Alltagsverdruss witzig verpackt

Zu Ehren des 75-Jahr-Jubiläums der MVG Flawiler Kultur haben die beiden Liedermachenden Ruth Felix und Christoph Ackermann sich und ihr aktuelles Programm «Gegevorschlag» mit einem Plus ergänzt: Alliglattohr Tobias Fischer.

Christine Gregorin
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Die berühmt-berüchtigten Alliglattohren haben stets eine grosse Klappe. (Bilder: Christine Gregorin)

Die berühmt-berüchtigten Alliglattohren haben stets eine grosse Klappe. (Bilder: Christine Gregorin)

FLAWIL. «Fahren Sie einfach mit dem Flawiler Ortsbus oder aber abends um zehn Uhr von Flawil nach Degersheim, dann sind Sie ganz bestimmt allein», nennt Christoph Ackermann augenzwinkernd seine persönliche Alternative zur Masseneinwanderung: Sorgte der in Flawil wohnhafte Degersheimer Schulleiter zwischen zwei Vorträgen doch dank seiner ein- oder überleitenden Worte für viel Lokalkolorit. Und die durch eingängige Melodien bestechenden von Ruth Felix am Piano und Tobias Fischer auf dem Schlagzeug umrahmten Mundartlieder überzeugten am Freitagabend ihrerseits mit lebensnahen Dilemmas.

Selbstironie par excellence

Der ekelhaft bedrängende Werbewald wurde ebenso thematisiert wie die Leiden eines erziehungsbeauftragten Pädagogen beziehungsweise diplomiertem Prim oder schlicht und ergreifend Lehrers während seiner ersten Klassenzusammenkunft. Bananenschachteln als Grund, nach Inhalten zu suchen, tückische Eselsbrücken zur Namensfindung oder die ausgefuchste Kreation des individuellen Geheim- oder Passworts regten desgleichen zur tiefschürfenden Selbstreflexion an.

Die Ideen dazu entstammten Beobachtungen, selbst Erlebtem, Gelesenem oder seien bisweilen weitgehend frei erfunden, erklärt Christoph Ackermann im Verlauf des ersten Programmteils. Sich und der Menschheit den Spiegel vorhaltend, witzig, reich an Pointen und nicht zuletzt versehen mit einer grossen Portion Galgenhumor vermochten die drei Protagonisten das Publikum im Lindensaal indes noch nicht restlos mitzureissen.

Gelungene Premiere

Voller Spannung erwartete dieses nämlich die Vorpremiere des humoristischen Bänkelsangs der Alliglattohren. Seit vier Jahren nehmen Tobias Fischer (Stimme, Waschbrett und Kazoo) und Christoph Ackermann (Stimme, Gitarre und Kazoo) insbesondere das übers Jahr in und um Flawil Geschehene auf die närrisch angehauchte Schippe. Der Erstauftritt wird jeweils am Schmutzigen Donnerstag anlässlich der heimischen Beizenfasnacht zelebriert, selbstredend mit Hilfe der sprichwörtlichen grossen Klappe, die der urtümlichsten aller Echsen eigen ist.

Humor ist…

Ohne den Nichtanwesenden allzu viel zu verraten und damit ein gutes Gelingen der eigentlichen Premiere zu gefährden, hier einige Themenauszüge: Es werde gemunkelt, dass mit den Witzen des zurücktretenden Gemeindepräsidenten Werner Muchenberger ein weiterer Themenweg geplant ist. Eddie Frei kandidiere frei von Konkurrenz für den Gemeinderat, vielleicht sollte die lokale SP entsprechend in Freiheitspartei umbenannt werden. Wohl um einer Verwechslung mit einem der zahlreichen Flawiler Pizzakuriere vorzubeugen, wurde der neue Ortsbus fein säuberlich mit «Ich bin der neue Ortsbus» angeschrieben. Dieselbe Vorgehensweise wäre ab Mitte Jahr auch für den neuen Gemeindepräsidenten wünschenswert.

Und zu guter Letzt spannen die beiden «Grossmäuler» auch die Idee der Outdoor-Gemeindeverwaltung weiter: Denn würde diese überaus werbewirksame, vermeintliche Erleuchtung ab sofort ganzjährig umgesetzt, drängte sich das leer stehende Gebäude der Obrigkeit ja geradezu als optimale Standortvariante fürs Feuerwehrdepot auf. Natürlich schauten die Alliglattohren ferner hinaus in die weite Welt – und auch hier kriegte die oder der eine oder andere prominente Politisierende und umgekehrt ihr oder sein Fett ab.

Ruth Felix, Christoph Ackermann und Tobias Fischer erzählten in «Gegevorschlag» von Alltäglichem.

Ruth Felix, Christoph Ackermann und Tobias Fischer erzählten in «Gegevorschlag» von Alltäglichem.

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