Alles andere als eine Schlafgemeinde

Anfang nächsten Jahres kann Stefan Frei auf eine 15jährige Tätigkeit als Gemeindepräsident zurückblicken. Die Gemeinde Jonschwil hat sich seither stark entwickelt, was der Zuwachs an Einwohnern und Arbeitsplätzen zeigt. Als Meilenstein gilt die Einführung der Einheitsgemeinde.

Philipp Stutz
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Stefan Frei ist auch sportlich aktiv. So wandert er gerne in der Umgebung Jonschwils, aber auch im Alpstein. (Bild: Philipp Stutz)

Stefan Frei ist auch sportlich aktiv. So wandert er gerne in der Umgebung Jonschwils, aber auch im Alpstein. (Bild: Philipp Stutz)

Herr Frei, Sie sind seit 15 Jahren im Amt. Werden Sie sich im nächsten Herbst einer Wiederwahl stellen?

Stefan Frei: Ja.

Worin besteht Ihre Motivation?

Frei: Das Gemeindepräsidium umfasst eine der vielfältigsten Aufgaben. Doch muss der Gemeindepräsident auch mit Kritik umgehen können.

Sie waren vor dem Amtsantritt beim Kanton tätig. Wie haben Sie den Rollentausch erlebt?

Frei: Die Abläufe in der Staatsverwaltung sind mir bekannt, was ich nun auf kommunaler Ebene als Vorteil werte. Die Zusammenarbeit mit dem Kanton und zu dessen verschiedenen Departementen erlebe ich als positiv und mein vorheriges berufliches Umfeld als Gewinn für die Gemeinde.

Was hat sich seit Beginn Ihrer Tätigkeit in Jonschwil am stärksten verändert?

Frei: Die Einführung der Einheitsgemeinde bedeutete eine Herausforderung. Schule und klassische Gemeindeverwaltung zusammenzuführen, war ein wichtiger und richtiger Entscheid.

Gibt's noch weitere Veränderungen zu verzeichnen?

Frei: Im Vordergrund stehen die Digitalisierung und zunehmende Geschwindigkeit aller Prozesse. Das hat durchaus Vorteile. Anderseits erwarten Bürger Antworten, und zwar in kürzester Zeit. Im weiteren stelle ich fest, dass das Verständnis für den Staat gesunken ist. Wenig erkannt wird oft, dass beispielsweise im Bauwesen gewisse Fristen einzuhalten sind, die den Ablauf eines Baubewilligungsverfahrens verzögern können.

Hat sich somit der Bürger vom Staat weiter entfremdet?

Frei: Ich vertrete die Ansicht, dass manche Bürger heute den Staat weniger verstehen als noch vor 15 Jahren. Das politische Interesse ist geschwunden. Ein Grund für diese Aussage liegt im ausgefüllten Leben des Einzelnen – und auch im Wohlstand.

Hat die Anzahl an Arbeitsplätzen dank Neuansiedlungen von Betrieben zugenommen?

Frei: Im Jahr 1998 registrierten wir 1157 Beschäftigte, 2013 waren es 2035. Innert 15 Jahren verzeichneten wir somit eine Zunahme an Arbeitsplätzen von 75 Prozent. Wenn man bedenkt, dass die Bevölkerung im gleichen Zeitraum um etwa 25 Prozent gewachsen ist, ist dies doch bemerkenswert.

Stimmt das Wachstum der Gemeinde mit den Planungszielen der Exekutive überein?

Frei: Bis 2004 verzeichneten wir ein Bevölkerungswachstum von 2,5 Prozent pro Jahr, von 2005 bis 2011 betrug es 1,5 Prozent, und seit 2012 liegt das Wachstum bei 0,8 Prozent. Das entspricht unseren Zielen und ist überdies kongruent mit jenen der Region Wil.

Jonschwil hat eine überdurchschnittlich junge Bevölkerung. Was hat das für Auswirkungen?

Frei: Im Jahr 2000 waren wir die «jüngste Gemeinde» der Schweiz. Noch immer liegen wir diesbezüglich über dem Durchschnitt, doch diese Entwicklung schwächt sich ab. Wir verfügen über genügend Schüler. Schulschliessungen stehen nicht zur Diskussion. Die junge Bevölkerung ergibt eine Dynamik, was sich auch in aktiven Vereinen dokumentiert. Auf längere Sicht müssen wir uns hingegen auf eine Überalterung einstellen.

Jonschwil ist zwischen den Zentren Wil und Uzwil positioniert. Viele Pendler wohnen hier. Droht Jonschwil zu einer Schlafgemeinde zu werden?

Frei: Jonschwil verfügt über eine Vielzahl von Arbeitsplätzen. Wohnen und arbeiten am selben Ort ist partiell durchaus möglich. Die Vereine sind aktiv, haben aber zuweilen Mühe, Vorstandsfunktionen zu besetzen. Von einer Schlafgemeinde sind wir indes weit entfernt.

Sind die Folgen des neuen Raumplanungsgesetzes spürbar, ist ein weiteres Wachstum noch realistisch?

Frei: Auch mit den neuen gesetzlichen Vorgaben ist ein Wachstum möglich. Die innere Verdichtung möchten wir als Behörde weiter vorantreiben. Wir verfügen über dichte, kompakte Wohnformen. Zu erwähnen ist beispielsweise das Dörfli Schwarzenbach. Die Bauflächen haben wir gut genutzt, und weitere Einzonungen sind teilweise noch möglich.

Können die Schülerzahlen insgesamt gehalten werden?

Frei: Die Entwicklung ist unterschiedlich. In Jonschwil sind die Schülerzahlen sinkend, in Schwarzenbach steigend. In der Summe sind sie im Oberstufenzentrum Degenau konstant geblieben. Dank der Talentschule Musik erhoffen wir uns Neuzugänge.

Wie beurteilen Sie die verkehrstechnische Anbindung und den öffentlichen Verkehr allgemein?

Frei: Ärgerlich ist, dass wir den Halbstundentakt im Busbetrieb aus finanziellen Gründen seitens des Kantons nicht erhalten haben. Die Schliessung des Bahnhofs Schwarzenbach war mit der Hoffnung auf Eröffnung des Lipo-Kreisels verbunden. Doch sind dort die Bauarbeiten noch immer in vollem Gang.

Wie beurteilen Sie die finanzielle Situation der Gemeinde?

Frei: Unsere Steuerkraft liegt im kantonalen Mittel. Die Verschuldung konnte im Zeitraum von 15 Jahren von 8000 auf rund 1000 Franken pro Einwohner gesenkt werden. Der Steuerfuss hat sich von 162 auf 145 Prozentpunkte reduziert. Die Investitionen konnten wir weitgehend abschreiben. Erneuerungsbedarf zeigt sich bei den Schulbauten, was entsprechende finanzielle Mittel erfordern wird.

Welche Bedeutung messen Sie der regionalen Zusammenarbeit zu?

Frei: Zu erwähnen sind Verkehrsplanung, Wirtschaftsförderung und Raumplanung. Die Interessenwahrung gegenüber dem Kanton ist mit regionalem Vorgehen besser möglich. Effizienzgewinne erkenne ich auch in der kleinräumigen regionalen Zusammenarbeit.

Was ist das Besondere an Jonschwil?

Frei: Weil wir über einen breiten Mittelstand verfügen, ist die Bevölkerung aktiv und offen. Wir sind genügend klein, um überschaubar zu sein, aber genügend gross, um gut funktionieren zu können.

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