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Als Uzwil noch mehrere Nationalräte stellte

René und Rolf Bühler (FDP), Alfons Schwizer (CVP) und Mathias Eggenberger (SP) waren in der Grossen Kammer.
Philipp Stutz
Blick von der Zuschauertribüne in den Nationalratssaal: 42 Kandidierende der Region Wil wollen hier politisieren. (Bild: Keystone/Anthony Anex)

Blick von der Zuschauertribüne in den Nationalratssaal: 42 Kandidierende der Region Wil wollen hier politisieren. (Bild: Keystone/Anthony Anex)

Die zwölf St.Galler Sitze im Nationalrat sind äusserst begehrt. Nicht weniger als 255 Kandidatinnen und Kandidaten aus dem Kanton bewerben sich um ein Mandat. Das sind 28 Prozent mehr als bei den Wahlen vor vier Jahren. 42 Kandidierende entstammen der Region Wil. Die beiden amtierenden Nationalräte treten an der Wahl vom 20. Oktober wieder an: Lukas Reimann (SVP), der 2007 gewählt wurde, und die Sozialdemokratin Barbara Gysi, die seit 2011 im Nationalrat politisiert.

Fünf Kandidierende aus Uzwil

Aus den verschiedenen eingereichten Listen geht hervor, dass fünf Kandidierende aus der Gemeinde Uzwil zur Wahl antreten. Auf der Liste Nord-West der CVP finden sich Bruno Cozzio, Revierförster aus Henau, und der Uzwiler Gemeindepräsident Lucas Keel. Auf der Liste Nord-West der Jungen CVP kandidiert Rebecca Cozzio (Studentin, Henau). Und auf der Juso-Liste der SP findet sich der Name von Anna Miotto (Kantonsschülerin, Uzwil). Schliesslich wartet auch die BDP mit einer Kandidatur auf. Norbert Feldmann, Sanitärunternehmer, kandidiert sowohl für den National- als auch für den Ständerat. Er ist Mitglied der BDP und hat bisher keine politischen Akzente gesetzt. Bekannt wurde er durch seine Kandidatur als nebenamtlicher Richter des Kreisgerichts Wil, wurde aber nicht gewählt.

Zwei Industrielle in der Grossen Kammer

Die Hürde, um ein Nationalratsmandat zu erobern, ist hoch. Die Kandidierenden aus Uzwil dürfen sich denn auch nur geringe Chancen auf einen Wahlerfolg ausrechnen.

Vor diesem Hintergrund ist es heute schwer vorstellbar, dass Uzwil einst gleich vier Nationalräte teilweise gleichzeitig nach Bern entsandte. 1951 war die Gemeinde, die sich damals noch Henau nannte, mit mehreren Vertretern in der Grossen Kammer präsent. Dabei handelte es sich um den Industriellen René Bühler (FDP), Geschäftsführer und Mitinhaber der Gebrüder Bühler. Er gehörte dem Nationalrat von 1951 bis 1959 an. Auch Rolf Bühler (FDP), ebenfalls der Uzwiler Unternehmerdynastie entstammend, war Mitglied des Nationalrates gewesen, und zwar von 1941 bis 1947. Schliesslich war die Konservativ-Christlichsoziale Volkspartei (heute CVP) mit dem Henauer Alfons Schwizer in der Grossen Kammer präsent. Er übte dieses Mandat von 1947 bis 1963 aus und galt als Vertreter der Landwirtschaft.

Vollblutpolitiker Mathias Eggenberger

Als Vollblutpolitiker galt Mathias Eggenberger. Der in Grabs aufgewachsene Bergbauernsohn wirkte später als Primarlehrer in Niederuzwil, ehe er zum Gemeindeammann von Henau-Uzwil gewählt wurde. Von 1951 bis 1969 gehörte er dem Regierungsrat an, von 1947 bis 1971 war er Mitglied des Nationalrats und wurde 1971 in einer Kampfwahl – sein Widersacher war Simon Frick von der FDP – eher überraschend in den Ständerat gewählt. Eggenberger orientierte sich an der religiös-sozialen Ethik und vertrat einen freiheitlichen Sozialismus. Er lehnte den Kommunismus sowjetischer Prägung entschieden ab. Schwerpunkte seiner Arbeit bildeten die Strafrechtspflege, die Altersvorsorge, die Verkehrspolitik und das Alkoholismusproblem. Mathias Eggenberger starb 1975 – mitten im Wahlkampf für eine zweite Amtsdauer.

Mathias Eggenberger war Gemeindammann von Henau, danach avancierte er zum National- und Ständerat. (Bild: Staatsarchiv St. Gallen)

Mathias Eggenberger war Gemeindammann von Henau, danach avancierte er zum National- und Ständerat. (Bild: Staatsarchiv St. Gallen)

Auch wenn Uzwil voraussichtlich weiterhin über keine Vertretung in Bern verfügen wird, sind Verbindungen zum Untertoggenburger Industrieort mit einigem Willen erkennbar. So ist Rorschachs Stadtpräsident Thomas Müller (SVP), der wieder für den Nationalrat kandidiert, in Uzwil geboren und hier auch heimatberechtigt. Nicht unerwähnt bleiben soll, dass auch Bundesrätin Karin Keller-Sutter, die ihre Sporen im Wiler Stadtparlament abverdiente, in Niederuzwil das Licht der Welt erblickt hat.

Wirtschaftsvertretern fehlt die Zeit

Was früher auch in Uzwil zum guten Ton gehörte, ist heute eine Seltenheit: politisches Engagement der Wirtschaftskapitäne. Die Zahl der eidgenössischen Parlamentarier, die ein Mandat bei einem wichtigen inländischen Unternehmen oder einem der potenten Wirtschaftsverbände innehaben, ist in den vergangenen Jahrzehnten drastisch geschrumpft. «Der klassische Karriere-Dreiklang – Wirtschaft, Politik und Militär – gehört weitgehend der Vergangenheit an», schreibt die «Neue Zürcher Zeitung». Ein Grund dafür liege in der Arbeitsbelastung, die sowohl in den Betrieben wie im Bundesparlament grösser geworden sei.
Generell ist der Anteil der Parlamentarier, die weiterhin mit beiden Beinen im Berufsleben stehen, in den letzten Jahrzehnten stark gesunken. Damit gerät auch das Milizparlament unter Druck. Die Linke, bei der es bereits einige «Berufspolitiker» gibt, strebt eine «Professionalisierung des Parlaments» an. (stu)

Quellen: Wikipedia/ Historisches Lexikon der Schweiz

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