Alltag

Eine wahrhaft lausige Angelegenheit Ihr Augenabstand beträgt gefühlte sieben Zentimeter, und das Funkeln in den schwarzen Pupillen jagt selbst hartgesottenen Journalistinnen Angstschauer über den Rücken.

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Eine wahrhaft lausige Angelegenheit

Ihr Augenabstand beträgt gefühlte sieben Zentimeter, und das Funkeln in den schwarzen Pupillen jagt selbst hartgesottenen Journalistinnen Angstschauer über den Rücken. Und die Spinne hat nicht nur den Bruder und die Tante, nein, sie hat gleich die ganze Sippschaft mitgebracht. Mit ihren acht Beinen stakst sie frech über den Tisch, ein verächtliches Grinsen auf dem frechen Spinnengesicht, wohl wissend, dass ihr allerhöchstens die Verbannung aus dem Fenster droht. Jeder weiss, die Spinne ist ein Nützling, sie vernichtet stechwütige Insekten reihenweise und macht den saugenden Blattläusen den Garaus. Dazu kommt, dass der Volksmund behauptet, dass die Anwesenheit von Spinnen im Haus ein Indiz dafür sei, dass das Haus schön trocken ist. Doch das kann zurzeit wohl niemand mehr glauben. Die Nadel des Hygrometers ist nahezu am Anschlag, die Luftfeuchtigkeit zum Greifen nass. Der Dauerregen der vergangenen Wochen ist an dieser Entwicklung wohl nicht ganz unschuldig. Ist die Spinne mit ihrer ganzen Verwandtschaft vielleicht vor dem hohen Wassergehalt der Aussenluft geflohen? Hat sie nur das kleinere Übel gewählt? Nun, dann hat sie Pech gehabt, denn mit einem Stück Karton wird sie aus dem Fenster nach draussen bugsiert – und landet geradewegs im Ahornbaum vor dem Redaktionsfenster. Glück im Unglück für die Spinne, denn der Baum klebt förmlich vor Läusen.

Monique Stäger

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