Alte Sorgen bei neuem Reglement: Raumfrage für Wiler Vereine gibt weiter zu reden

Seit gestern gilt die überarbeitete Version des Reglements für die Benutzung von Schul- und Sportanlagen. Während der Stadtrat darin eine Verbesserung sieht, bestehen weiterhin Zweifel am Nutzen für die Vereine.

Gianni Amstutz
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Auch während Ferien und an Wochenenden können die Handballerinnen des KTV Wil nun auf Torejagd gehen. (Bild: PD)

Auch während Ferien und an Wochenenden können die Handballerinnen des KTV Wil nun auf Torejagd gehen. (Bild: PD)

Das Reglement über die Benutzung der Schul- und Sportanlagen ist in der Stadt Wil seit Inkrafttreten im Dezember 2016 ein stetiger Streitpunkt. Stadtparlamentarier verschiedener politischer Lager von links bis rechts haben seither Vorstösse dazu eingereicht. SVP-Stadtparlamentarierin Usula Egli sprach in ihrer Interpellation in diesem Zusammenhang von einem «Unmuterzeuger», Ratskollege Marcel Malgaroli von der FDP bemängelte die Untätigkeit des Stadtrats in dieser Frage.

Nutzerfreundlichkeit erhöht

Doch nun hat der Stadtrat reagiert. Seit gestern ist ein geändertes Reglement in Kraft. Dieses soll den Vereinen eine flexiblere Nutzung der Schul- und Sportanlagen ermöglichen, verspricht die Regierung. Betrachtet man das neue Reglement, fallen nur wenige Unterschiede auf.

Die Schliesszeiten während Schulferien und Wochenenden wurde gelockert. Dies wird bereits seit Jahresbeginn so angewendet, nun sind die Öffnungszeiten auch im Reglement verankert. Zudem stehen samstags die zwei Einzelhallen Matt und Sonnenhof zwischen 8 und 18 Uhr auch für wiederkehrende Belegungen offen.

Weiter wurde die Liste der verfügbaren Räume um Kulturlokale ergänzt. Dabei handle es sich in erster Linie um Schulräume, sagt Philipp Gemperle, Leiter Kommunikation. Diese könnten zwar nicht über das Reservationssystem gebucht werden, böten jedoch bei Bedarf flexible und kurzfristige Lösungen. Eine Revolution ist das geänderte Reglement wahrlich nicht, die Neuerungen liegen im Detail.

Generell sei die Nutzerfreundlichkeit gesteigert worden. Die Anfagsschwierigkeiten der Reservationsstelle seien überwunden, das System habe sich eingependelt. Die Aufgabe sei auf mehrere Personen verteilt worden, so dass fast durchgehend jemand erreichbar sei, sagt Philipp Gemperle.

Neue Probleme befürchtet

Ursula Egli, die im Stadtparlament als Kritikerin des Reglements auftrat, steht den Anpassungen im Reglement skeptisch gegenüber. «Ich bin mit den Änderungen nicht zufrieden.» Denn einige neue Artikel könnten den Vereinen zusätzlichen Ärger bringen, anstatt deren Probleme zu lösen, befürchtet sie.

Als Beispiel nennt sie die Regel, dass Bewilligungsgesuche, für die keine Auflagen notwendig sind, mindestens 16 Tage im Voraus angemeldet werden müssen. Mit dieser fixen Frist würden spontane Buchungen verunmöglicht, selbst wenn die Räume noch frei wären.

Ein weiterer hinzugefügter Artikel, den Ursula Egli kritisch betrachtet, besagt, dass der zuständige Abwart bei einem Anlass mit erhöhtem Risiko für Beschädigung der Bodenbeläge über den Einsatz einer Bodenabdeckung entscheidet. Das bedeute für die Vereine letztlich vor allem zusätzliche Kosten, sagt Egli. Dass der Entscheid vom Hauswart und nicht etwa der Amtsstelle getroffen werde, sei untragbar. «Das ist doch Willkür par Excellence.»

Sie werde in den nächsten Wochen das Gespräch mit Vereinsvertretern suchen, um ihre Meinung zum überarbeiteten Reglement einzuholen.