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Alte Tierfotografien eines Wolfertswiler machen deutlich: Wildtiere ziehen sich immer mehr zurück

Die Fotografien von Norbert Weishaupt zeugen davon, wie sich der Lebensraum von Wildtieren verändert hat. Der Mensch ist daran nicht unschuldig.
Tobias Söldi
Wie gestellt: Drei junge Füchse bei Wolfertswil, die Norbert Weishaupt 1984 vor die Linse gekommen sind. (Bilder: Norbert Weishaupt)

Wie gestellt: Drei junge Füchse bei Wolfertswil, die Norbert Weishaupt 1984 vor die Linse gekommen sind. (Bilder: Norbert Weishaupt)

Es gab Wochenenden vor 40, 50 Jahren, da war Norbert Weishaupt früh auf den Beinen. Manchmal stand der Wolfertswiler um halb fünf auf und machte sich auf in die Wälder und Wiesen in der Region. Dort wartete er auf wilde Tiere, stundenlang manchmal. Weishaupt fotografierte mit Leidenschaft das Wildleben der Region: Käuze, Rehe, Murmeltiere, Füchse, Dachse, Eichhörnchen, Marder und viele andere Tiere kamen ihm vor die Linse.

Norbert Weishaupt, Pensionär

Norbert Weishaupt, Pensionär

Gut erinnert sich der heute 83-Jährige daran, wie er einmal mehrere junge Füchse zu sehen bekam, das erste Mal passenderweise im Fuchsloch bei Wolfertswil. «Da war ich im siebten Himmel», sagt der Pensionär. Auf eine Aufnahme ist er besonders stolz. Sie zeigt drei junge Füchse, die in drei verschiedene Richtungen blicken. «Als ob man sie so hingestellt hätte.»

3 Bilder

Tierfotografien

Zu viel Rummel für manch ein Tier

Oft war es auch so, dass er den Tieren ganz zufällig über den Weg gelaufen ist. «Ich hatte die Augen und Ohren immer offen gehalten. Wenn man aufmerksam ist, hört und sieht man im Wald sehr viel.» Das, davon ist Weishaupt überzeugt, war damals einfacher als heute. «Wenn ich heute durch den Wald spaziere, dann sehe ich viel weniger Tiere.»

Fritz Eggenberger, Jagdleiter bei der Jagdgesellschaft Flawil, bestätigt diesen Eindruck. Er erklärt:

«Die Menschen dringen immer mehr in den Lebensraum der Tiere ein.»

Spaziergänger, Mountainbiker, Reiter, Sportler, Pilzsammler – für manches Tier herrscht da schlicht zu viel Rummel. «Und Richtung Säntis werden Hirsche und Steinböcke von Fallschirmspringern und Deltaseglern gestört.» Auch die Verkehrsdichte habe in den vergangenen 30 Jahren massiv zugenommen. «Es gibt viel mehr überfahrene Rehe als früher.»

Auf der Suche nach ruhigem Lebensraum

Das alles führt dazu, dass sich viele Tiere, etwa Rehe, aufmachen und neue, geschützte Plätze suchen. Sie sind immer seltener zu sehen. Kulturfolger wie der Dachs oder der Fuchs hingegen wagen sich auf der Suche nach einem ruhigen Lebensraum auch in Wohngebiete vor, etwa solche am Waldrand.

«Hier finden sie die nötige Ruhe für die Aufzucht ihrer Jungen. Ausserdem ist das Nahrungsangebot ausreichend.»

Doch nicht nur der Mensch ist verantwortlich für den Rückzug vieler Arten. Einen weiteren Grund stellen Raubtiere wie der Luchs dar, auf dessen Speiseplan auch Rehe stehen.

«Die Tiere werden scheuer. Tagsüber verstecken sie sich an einem geschützten Ort, nur während der Nacht werden sie aktiver.»

So sind Norbert Weishaupts Aufnahmen nicht nur gelungene Schnappschüsse, sondern auch Zeitdokumente: Sie zeigen eindrücklich, wie sich die Wildtiere in den vergangenen Jahrzehnten immer mehr zurückgezogen haben – nicht nur, aber auch wegen der Menschen.

Den Tieren ihren Rückzugsraum lassen

Wie lässt sich dieser Interessenskonflikt zwischen Mensch und Tier lösen, wie der Wald als Lebensraum für die einen und als Freizeitraum für die anderen nutzen? Grundsätzlich gelte es, sich an die Regeln zu halten, so Fritz Eggenberger. Konkret bedeutet das: auf den Wegen bleiben statt durch das Unterholz zu streifen; die Wildruhezonen nicht betreten; den Tieren ihre Rückzugsorte lassen. «Dann würden wir wieder vermehrt Tiere sehen.»

Mountainbiker etwa, die abseits der offiziellen Wege unterwegs sind, abrupt auftauchen und wieder verschwinden scheuchten Tiere auf, erklärt Eggenberger. Es gäbe auch immer wieder Pilzsammler, die beim Sammeln ungewollt in den Lebensraum der Tiere eindringen. «Es ist wichtig, auf den vorgeschriebenen Wegen zu bleiben.» Als Spaziergänger hingegen muss man sich weniger Gedanken machen. «Die Tiere hören Spaziergänger kommen, wenn sie miteinander reden. Ausserdem sind sie langsam unterwegs», sagt Eggenberger.

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