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Als Bühler Flugmotoren baute

Der Technologiekonzern Bühler ist im Maschinen- und Anlagebau tätig. Dass das Unternehmen während des Ersten Weltkriegs Flugmotoren hergestellt hat, ist wenig bekannt. Diese in Lizenz hergestellten Motoren des Typs AS-II wurden in verschiedene Flugzeugtypen eingebaut.
Philipp Stutz
Doppeldecker des Typs Wild WT-1. Ganz links Oskar Bider, Chefpilot der neugeschaffenen Fliegertruppe, zweiter von rechts Carl Högger, der bei Gebrüder Bühler den ersten Argus-II-Motor gebaut hat. (Bilder: pd)

Doppeldecker des Typs Wild WT-1. Ganz links Oskar Bider, Chefpilot der neugeschaffenen Fliegertruppe, zweiter von rechts Carl Högger, der bei Gebrüder Bühler den ersten Argus-II-Motor gebaut hat. (Bilder: pd)

UZWIL. «Bühler hat während des Ersten Weltkriegs 68 Flugmotoren produziert», sagt Hans Naef, ehemaliger Mitarbeiter bei Bühler AG. Der 88-Jährige beschäftigt sich noch heute mit der Geschichte der Fliegerei. Nach seinen Angaben haben die Schweizerische Lokomotiv- und Maschinenfabrik Winterthur sowie Gebrüder Bühler Uzwil (GBU) den 1912 bei Argus in Berlin entwickelten Flugmotor AS-II in Lizenz hergestellt. Dieser Motor, bei Bühler zwischen 1915 und 1917 produziert, wurde in Wild-Schulflugzeugen und Häfeli DH-1- bis DH-3-Flugzeugen eingebaut. Letztere wurden zur Beobachtung und bedingt zum Waffeneinsatz verwendet.

1914 noch ohne Flugwaffe

Am Vorabend des Ersten Weltkrieges besass die Schweizer Armee keine Fliegertruppen. Beim Ausbruch des Krieges überliessen bereits brevetierte Piloten – wie etwa Oskar Bider – ihre Flugzeuge der Armee. Auch aus der Landesausstellung 1914 in Bern wurden Flugzeuge requiriert. Mit Ausnahme von Einzelkonstruktionen und wenigen 4-Zylinder-Boxermotoren der Werkzeugmaschinenfabrik Oerlikon bestand zu Beginn des Krieges keine eigentliche schweizerische Flugzeug- oder Motorenfabrikation. Die Konstruktionswerkstätten K + W Thun wurden um das Jahr 1915 beauftragt, eigene Flugzeuge zu entwickeln. Zur gleichen Zeit muss auch der Auftrag zur Lizenzfertigung des Argus-AS-II-Flugmotors der Deutschen Motorengesellschaft in Berlin den Firmen Gebrüder Bühler und der Lokomotiv- und Maschinenfabrik Winterthur erteilt worden sein.

Erstes Motorrad in Uzwil

Der spätere Technische Chef der Fliegertruppe, Oberst Carl Högger, absolvierte von 1907 bis 1909 seine Lehre als Maschinenschlosser bei GBU und wurde bald technischer Vertrauter von Theodor Bühler, damals Gesamtleiter Fabrikation. Dieser beauftragte ihn mit der Wartung seines Motorrades – das erste in Uzwil – in vollständiger Eigenverantwortung. Carl Högger ist – gemäss Informationen an Hans Naef – alleine nach Berlin gefahren und hat dort in einem Büchlein alle wichtigen technischen Daten notiert. Zusammen mit dem Meister der Montageabteilung, Fritz Schallenberger, hat er darauf in Uzwil den ersten Argus-II-Motor gebaut. Der Bühler-Flugmotor soll noch vor dem Loki-Motor den ersten Prüflauf bestanden haben. Die erwähnten Flugmotoren sind in Flugzeuge der Typen Wild und Häfeli (DH) eingebaut worden.

Die GBU-Flugmotorengeschichte hatte 1972 noch ein besonderes Intermezzo. Der bekannte Turbinenbauer, Motorenspezialist und Tüftler Gottlieb Giezendanner in Oberuzwil hat im Auftrag des Technoramas in Winterthur einen Argus-AS-II – allerdings ohne GBU-Motorenschild – demontiert, revidiert und wieder instand gestellt. Der damalige Chef von GBU, Dr. René Bühler, hatte darauf seinem Mitarbeiter Hans Naef folgenden Auftrag erteilt: «Schauen Sie, dass wir den Motor sofort für unseren Ausstellungsraum erhalten.» Mit wenigen Gesprächen zwischen den Aviatik-Spezialisten wurde der Motor schliesslich als Leihgabe für den Ausstellungsraum in einer kleinen Vernissage übernommen.

Koryphäen an der Vernissage

Es gelang, Koryphäen der Flugmotorenzeit für die Vernissage zu gewinnen. Darunter Adolf Schaedler, St. Gallen, erster Werkpilot K + W Thun, der sämtliche mit GBU-Motoren ausgerüstete Flugzeuge eingeflogen hat. An der Ausstellung zugegen war auch Fritz Schallenberger, Werkmeister Montage GBU, später Chef der Motorenwerkstatt der Abteilung für Militärflugzeuge Dübendorf. Ebenso Jakob Urech, Dübendorf, der über den Standort eines Original-GBU-Argus-AS-II wusste und wegen vorzeitigen Hinschieds die Beschaffung nicht mehr realisieren konnte. An der Vernissage war auch Gottlieb Giezendanner dabei, der mit seiner Kreativität die ganze GBU-Flugmotoren-Geschichte wieder aufleben liess.

Im Motorenmuseum

Der Ausstellungsmotor wurde später auf dem Motorenprüfstand der DMP (Direktion der Militärflugplätze) in Betrieb genommen und anschliessend dem Motorenmuseum der DMP in Dübendorf übergeben und mit einer Hinweistafel versehen, dass dieser Motorentyp von Gebrüder Bühler in Uzwil hergestellt worden war.

Im Jahr 1972 war Vernissage des Flugmotors Argus-AS-II bei den Gebrüdern Bühler, von links: Hans Naef, Adolf Schaedler, Dr. René Bühler, Fritz Schallenberger und Jakob Urech.

Im Jahr 1972 war Vernissage des Flugmotors Argus-AS-II bei den Gebrüdern Bühler, von links: Hans Naef, Adolf Schaedler, Dr. René Bühler, Fritz Schallenberger und Jakob Urech.

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