Als Sanitäter im Aktivdienst

Leben im Kloster (7) – Bruder Caecilian Koller sieht man seine 93 Jahre nicht an. Der rüstige Kapuziner erinnert sich für die Wiler Zeitung an Stationen seines Lebens und verrät, warum er so alt werden durfte.

Beatrice Oesch
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Bruder Caecilian im Fernsehraum: Am liebsten schaut er sich einen Fussballmatch an. (Bild: bo.)

Bruder Caecilian im Fernsehraum: Am liebsten schaut er sich einen Fussballmatch an. (Bild: bo.)

Bruder Caecilian Koller ist 93 Jahre alt – was man ihm aber nicht ansieht – und kam vor vier Jahren ins Kapuzinerkloster in Wil. Für die Wiler Zeitung kramt er im reichen Schatzkästlein seiner Erinnerungen und würzt seine Erzählungen mit viel Humor. Heute geniesst er es, den Tag ruhig anzugehen und viel Freizeit zu haben, aber wirklich im Ruhestand ist er noch immer nicht – er übernimmt noch gerne Werktags-Gottesdienste, auch auswärts. «Wir Kapuziner werden 14 Tage nach unserer Beerdigung pensioniert!» scherzt er und schwenkt dann zurück in seine Kindheit.

Wurzeln in Wil

Er wuchs zusammen mit sechs Geschwistern in Wil auf und staunt noch heute, wie seine Eltern das finanziell bewerkstelligten: «Mein Vater war Sticker mit zwei Maschinen, die er vom Grossvater übernommen hatte, und nachdem mit der Stickerei kein Geld mehr zu verdienen war, musste er als Hilfsarbeiter über die Runden kommen.» Dank des Engagements seines Lehrers durfte er in Appenzell das Gymnasium besuchen und machte in Stans die Matura. «Als ich mich entschlossen hatte, Kapuziner zu werden und 1939 ins Kloster eintreten wollte, wurde ich zu Beginn des Zweiten Weltkrieges in den Aktivdienst einberufen», erinnert er sich.

Warten auf den Feind

«Ich wurde als Sanitäter den Radfahrern zugeteilt und war während drei Monaten mit einem zweiten Sanitäter in Teufen stationiert. Wir beide mussten abwechslungsweise mit den Radfahrern abends ins Rheintal hinunterfahren und über Nacht an der Grenze auf den Feind warten, der nie kam, und am Morgen ging es mit dem Militärvelo wieder nach Teufen zurück», erzählt er lächelnd. Ein zweiter Kurzeinsatz führte Bruder Caecilian nach Langnau im Emmental, wo er eine Radfahrer-Krankenstation einrichtete. Dann endlich konnte er ins Kloster eintreten. Sein Weg als Kapuziner führte ihn in verschiedene Klöster: «Als Guardian leitete ich die Gemeinschaften von Wil, Appenzell und Rapperswil, und von dort wurde ich nach St. Gallen geschickt ins Kapuzinerhospiz Heiligkreuz. Das Team bestand aus drei Patres, und eine Frau betreute den Haushalt.» Die Mitbrüder betätigten sich als Hausmissionare in den Pfarreien der Stadt St. Gallen. «Wir betreuten auch die Wallfahrtskirche Heiligkreuz», fügt er heiter hinzu.

Geheimnis des hohen Alters

Im Laufe der Zeit war Bruder Caecilian schliesslich der letzte Kapuziner im Heiligkreuz, und nach langen 25 Jahren entschied er sich, nach Wil zurückzukehren. «Ich war der letzte Mohikaner, denn mit meinem Weggang war unsere Kapuzinertätigkeit in St. Gallen beendet», verkündet er mit einem Augenzwinkern. «Heute habe ich es schön hier, ich habe viel Zeit zum Beten und mich Besinnen.»

Der früher sehr sportliche Bruder Caecilian, der sehr gerne Fussball spielte, schaut sich noch immer manch guten Fussballmatch im Fernsehen an. «Wenn ich spät am Abend Fussball schaue, bin ich meistens allein im Fernsehraum.» Und nach kurzem Nachdenken verrät der rüstige Kapuziner, der in seinem Leben ein grosses Arbeitspensum bewältigt hat – auch als Volksmissionar und Exerzitienbegleiter – mit einem schalkhaften Blinzeln das Geheimnis seines hohen Alters: «In meinem Leben lief es immer schön glatt vorwärts, darum bin ich vermutlich so alt geworden!»

In dieser Serie berichtet die Wiler Zeitung in loser Folge über die Menschen im Kapuzinerkloster Wil.

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