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Als die Oberuzwilerin Lisbeth Schlauri-Trunz die jüngste Skifahrerin im Dorf war

Von Dezember bis März gab es viel zu tun im damaligen Skihaus Trunz in Oberuzwil. Lisbeth Schlauri-Trunz erinnert sich an die Zeit, als ihr Vater Holzskier herstellte und diese im Laden in Oberuzwil zum Verkauf anbot.
Zita Meienhofer
Lisbeth Schlauri-Trunz besitzt noch ein Paar Skier, die ihr Vater hergestellt hatte. Sie sind aus Hyckori-Holz. (Bild: Zita Meienhofer)

Lisbeth Schlauri-Trunz besitzt noch ein Paar Skier, die ihr Vater hergestellt hatte. Sie sind aus Hyckori-Holz. (Bild: Zita Meienhofer)

Lange, dunkelbraune Holzskier mit einer alten Bindung stehen im Flur bei Lisbeth Schlauri-Trunz im Sonnental. Skier, die von ihrem Vater Karl hergestellt worden waren. Davon zeugt das Emblem an der Skispitze. «Trunz Oberuzwil» ist darauf zu lesen, die Skyline der Churfirsten ist im Hintergrund zu sehen. Lisbeth Schlauri-Trunz wuchs mit ihren Eltern Ida und Karl und den beiden Geschwistern an der Flawilerstrasse 6 in Oberuzwil auf. Dort, wo sich die Werkstatt und der Verkaufsladen befanden, der erste und bislang einzige Skiladen im Dorf. Sie erinnert sich an die 1950er-Jahre zurück, als sie als Kind ihrem Vater bei der Skiherstellung half – und sich die Voraussetzungen zum Skifahren deutlich von den heutigen Verhältnissen unterschieden.

«Ich war gerne in der Werkstatt», erzählt sie. Sie war interessiert am Handwerk ihres Vaters, der Skiwagner war. Im Winter stellte er Holzskier her, im Sommer Gerbfässer, Holzmöbel, Stilwaren, Holzleitern, Brückenwagen. Die Werkstatt, welche Karl Trunz von seinem Vater übernommen hatte, musste der Verbreiterung der Strasse weichen. 1952 wurde deshalb, etwas nach hinten versetzt, eine neue erstellt. Im Haus direkt an der Strasse, das heute noch steht, befand sich das «Skilädeli», wie es Lisbeth Schlauri-Trunz liebevoll nennt. Dort, wo die Oberuzwiler, aber auch die Uzwiler ihre Skier kauften – bis 1969. Bis zu jenem Zeitpunkt, als Sport Benz nach Uzwil kam und die Familie Trunz «aus Vernunftsgründen» einen Totalausverkauf organisierte und den Laden aufgab. «Für meinen Vater war das einschneidend», sagt Lisbeth Schlauri-Trunz. Die Schreinerei wurde an Kurt Moser verkauft. Karl Trunz, Jahrgang 1916, richtete sich im ehemaligen Verkaufsladen eine Werkstatt ein, machte Reparaturen und werkte. Im Jahr 1973 starb er während einer Bergtour oberhalb Libingen an Herzversagen.

Im Wasserbad formte sich allmählich die Skispitze

Beeindruckt war Lisbeth Schlauri-Trunz jedes Mal, wenn der Vater die Skispitze anfertigte. Dafür legte er den Rohling, der aus mehreren dünnen Holzschichten geleimt war, in eine mit Wasser gefüllte Form. Nach mehreren Stunden bildete sich die gebogene Spitze. Diese war zwar stabil, es kam jedoch vor, dass es während des Skifahrens «spitzlete», sich der Spitze vom Ski löste. Deshalb hatten die damaligen Skifahrer auf Touren stets eine Ersatzspitze dabei. Diese konnte dank eines Metallstückes sofort am Ski montiert werden. Ohne Spitze mit den Skiern zu fahren ist fast unmöglich.

Karl Trunz stellte nur Skier aus Holz her. Dafür verwendete er Esche und Hyckori (Walnussgewächs aus Nordamerika). Jene aus Eschen-Holz waren leicht, die aus Hyckori schwer. Viel grösser war die Auswahl nicht. Einzig Metall-Holz-Skier wurden im Oberuzwiler Skihaus noch angeboten. Diese kaufte Karl Trunz ein, ebenso die Bambusstöcke, die Handschuhe und Rucksäcke, die Felle und die Bindungen. Skischuhe waren damals nur im Schuhladen erhältlich.

