Alltag

Kein Licht beim lieben Opa Hans So etwas kann die Nachbarschaft schon in Aufregung versetzen, wenn der Nachbar, der bereits neunzig Jahre alt ist, weder ans Telefon geht, noch am Abend Licht in der Wohnung hat. Da kommen schnell Sorgen und alle möglichen Gedanken auf.

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Kein Licht beim lieben Opa Hans

So etwas kann die Nachbarschaft schon in Aufregung versetzen, wenn der Nachbar, der bereits neunzig Jahre alt ist, weder ans Telefon geht, noch am Abend Licht in der Wohnung hat. Da kommen schnell Sorgen und alle möglichen Gedanken auf. Wie neulich beim Nachbar Hans, der eigentlich immer noch gut zu Fuss ist und täglich in seinem Garten schafft. Seine Katze hegt und pflegt er – ein unzertrennliches Paar. Eines Abends wollte das laute Klingeln des Telefons nicht aufhören.

Niemand ging an den Apparat. Auch am folgenden Morgen war kein Hans in Sicht, weder im Garten noch im Haus. Da wurde es den Nachbarn doch ein wenig angst und bange, und weil keiner einen Schlüssel hatte, suchte man Kontakt mit der Spitex, die Opa Hans einmal die Woche besucht. Die erfahrene Spitex-Mitarbeiterin reagierte schnell und kam mit einem Schlüssel, um die Tür zu öffnen. Doch dieser passte lediglich für die untere Eingangstür. Die Tür der Wohnung blieb verschlossen.

Post der vergangenen zwei Tage lag ungeöffnet im Briefkasten, kein Mensch war zu hören. Aber gerade, als man die Polizei benachrichtigen wollte, um die Tür öffnen zu lassen, da war von ganz weitem ein älterer Herr mit Spazierstock zu sehen. Die Katze hatte ihn bereits erkannt und war ihm entgegengelaufen. Gottlob – das war der Opa Hans und lebendig. Er sei für ein paar Tage im Appenzellerland gewesen und habe einer Bekannten bei der Gartenarbeit geholfen. Das habe ein wenig länger gedauert als geplant.

Alle Nachbarn und die Spitex- Mitarbeiterinnen standen um ihn herum und freuten sich, dass alles gut war. Aber, lieber einmal mehr aufeinander schauen als zu wenig.

Bernard Marks