Alte Bank in Oberuzwil wird zu Ärztehaus

Ende 2018 hat die Clientis-Bank Oberuzwil ihren Neubau bezogen. Nun startet sie ein weiteres Projekt. Der Altbau der Bank wird abgebrochen. Es entsteht ein Gesundheitszentrum.

Philipp Stutz
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So soll das Gesundheitszentrum nach der Fertigstellung aussehen. Am nächsten Dienstag ist Baubeginn. (Bild: Visualisierung: PD)

So soll das Gesundheitszentrum nach der Fertigstellung aussehen. Am nächsten Dienstag ist Baubeginn. (Bild: Visualisierung: PD)

Der Verwaltungsrat der Clientis-Bank Oberuzwil hat entschieden, das Grundstück der alten Bank an der Wiesentalstrasse 11 nicht zu verkaufen. Vielmehr soll das Zentrum von Oberuzwil durch eine auf das neue Bankgebäude abgestimmte Wohn- und Gewerbeliegenschaft ergänzt werden.

Das Wohn- und Gewerbehaus soll sich zu einem Gesundheitszentrum entwickeln. Im Erdgeschoss ist eine Praxis zur ärztlichen Grundversorgung geplant. Im ersten Obergeschoss ist eine Kinderarztpraxis vorgesehen, und im zweiten Stock entsteht eine Praxis für komplementärmedizinische Behandlungen. Hinzu kommen eine Zahnarztpraxis und ein Physiotherapeut.

«Wir freuen uns, der Bevölkerung mit dem Ärztehaus einen Dienst erweisen zu können.»

Das sagt Adrian Müller, Vorsitzender der Geschäftsleitung der Clientis-Bank. Es werden 4,5 Millionen Franken investiert. Die Rendite sei bei diesem Projekt nicht im Vordergrund gestanden. Spatenstich ist am nächsten Dienstag, das neue Gebäude soll im Spätsommer 2020 bezogen werden.

Tausend Besucher am Tag der offenen Tür

Vergangenes Wochenende hatte die Bank zu einem Tag der offenen Tür eingeladen. Das Angebot stiess auf grosse Resonanz. «Wir haben rund 1000 Besucher gezählt», sagt Müller. Auf einem Rundgang konnten sie die helle Kundenhalle und Büros besichtigen. «Das Echo war positiv», sagt der Bankleiter.

Die Clientis-Bank hat sich im Markt gut behauptet. Dies war nur mit entsprechender Strategie möglich. War doch in den Neunzigerjahren von einem Regionalbankensterben die Rede. Ein Blick in die Statistik bestätigt dies. Von den ursprünglich rund 200 Regionalbanken sind noch 62 selbstständige Institute übrig geblieben. Zusammenschlüsse und Übernahmen waren an der Tagesordnung. Die damalige Ersparnisanstalt Oberuzwil war ausschliesslich in der Gemeinde tätig und hat mit angesehen, wie die Bank in Niederuzwil und die Ersparnisanstalt Jonschwil von der St. Galler Kantonalbank übernommen wurden. Beide wurden in der Folge geschlossen.

Weg von der reinen Dorfsparkasse

Der Verwaltungsrat der Clientis-Bank hat auf diese Entwicklung reagiert. Die Devise lautete: weg von der Dorfsparkasse hin zur Beraterbank. «In den vergangenen Jahren haben wir unser Geschäftsgebiet ausgedehnt», sagt Müller. Wesentlich dazu beigetragen habe das Beratungszentrum im Uzwiler Mühlehof, das 2010 eröffnet wurde. Hinzu kam der Neubau in Oberuzwil. Die Entwicklung der Clientis-Bank lässt sich anhand zweier Kennzahlen dokumentieren. So konnte die Bilanzsumme in den letzten 15 Jahren um 153 Prozent auf 561 Millionen Franken gesteigert werden, und im gleichen Zeitraum nahm das Eigenkapital um 175 Prozent zu. «Mit diesem Wachstum liegen wir an der Spitze aller Clientis-Banken, ohne dass wir eine Fusion vollzogen haben», sagt Müller.

Von hohem Zinsniveau zu Negativzinsen

Adrian Müller ist seit 30 Jahren bei der Clientis-Bank tätig. Im Jahr 2002 wurde er zum Bankleiter befördert und trat die Nachfolge von Beat Müller an. Er erinnert sich an die Neunzigerjahre. Die Hypothekarzinsen waren damals hoch. Im Gegenzug wiesen auch Kassenobligationen ein hohes Zinsniveau auf. Heute verzeichnet man Negativzinsen, während Hypothekarschuldner von tiefen Zinsen profitieren. Waren früher Kunden auf eine Bank meist an Ort fixiert, pflegen sie heute oft Beziehungen zu mehreren Geldinstituten.

«Unser Fokus liegt auf der Kundenbetreuung», betont Adrian Müller. Täglich dürfe in der Bank ein neuer Kunde begrüsst werden, viele Kontoeröffnungen seien zu verzeichnen. Doch gelte es nach wie vor, den Markt genau zu beobachten. «Die Strategieentwicklung ist bei uns ein laufender Prozess.»