Das Wohnhaus und die Werkstatt von Karl Trunz’ Vater an der Flawilerstrasse 6 mussten der Verbreiterung der Strasse weichen. (Bilder: Privatarchiv)Das Wohnhaus und die Werkstatt von Karl Trunz’ Vater an der Flawilerstrasse 6 mussten der Verbreiterung der Strasse weichen. (Bilder: Privatarchiv)
Noch heute steht das Haus, in dem das Skilädeli beheimatet war.Noch heute steht das Haus, in dem das Skilädeli beheimatet war.
Auf der Skispitze ist noch ein Teil des Logos des Skihauses Trunz sichtbar.Auf der Skispitze ist noch ein Teil des Logos des Skihauses Trunz sichtbar.
Im Jahr 1952 liess Karl Trunz die neue Werkstatt bauen. Sie steht etwas nach hinten versetzt an der Flawilerstrasse.Im Jahr 1952 liess Karl Trunz die neue Werkstatt bauen. Sie steht etwas nach hinten versetzt an der Flawilerstrasse.
Ende der 1950er-Jahre fand im «Schweizerhof» in Uzwil die Weihnachtsausstellung des Gewerbevereins Oberuzwil statt. Karl Trunz (oben auf dem Bild) erstellte dafür ein Skihaus.Ende der 1950er-Jahre fand im «Schweizerhof» in Uzwil die Weihnachtsausstellung des Gewerbevereins Oberuzwil statt. Karl Trunz (oben auf dem Bild) erstellte dafür ein Skihaus.
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Ein Blick in die Vergangenheit

Das erste Oberuzwiler Skilager in Engelberg

Skifahren und Wandern zählten zu den Hobbies von Karl Trunz. «Er liebte die Berge», sagt seine Tochter, «deshalb wollte er auch Skier herstellen.» Er war Mitglied der SAC-Sektion Uzwil sowie des Skiclubs Uzwil. Wegen seiner Arbeit musste er jedoch vor allem im Winter auf das Skifahren in den Bergen verzichten. Ihm, der auch den Telemark-Stil noch beherrschte, lag es am Herzen, dass seine Kinder Skifahren konnten. Die drei Trunz-Kinder standen deshalb bereits als vier- oder fünfjährige auf den Holzlatten – und waren die jüngsten Skifahrer im Dorf. «Hatte es Schnee, gingen wir zum Eppenberg oder an die Hagenstrasse», erzählt Lisbeth Schlauri-Trunz. In schneereichen Wintern wurde in Oberuzwil sogar ein Skijöring organisiert – mehrere Skifahrer hielten sich an einem Seil, das von Pferden mit Schlitten gezogen wurde, einem Skilift ähnlich. Gestartet wurde beim Skihaus Trunz. Die Route führte bis Bichwil.

In bester Erinnerung ist Lisbeth-Schlauri-Trunz das Skilager im Jahr 1960. Es war das erste Skilager, das die Schule Oberuzwil durchgeführt hatte. «Zu verdanken hatten wir es jungen, innovativen Lehrern, die das Lager organisierten», sagt sie. Mit Sack und Pack ging es mit dem Zug an den Vierwaldstättersee, von dort mit dem Schiff nach Stansstad und letztlich mit dem Zug nach Engelberg. In der Jugi waren die Oberuzwiler Schülerinnen und Schüler einquartiert. «Das war einmalig.» Die damals Zwölfjährige besuchte die sechste Klasse und war erstmals in Engelberg, wo es bereits Skilifte gab. Finanziert wurde das Lager durch die Einnahmen des Silvestersingens sowie Elternbeiträgen.

Ein teurer, aber nie mehr da gewesener Ski

Die Winter- oder Skisaison bei Trunz’ dauerte jeweils von Dezember bis März. Lag bereits im Dezember viel Schnee, florierte das Geschäft vor allem vor Weihnachten. Karl Trunz hatte viel zu tun und arbeitet oft in die Nacht hinein, weil er Skier auch auf Bestellung anfertigte. Lisbeth Schlauri-Trunz hielt sich als Kind unzählige Stunden in der Werkstatt auf, half dem Vater. Sie hielt ihm die kleinen Schrauben bereit, die er zur Montage von Stahlkanten und Bindungen verwendete. Auch Jahre später hatte sie Freude an den Arbeiten in der Werkstatt, doch auch der Laden wurde zu ihrem Reich. Sie, die ihre Ausbildung im Verkauf absolvierte, kam für die Wintersaison gerne nach Hause und unterstützte ihre Mutter Ida. Schmunzelnd erzählt sie, wie die passenden Skier ausgesucht wurden. «Der Kunde stand da und hielt den Arm in die Höhe. Die Skier passten, wenn sie das Handgelenk erreichten.» Anschliessend hatte sich der Kunde für eine Bindung zu entscheiden. «Attenhofer und Kandahar waren die Marken, die wir anboten.»

Zwar gab es damals ein «Skifabriggli» in Flawil, das Skihaus Trunz war trotzdem gut frequentiert. Neben der Eigenmarke standen später auch Skier der von Schwendener, Attenhofer (A15), Kneissel (Red Star/White Star), Kästle oder Head im Verkaufsraum. Der Head 360 war Lisbeth-Schlauris erster Metallski und sie war voraussichtlich die erste Oberuzwilerin, die einen solchen Ski besass. Sie weiss noch, wie viel er gekostete hatte: 630 Franken. Ein horrender Betrag für die damalige Zeit. Rückblickend sagt sie: «Es war der beste Ski, den ich je hatte. Es war ein Vergnügen, ihn zu fahren.» Noch immer ist Lisbeth Schlauri-Trunz gerne mit den Skiern unterwegs – vor allem bei schönem Wetter und während der Woche. Bis vor drei Jahren unternahm sie etliche Skitouren mit dem SAC (Schweizerischer Alpenclub), jetzt geniesst sie die Winterwanderungen und Schneeschuhtouren mit den Senioren des SAC Uzwil.

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