Als das Fleisch weggenommen wurde

In Wil gibt es keine «Fasnacht», sondern nur eine «Fastnacht». In den Dörfern rundherum hingegen wird das bunte Treiben «Fasnacht» genannt. Im neu erschienenen Buch «Fastnacht in Wil» erläutert Benno Ruckstuhl, warum das so ist und was die Begriffe bedeuten.

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In Wil gibt es keine «Fasnacht», sondern nur eine «Fastnacht». In den Dörfern rundherum hingegen wird das bunte Treiben «Fasnacht» genannt. Im neu erschienenen Buch «Fastnacht in Wil» erläutert Benno Ruckstuhl, warum das so ist und was die Begriffe bedeuten.

Die deutsche Bezeichnung «Fastnacht» kommt von «Fastennacht» und meint die Nacht – die Zeit – vor der kirchlichen Fastenzeit. Auch der romanische Begriff «Karneval» stellt einen Sinnbezug zum Fasten her. Nach Kirchenlatein wird die Fastenzeit «carnislevamen», auch «carnetollendas» genannt, also «Fleischwegnahme». Daraus entwickelte sich das italienische «Carnevale», das auf die bereits im 10. Jahrhundert nachweisbare Form «carnelevare» – «Fleischwegnahmen» zurückgeht. Aus «carnelevare» entstand «carnelevale», später zusammengezogen zu «carnevale» und scherzhaft «Fleisch lebe wohl» interpretiert.

Das Wort «Fasnacht» (ohne t) wird zurückgeführt auf das mittelhochdeutsche «vaselen» – «gedeihen, fruchtbar sein», was auf einen Zusammenhang mit vorchristlichen Kulthandlungen, besonders den Fruchtbarkeitskult, hinweisen dürfte. «Fasnacht» liesse sich auch ableiten vom Stammwort «faseln», dumm daherreden, Unsinn treiben, eine weniger schmeichelhafte Charakterisierung des Fastnachtstreibens. Glaubwürdiger ist jedoch die Interpretation nach Duden, der die Neuregelung der deutschen Rechtschreibung von 2006 berücksichtigt. Duden bezeichnet Fasnacht als «landschaftliche und schweizerische Nebenform für Fastnacht». Das in Bayern und Österreich gebräuchliche «Fasching» hat seine Wurzeln auch im Wort «Fasten». Es hiess ursprünglich «vaschang», später «vastschanc», was die Bedeutung von «Ausschenken eines Fastentrunks», des letzten Trunks vor der Fastenzeit, hatte.

Die Fastnachts-Gesellschaft Wil (FGW) hat sich für den Begriff «Fastnacht» entschieden, wohl weil im früher urkatholischen Wil die Verbindung der Fastnacht mit der kirchlichen Fastenzeit am naheliegendsten war.

Aus dem Buch «Fastnacht in Wil» von Benno Ruckstuhl, Peter Ruckstuhl und Werner Warth, herausgegeben von der FGW. www.fgw.ch