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Alpenjazz von hüben und drüben

Jütz – ein Trio aus Österreich und der Schweiz gastierte am Freitagabend im Flawiler Kulturpunkt. Es war ein Konzert der Experimente und des Zurechtfindens im Gestrüpp der modernen Volksmusik.
Michael Hug
Jütz sind Daniel Woodtli aus Bern, Isa Kurz und Philipp Moll aus dem Tirol. Bild: Michael Hug

Jütz sind Daniel Woodtli aus Bern, Isa Kurz und Philipp Moll aus dem Tirol. Bild: Michael Hug

«Sinnieren, hoazn und latschn», wurde versprochen. Abgesehen vom ziemlich breitbeinigen Dialekt der zwei Musiker und der Musikerin aus Österreich und dem Bernbiet war es ein ziemlich experimentelles Konzert. Die Musik, die Jütz macht, steht recht schräg, wenn nicht quer in der alpinen Volksmusiklandschaft. Vielleicht sollte man es gar nicht Volksmusik nennen –obwohl, die Querverweise machen die Drei ja selbst.

Neues und Originelles von Jütz

Sie beziehen sich klar auf das, was ist in diesem Genre, beim «Guggisberglied» zum Beispiel, beim «Gang rüef de Bruune» ebenso wie beim «Schweinsbeuschler» aus Niederösterreich. Oder bei einer Ausleihung aus dem Andreas-Hofer-Lied, gemeinhin auch als die Tiroler Landeshymne bekannt, namens «Mantua», der Ort, an dem der Volksheld Hofer «abgeknallt» wurde (Originalton Philipp Moll, Bassist und Tiroler). Es sind allesamt Genre-Klassiker, teilweise sogar aus dem 19. Jahrhundert.

Doch es gibt auch Neues von Jütz. Originelles, zum Beispiel das Lied vom Jagen in Japan, wo man statt Berner «Gemschi» (Gämse) eben «Sushi» schiesst am «Futschi» (Fujiyama). Es wohnt in jedem Stück ein Witz, manchmal macht der Witz keinen Sinn, manchmal ist es Ironie, manchmal lugt Tiefgeschürftes aus dem Gesungenen. Manchmal wird gar nicht gesungen, es wird einfach Musik gemacht, tüchtig «gehoazt» (eingeheizt), getanzt oder «gelatscht» (ein in Österreich und der Schweiz gebräuchliches Verb für «langsam gehen, beziehungsweise schlendern»).

Wurzel im Alpenländischen

Festbinden lassen sich Jütz nicht wirklich an einem bestimmten Stil. Wurzel ist den Dreien das Alpenländische. Irgendwie und irgendwo holen Isa Kurz (Geige, Akkordeon, Gesang), Philipp Moll (Kontrabass) und Daniel Woodtli (Hörner, Trompete) ihre Kraft aus der Musik der Alpen, aus Jodlern und Zäuerli, Ländlern und Landler, Polkas und bisweilen auch aus Walzern.

Völlig losgelöst von Konventionen orientieren sie sich dennoch an Traditionellem, bisweilen aber auch an ungenierten Volksmusikverquerern wie Hubert von Goisern oder Erika Stucki. Es ist kein Veralbern von Traditionen, sondern mutige Erweiterung des Horizonts, eine Suche nach Hang- und Schräglagen.

Wien als Olymp für österreichische Musiker

Anarchie mit Respekt hat Platz im Schaffen von Jütz, Klischees von alpiner Fröhlichkeit mit Kafiluz eher nicht. «Sie sangen von komplizierten Gefühlslagen, von gar nicht naiven Sehnsüchten nach Transzendenz», schreibt die österreichische Tageszeitung «Die Presse» über ihren ersten Auftritt in Wien im Oktober letzten Jahres. Sofern sie singen, denn vielfach spielt Jütz ohne Gesang und dann geht es erst richtig los mit dem Improvisieren, dann wird es jazzig, wenn das Flügelhorn mit Woodtli durchgeht, dann beginnt das oben angesprochene Sinnieren.

Wien im Übrigen, sagt der Berner Daniel Woodtli, sei für österreichische Musiker sozusagen der Olymp: «In Österreich sagen sie: Wenn du in Wien auftrittst, hast du es geschafft.» Drei Jahre musizierte Jütz längs dem langgezogenen Alpenbogen, bis es dann klappte, aber dann trat man gleich im Konzertsaal des Wiener Musikvereins auf. Da, wo über die Jahreswende jeweils das Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker stattfindet, das jeweils Monate im Voraus ausverkauft ist. Am Freitag hätte es im Kulturpunkt noch ein paar freie Sessel gehabt.

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