Alles ist drin, auch die Würze

Mit Levin Bräu eröffnet ein junger einheimischer Kunstschaffender die Herbstsaison im Kulturpavillon. Der Künstler zeigt in «Einmal mit allem – und scharf bitte!» eine Übersicht über ein Jahr seines Schaffens.

Michael Hug
Merken
Drucken
Teilen
Der gelernte Theatermaler Levin Bräu zeigt ab morgen abend im Kulturpavillon der Psychiatrischen Klinik Wil seine grossflächigen Bilder. (Bild: Michael Hug)

Der gelernte Theatermaler Levin Bräu zeigt ab morgen abend im Kulturpavillon der Psychiatrischen Klinik Wil seine grossflächigen Bilder. (Bild: Michael Hug)

WIL. Levin Bräu denkt in grossen Dimensionen. Als Theatermaler sind seine Arbeiten meist überdimensional, überziehen die ganze Bühnenbreite. «Ich mag dieses Kreative und gleichzeitig Handwerkliche beim Malen von Kulissen.» An Kunst hätte er erst gar nicht gedacht, als er sich vor zehn Jahren als Lehrling am Opernhaus in Zürich wiederfand.

Inspirationen von überall

Ein grosses Glück, das ihm eigentlich immer noch nicht richtig bewusst ist. Denn zum Theatermaler werden in der Schweiz nur zwei bis drei Kandidaten pro Jahr ausgebildet, meint Bräu. Nun ist er seit einigen Jahren am Opernhaus angestellt – doch das Malen lässt ihn auch in der Freizeit nicht los.

«Ich male, was mir gerade einfällt. Inspirationen hole ich mir aus allem», sagt Breu. Ein Durcheinander der Stile, der Motive oder der Techniken findet sich in seiner Werkschau trotzdem nicht. Der Maler hat eine Linie in seinem Werk, nur ist er sich ihrer nicht bewusst. Ein bestimmtes Motiv kommt in seinen Bildern immer vor: Menschen. Dabei malt der junge Künstler originalgetreu, fern jeder Abstraktion, und stets haben seine Menschen etwas Rätselhaftes im Ausdruck. Dieses Ungewisse wirft Fragen auf. «Diese Fragen kann oder muss der Betrachtende sich selbst beantworten», sagt Bräu. «Ich mache mir keine Gedanken beim Entstehen des Bildes, ich kann darum eigentlich auch nichts darüber sagen. Die Bilder entstehen einfach so.» Das Publikum aus der Region konnte den Nachwuchskünstler bereits an der «Kulthurnetz»-Gruppenausstellung in Wil im September letzten Jahres kennenlernen.

Levin Bräu ist in Hosenruck aufgewachsen. Zu seiner Berufswahl sagt der 26-Jährige: «Ich wusste damals nur, dass ich etwas Gestalterisches machen will. Ich wusste auch, was ich nicht wollte: Kunst studieren oder mit dem Computer arbeiten.» Der gestalterische Vorkurs in St. Gallen wäre gewiss keine schlechte Basis für den weiteren Weg, meinte damals sein Umfeld.

Zurück nach Winterthur

Durch Zufall kam er zu dieser Lehrstelle in Zürich, vier Jahre Theatermalerei: «Das war genau das, was ich wollte: Mit den Händen arbeiten, grossflächig zeichnen, mit Farben und Materialien umgehen.» Nach fünf Jahren am Konzerttheater in Bern hat Bräu nun wieder ans Opernhaus in Zürich gewechselt. Demnächst verlegt er auch seinen Wohnsitz von Bern nach Winterthur, wo er geboren ist.

Als Klischee-Künstler sieht sich Levin Bräu nicht: «Ich bin einfach ein Typ, der gerne malt. Ich muss nicht polarisieren oder provozieren. Ich gehöre keiner bestimmten Szene an, weil ich sie zum Malen nicht brauche.» Diese Unabhängigkeit tue gut. Damit entstehen Werke, die eigenständig und authentisch seien. Und grossflächig.

Mit allem – und scharf

Neben einer Handvoll grossformatiger Wandbilder zeigt Bräu im Pavillon auch zwei übergrosse Werke. Eines hängt vor dem Eingang, das andere bedeckt den ganzen Boden des Ausstellungsraumes. «Einmal mit allem – und scharf bitte!» heisst der Ausstellungstitel. Wie in der Döner-Bude: Alles ist drin, auch die Würze – aber verspeisen muss der Betrachtende das Dargebotene selbst.