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Alte Spiele als neuer Trend: Ludotheken rüsten sich für die digitale Zukunft

Smartphones und Co. mögen Kinder in ihren Bann ziehen, doch was ist mit dem guten alten Monopoly? In den regionalen Ludotheken macht man sich über das veränderte Spielverhalten keine Sorgen.
Joëlle Ehrle
Der Griff zum Spiel: Ludotheken in der Region sehen dies gerne und auch im digitalen Zeitalter wird dieser nicht seltener. (Bild: Reto Martin)

Der Griff zum Spiel: Ludotheken in der Region sehen dies gerne und auch im digitalen Zeitalter wird dieser nicht seltener. (Bild: Reto Martin)

Virtual Reality, Computerspiele, Drohnen – dies scheinen Interessen zu sein, an denen sich zunehmend mehr Menschen, Jung und Alt, in puncto Freizeitgestaltung orientieren. Aber nicht jeder und jede möchte auf den Zug der Zukunft aufspringen, betont Simone Hugentobler, Präsidentin der Ludothek Flawil. Ein Spieleabend unter Freunden beispielsweise gewinnt auch in Zeiten des Smartphones immer mehr an Beliebtheit. Es sich in der grauen Winterzeit mit einem Gesellschaftsspiel um den Esstisch gemütlich zu machen wird zunehmend als populärer Zeitvertreib gewertet – vermehrt auch von jungen Erwachsenen.

Am gefragtesten sind nicht unbedingt die neusten Veröffentlichungen: Grösstenteils sind es die allseits bekannten Spiele, die Anklang finden. «Viele fühlen sich durch ein Spiel in ihre Kindheit zurückversetzt. Es hat viel mit Nostalgie zu tun», sagt Simone Hugentobler und fügt hinzu: «Früher hatten Brettspiele ein verstaubtes Image, heute geniessen sie wieder einen höheren sozialen Stellenwert.» Das war nicht immer so: «Klassiker wie ‹Eile mit Weile› waren über relativ lange Zeit nicht einmal mehr in unserem Sortiment vertreten, weil schlicht die Nachfrage fehlte.» Seit der Wiederaufnahme ins Angebot sei das Spiel aber des Öfteren vergriffen.

Familien und Lehrer sind gute Kunden

2018 gingen in der Ludothek Flawil rund 6000 Spiele und Spielzeuge über den Ladentisch. Jedes Produkt wurde im Jahr zirka dreimal ausgeborgt. Auch in Degersheim und Oberuzwil freute man sich im vergangenen Jahr über viele Ausleihungen. Im elektronischen Bereich werde laut Simone Hugentobler nach wie vor die Ausleihe von CDs und Hörspielen sowie Nintendo- und Wii-Spielen geschätzt. «Im Frühjahr florieren hingegen besonders Spielzeuge für Kleinkinder, Rutschautos oder Dreiräder.»

«Ludotheken spielen auch in Zukunft eine Rolle.»

Marianne Hälg, Gesamtleiterin Bibliothek und Ludothek Degersheim

Marianne Hälg, Gesamtleiterin Bibliothek und Ludothek Degersheim

Seit eh und je wird der Besitz auf Zeit von derartigen Produkten hauptsächlich von Müttern und Lehrpersonen, die einen grossen Teil der Kundschaft bilden, geschätzt. Dass man nämlich nicht immer alles besitzen soll, muss und kann, wird von den Verleihorganisationen seit jeher befürwortet. Denn vielfach sind Spielwaren für kurze Zeit ‹lässig›, aber schon wenig später werden sie links liegen gelassen. Deswegen sind Anschaffungen haufenweiser, teils teurer, Spielwaren für Familien vielfach nicht lohnenswert.

Ausgemustertes landet auf dem Flohmarkt

Einer der wichtigsten Leitsätze bei den Ludotheken besteht in der laufenden Anpassung des Sortiments und der daraus resultierenden Frage, welche Medien man aufgrund spärlicher Nachfrage zu Jahresende aus der Sammlung wirft oder gar liquidiert. So wurden im vergangenen Jahr in Flawil ausgemusterte Exemplare auf dem Flohmarkt verkauft, im Gegenzug dann aber Neuerscheinungen getestet und in den Bestand aufgenommen.

In Oberuzwil, wo Hanna Winiger Vorstandsmitglied der örtlichen Ludothek ist, wurden im vergangenen Jahr rund 200 neue Artikel angeschafft. Überdies nehmen Ludotheken jährlich einige tausend Franken in die Hand, mehrheitlich um Reparaturen vorzunehmen oder Ersatzteile nachzubestellen. «Besonders bei Playmobil-Spielsachen gehen winzige Kleinteile schnell verloren», weiss Simone Hugentobler.

Keine Angst vor der Konkurrenz

Auf die Frage, ob die Zukunft der Ludotheken aufgrund wachsender Interessen etwa an der neusten Unterhaltungselektronik in Gefahr sein könnte, entgegnet Hanna Winiger, dass man in Oberuzwil keine Angst vor Rivalität habe: «Der technologische Wandel stellte bislang keine Konkurrenz für uns dar.»

In den Ludotheken anderer Gemeinden sieht man die Sache ähnlich. Marianne Hälg, Gesamtleiterin der Bibliothek Ludothek Degersheim, meint dazu jedoch: «Die Interessen und der Zeitgeschmack verändern sich zweifellos. Das heisst unter anderem auch, dass man der Bevölkerung die Vielfältigkeit der Spielewelt vermehrt schmackhaft machen muss.»

Spielabende für Kinder und Erwachsene

In dem Zusammenhang spricht sie besonders die Rolle der Eltern in der Kindererziehung an. «Erziehungsberechtigte sollten ihren Sprösslingen vermehrt auch physische Spiele näherbringen. Selbstverständlich versuchen wir, sie dabei zu unterstützen.» Viele Ludotheken bieten daher Spielabende für Erwachsene und Kinder an, in denen auf Neuzugänge von Spielen aufmerksam gemacht wird.

Der grosse Aufwand, den Ludotheken jährlich betreiben, ist folglich nicht vergeblich und lohnt sich: «Unsere Kunden sind uns für unsere Sortimentsauswahl sehr dankbar», sagt Marianne Hälg und ist überzeugt: «Ludotheken werden auch in Zukunft eine Rolle spielen.

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