Alte Schriften kennengelernt

Für die Schweizer Erzählnacht hat sich das initiative Team der Gemeindebibliothek etwas Besonderes einfallen lassen: Die Kalligraphin Herta Spiegel zeigte die Vielfalt der Schriftzeichen auf.

Kathrin Meier-Gross
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Gut 40 Kinder und 20 Erwachsene liessen sich von Herta Spiegel in die Vielzahl der Schriften einführen. (Bild: kmg.)

Gut 40 Kinder und 20 Erwachsene liessen sich von Herta Spiegel in die Vielzahl der Schriften einführen. (Bild: kmg.)

UZWIL. Als jemand, der wirklich schön schreiben kann, beschrieb Bibliotheksleiterin Käthi Immoos die Frau, die sich gleich selber schriftlich vorstellte: Herta Spiegel. Spiegel in Spiegelschrift geschrieben. Die Oberösterreicherin hat in Linz Kalligraphie studiert, ist vor gut einem Jahr ins Sonnental gezügelt und arbeitet als freischaffende Schreibkünstlerin.

Vielfalt der Schriften

«Euch liegt gewiss das Entwickeln von Geheimschriften am Herzen», wandte sie sich an ihr gut sechzigköpfiges Publikum. Einige der Mädchen und Jungen bestätigten, dass sie sich bereits damit befasst hatten. Herta Spiegel zeigte, dass man gar nicht weit suchen muss, um besondere Schriften anzutreffen. Das Morsealphabet beispielsweise. Eine Kommunikation, die auch mit Licht und Ton übermittelt werden kann. Oder die Blindenschrift, bei welcher die Finger die Sprache lesen. Wie teilt man sich jemandem mit, der nicht sehen und nicht hören kann? Eine Möglichkeit ist, Zeichen in die Hand des behinderten Menschen zu schreiben. Was die Jugend kaum noch kennt, ist die Stenographie.

Schreiber in beide Hände

Herta Spiegel, welche mit Pinsel und virtuoser Leichtigkeit wunderschöne Buchstaben auf das Papier malte, liess ihr Publikum Schreibversuche unternehmen. Fest drücken, die Miene fein über das Papier ziehen, spitze oder stumpfe Miene, Feder – es gibt viele Variationen. Jenen Kindern, welche wegen zu viel Druck gerügt werden, empfahl sie, in jede Hand einen Schreiber zu nehmen. Die nicht schreibende Hand soll dabei den Schreiber auf den Tisch drücken, das entlastet die schreibende Hand. Einigen Kindern bekannt war die Kurrentschrift mit ihren spitzen Winkeln. Auch die Frakturschrift, welche bis Anfang des 20. Jahrhunderts die meistbenutzte Druckschrift war, konnten einige problemlos lesen. Erstaunen erregte die altirische Ogamschrift. Diese besteht einzig aus Strichen, die in Stein gemeisselt wurden. Das Buch «Schriftzeichen und Alphabete: Aller Zeiten und aller Völker» von Carl Faulmann wird in nächster Zeit bestimmt ständig ausgeliehen sein.