

In jenem Verwaltungsrat sitzt seit Samstag zudem ein neues Mitglied: Der Flawiler Unternehmer Daniel Winteler, Geschäftsführer und Inhaber der Zimmerei-Schreinerei Bühler + Winteler AG und der Zimmerei Abbund AG in Schwarzenbach sowie Vorstandsmitglied des Gewerbevereins Flawil. Er ersetzt Max Brosi, Mogelsberg, der dem Rat 29 Jahre angehört hatte. Ebenfalls zurückgetreten ist Toni Lee, Degersheim, nach sieben Amtsjahren. Das Gremium wurde um einen Sitz verkleinert.

Publikum am 14.9. im Neubau

Dann waren – sogar fast gleichzeitig in der Steinegg und in der Breiti – alle Traktanden abgehakt. Vor den Hallen standen 20 Busse bereit, um die 2000 Genossenschafterinnen und Genossenschafter zum Nachtessen in 41 Restaurants auszufahren. In den eigenen vier Wänden wird die Bank ihre treusten Kunden am 14. September begrüssen: Dann wird der Neubau in Flawil eingeweiht.

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